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Leserbrief
Leserbriefe
18.01.2022

Werbeverbot für Cervelat?

Bild: unsplash
Ein Leserbrief von Martin Jäger, Chur

Ich gebe es zu: Eine am Feuer gebratene Cervelat schmeckt herrlich. Einen guten Wurst-Käse-Salat verachte ich auch nicht, und in einem meiner meist besuchten Speiserestaurants steht die «Clochard-Rösti» auf der Speisekarte. Das ist Rösti mit Speck und Cervelat. Empfehlenswert! Und nun sehe ich auf Plakaten und in Inseraten grosse durchgestrichene Cervelats, die von einem Werbeverbot bedroht seien… Bei der Abstimmung vom 13. Februar 2022 geht es aber in keinster Weise um Cervelats oder andere Würste. Es geht um die Werbung für Tabak – und um nichts anderes. Und die Initia-tive der grossen Gesundheitsorganisationen der Schweiz verlangt auch kein «totales Werbe-Verbot», wie die Gegner behaupten. Sie will lediglich zielgerichtet die für Kinder und Jugendliche sichtbare Werbung verbieten. Es ist klar: In politischen Abstimmungskämpfen werden Aussagen zugespitzt. Plakate wollen gesehen werden. Und doch ist es mühsam und mehr als ärgerlich, wenn jeweils versucht wird, mit Falschaussagen oder Schreckgespenstern, die mit der effektiven Abstimmungsfrage rein gar nichts zu tun haben, eine Vorlage schlecht zu reden. Rauchen ist ungesund. Daran sterben jedes Jahr 40-mal mehr Menschen als im Verkehr. Der Tabakkonsum verursacht jährlich Kosten im Gesundheitswesen in Milliardenhöhe. Als ich noch Lehrer war, nahm ich jeweils mit jeder meiner Primarklasse «das Rauchen» durch. Mit einer «Rauchmaschine» untersuchten wir, wie viel Teer aus einer einzigen Zigarette in die Lunge gelangen würde. Das Teerhäufchen war jeweils eindrücklich gross – egal ob mit oder ohne Filter an der Zigarette. Schon damals sammelten wir Zigarettenwerbung, um festzustellen, wie sich diese mit schönen Traumbildern praktisch immer primär an Kinder und Jugendliche richtet. Der Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor der Tabakwerbung» stimme ich darum mit grosser Überzeugung zu. Meine gelegentliche Lust an Cervelats wird dies in keiner Art und Weise betreffen.

Martin Jäger