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Jenins
19.02.2022

In mehreren Generationen zur Vielseitigkeit

Die Familie Eggenberger. Andreas jun. (v.l.) mit Ronny, Ladina mit Fluri und Lea mit ihrem Mann Andreas sen.
Die Familie Eggenberger. Andreas jun. (v.l.) mit Ronny, Ladina mit Fluri und Lea mit ihrem Mann Andreas sen. Bild: zVg
Mitten im Weinbaudorf Jenins steht ein grosses Bauernhaus, in dem vier Generationen der Familie Eggenberger leben. Das sind die Grosseltern Christian und Annamarie Eggenberger-Wyss, die Eltern Andreas und Lea Eggenberger-Roffler, Andreas jun. und Ladina Eggenberger-Imhof mit den Söhnen Ronny und Fluri. Wer den Betrieb der Familie kennt, weiss, dass es dort immer viel zu tun gibt und alle mitanpacken müssen. Ein Porträt.

Gleich neben dem Bauernhaus der Familie Eggenberger steht der alte Stall. Doch Tiere findet man darin keine mehr. Denn, damit der Stall den heutigen Vorschriften entsprechen würde, wären da in den nächsten Jahren einige Umbauten auf die Familie zugekommen. Der Güllenkasten zu klein, die Läger zu kurz und der tägliche Weidegang mit den Kühen war immer damit verbunden, auf die Strasse hinaus zu müssen. Hinzu kam, dass die Kühe die Vorplätze der Liegenschaften an der Strasse nicht betreten und die Postautos nicht behindern sollten. Und wie es heute selbst in den Dörfern so ist, auch wenn vielleicht niemand direkt etwas sagt, einen Kuhfladen auf der Strasse will keiner sehen. Deshalb hat sich die Familie Eggenberger entschieden, ihre Milchkühe auszusiedeln.

Nach eigenen Vorstellungen

Nach jahrelangem Warten auf die Bewilligung wurde am 2. März vergangenen Jahres mit dem Aushub für den neuen Stall begonnen. Vater Andreas und Sohn Andreas jun. haben sich viele Ställe angesehen, um herauszufinden, welcher der richtige für sie sein könnte. Da keiner der besichtigten Ställe zu 100 Prozent ihren Ansprüchen entsprach, haben die Beiden einen Entwurf eines Stalls nach ihren Vorstellungen aufs Papier gebracht.

Auch ohne den geplanten Stallneubau sind die Tage auf dem Betrieb der Eggenbergers arbeitsintensiv. Dank der Mithilfe von Familie und Freunden konnten sie den Bau des neuen Stalls, der rund ein Jahr dauerte, auch noch meistern. Mit zwei Monaten Verspätung, weil das Holz nicht pünktlich geliefert werden konnte, zogen dann am 16. November 2021 die Milchkühe in den neuen Stall ein. Weil es sich bei den Eggenbergers um passionierte Jäger handelt und die Wimmelarbeit in den Reben auch in diese Jahreszeit fällt, kam die Bauverzögerung gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Der neue Stall steht inmitten von Weinbergen und Wiesen. Der helle und grosszügige Laufstall bietet den Tieren viel Licht, Bewegung und frische Luft. Gemolken werden sie mit Hilfe eines Melkroboters. Das Angewöhnen hat erstaunlich schnell und gut funktioniert. Das Arbeiten im neuen Stall ist ein anderes, die Eggenbergers haben mehr Zeit für die Tiere. Die Lebensqualität ist in jeglicher Hinsicht gestiegen, und auch das Tierwohl ist sichtbar. Der permanente Zugang ins Freie, die grosszügigen Liegeboxen und die automatische Kratzbürste, allerbestes Futter und frisches Wasser: Was braucht eine Kuh mehr zum Glücklichsein?

Jeninser Wein

Den Eggenbergers gehört zudem ein Weinberg mit einer Anbaufläche von dreieinhalb Hektaren. Diese werden unter dem Jahr zum grössten Teil von Lea Eggenberger betreut. Sie wird dabei von zwei Frauen unterstützt, aber auch die Familie hilft dabei tatkräftig mit. Bei den Wimmelarbeiten können sie auch auf die Mithilfe von vielen Freunden zählen. Bei der Ernte der Trauben werden die Helfer von Ladina und Sereina, Leas und Andreas’ ältere Tochter, verköstigt. Die Weintrauben werden an drei Winzer – Obrecht Weine Jenins, Von Salis und Graf AG – verkauft. Von den Winzern Obrecht und Graf AG werden einige Weine für die Direktvermarktung im Hofladen zurückgekauft. Aus den Trauben entstehen die Weine Pinot Noir und Riesling-Silvaner.

