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Kanton
09.02.2022
09.02.2022 17:06 Uhr

Graubünden "übt" die Normalität nach der Pandemie

Die Bündner Regierung sieht das Ende der maskierten Zeiten gekommen und befürwortet eine weitgehende Aufhebung der Maskenpflicht. (Archivbild)
Die Bündner Regierung sieht das Ende der maskierten Zeiten gekommen und befürwortet eine weitgehende Aufhebung der Maskenpflicht. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Der Kanton Graubünden bewegt sich in der Corona-Pandemie Richtung Normalität: Die Regierung hat die kantonalen Corona-Massnahmen aufgehoben und ist auch für die sofortige Aufhebung aller Bundesmassnahmen. Der für die Bewältigung der Pandemie zuständige Kantonale Führungsstab wird aufgelöst.

Das ist die Nachricht, die viele aus dem Schulbereich hören wollten, sagte Erziehungsdirektor Jon Domenic Parolini (Mitte) am Mittwoch vor den Medien in Chur. "Ab morgen ist die Maskenpflicht in der Volksschule aufgehoben." Einzig Lehrpersonen müssten weiterhin Masken tragen, da das eine Vorgabe des Bundes sei.

Die vorübergehend ausgesetzten Massentest in Schulen und Betrieben nimmt der Kanton nicht wieder auf. Sie werden offiziell eingestellt. Angesichts überlasteter Labors machen sie laut der Regierung keinen Sinn mehr. Gleichzeitig entspanne sich die Situation in den Spitälern und auf den Intensivstationen trotz enorm hoher Fallzahlen zusehends, erklärte Regierungspräsident Marcus Caduff (Mitte).

Auch bei den Corona-Massnahmen des Bundes befürworten die Bündner ein schnelles Vorgehen. Die Regierung bevorzugt die Variante 1 des Bundesrates, die sofortige Aufhebung fast aller Massnahmen. "Eine weitere Maskenpflicht im ÖV und im Detailhandel sehen wir nicht", erklärte Caduff. Aus der Pandemie scheine eine Endemie zu werden.

"Wir gehen davon aus, dass der grösste Teil der Bündner Bevölkerung immunisiert ist, sei es durch Impfung oder durch Infizierung", sagte der Regierungspräsident. Gemäss Schätzungen des Gesundheitsamtes sei bereits die Hälfte der Bevölkerung in Kontakt mit Omikron gekommen.

Graubünden löst aufgrund der positiven Entwicklung die Organisation auf, die während zweier Jahre für die Corona-Krise managte: den vielfach gelobten kantonalen Führungsstab. Die weitere Bewältigung von Corona soll wieder in den ordentlichen Strukturen erfolgen. Die Leitung erhält das Gesundheitsamt.

Bereit für weitere Krisen

Der dem Führungsstab zur Verfügung stehende Bestand von etwa 100 Personen werde auf maximal 30 reduziert, erläuterte Gesundheitsdirektor Peter Peyer (SP) die weiteren Pläne. "Wir wollen nicht auf Null hinunterfahren, weil wir nicht wissen, was im Herbst passiert", betonte der Regierungsrat. Noch sei die Pandemie eben nicht vorbei.

Auf eine erneute Verschärfung der Corona-Situation könne der Kanton auch in Zukunft schnell reagieren, versicherte Martin Bühler, bis dato Leiter des Führungsstabs. "Wenn wir jetzt hinunterfahren, bedeutet das nicht, dass wir uns dann gar nicht mehr bewegen können", erklärte er. "Wir haben viele Erfahrungen gesammelt und können innert kurzer Zeit wieder eine Verbund-Führungsstruktur einsetzten."

Härtefallgelder für das Winterhalbjahr

Gute Nachrichten präsentierte die Regierung auch für Unternehmen, die wegen Corona-Massnahmen Umsatzeinbussen erlitten. Einerseits wird für das vierte Quartal 2021 das Härtefallprogramm 1 wiedereröffnet. Andererseits ist der Kanton daran, für die ersten Monate dieses Jahres ein Härtefallprogramm 2 aufzugleisen.

Für das Härtefallprogramm 1 gelten laut Volkswirtschaftsdirektor Caduff die selben Regeln wie schon letztes Jahr. Für das Härtefallprogramm 2 werde es strengere Voraussetzungen geben.

Unterstützten will der Kanton auch Unternehmen, die im ersten Härtefallprogramm bereits ihre Beitragslimite ausgeschöpft haben und keine Bundesgelder mehr beanspruchen können. Der Kanton werde die Lücke füllen und diese Hilfen selbst ausschütten, versicherte Caduff. Er rechnet mit Kosten von 5 bis 7 Millionen Franken.

vilan24/Keystone-SDA