Mobiler Hühnerstall

Beim mobilen Hühnerstall zeigt sich, wie gut sich die Generationen der Familie Eggenberger ergänzen können. Die Idee des mobilen Hühnerstalls kam von Ladina, und Andreas sen. war voller Begeisterung. Doch angefangen hat es damit, dass die Schwägerin von Lea viele Hühner hielt, die jedoch für die Direktvermarktung zu abgelegen wohnten. Deshalb verkauften sie die Eier dieser Hühner im Hofladen in Jenins, wo die Nachfrage grösser war als das Angebot. Zwei Wochen nach dem Eintreffen des Hühnerstalles zogen im Juli 2020 neu 90 Hühner bei den Eggenbergers ein. Die vielen Eier sind einerseits für den Eigengebrauch gedacht und werden andererseits im Hofladen angeboten oder in all den vielen Köstlichkeiten, die Lea für den Hofladen backt, verwendet.

  • Der neu erbaute Kuhstall inmitten der Jeninser Weinberge und Wiesen. Bild: zVg
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  • Die Familie Eggenberger verkauft ihre Produkte im Hofladen, der mitten im Dorf Jenins steht. Bild: zVg
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  • Seit über zehn Jahren betreibt Andreas jun. Ein eigenes Lohnunternehmen. Bild: zVg
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Direktvermarktung über den Hofladen

Über den Hofladen, der direkt an der Dorfstrasse, dem Weinwander- und Fahrradweg liegt, werden all die vielen von der Familie Eggenberger hergestellten Produkte verkauft. Bereits Annamarie verkaufte den Alpkäse über die Strasse. Durch die Ängste der Kundschaft, jedes Mal klingeln zu müssen, wenn sie Käse kaufen wollte, entstand die Idee, einen Selbstbedienungs-Hofladen zu errichten. Die Auswahl dort ist gross: von Hühnereiern über Nusstorten, Röteli, und auch Konfitüre bis hin zu Kissen. All diese Sachen stammen aus dem Betrieb oder wurden von einem Familienmitglied von Hand hergestellt. Lea backt die feinen Nusstorten, der Röteli entsteht durch Ladinas Arbeit, für den Likör ist ihre Schwester Valeria zuständig und die Konfitüren werden von Ladinas Mutter eingekocht.

Auch eine Kaffeemaschine steht im Hofladen, und die Sitzgelegenheiten sowie der Spielplatz für Kinder laden zum Verweilen ein. Corona hat nicht nur ihre schlechten Seiten. Nach Ausbruch der Pandemie erlebten die meisten Hofläden einen wahren Höhenflug – so auch der Selbstbedienungsladen der Eggenbergers. Dies wiederum führte zur Idee, einen Onlineshop ins Leben zu rufen.

Schlafen im Fass

Ein weiteres, sehr beliebtes Angebot auf dem Hof der Familie Eggenberger in Jenins ist das Schlafen im Fass. Die gemütliche Zweisamkeit ist so gefragt, dass die «Schlaffässer» bereits heute bis zu 90 Prozent ausgebucht sind. Die Idee stammt von Andi Hartmann, der auf der Suche nach einem passenden Standort für seine «Schlaffässer» war. Und was wäre da passender als ein Weinbaudorf in der schönen Bündner Herrschaft mit Aussicht auf die Weinberge. Um das Marketing und die Büroangelegenheiten zum «Schlafen im Fass»-Angebot kümmert sich Andi Hartmann. Die Eggenbergers halten das Ganze im Schuss, begrüssen die Gäste und überreichen ihnen zur Verpflegung einen Korb voller Produkte vom Hof. Zum grossen Erfolg des Hofladens oder auch des Schlafens im Fass haben soziale Medien beigetragen, denn der Hof der Eggenbergers hat eine eigene Facebook-Seite und ist auch auf Instagram zu finden.

Eigenes Lohnunternehmen

Seit nun schon über zehn Jahren betreibt Andreas jun. neben der Landwirtschaft ein eigenes Lohnunternehmen. Mit seinen beiden John-Deer-Traktoren und der neusten Generation von Kuhn-I-Bio-Kombipresse bietet er Rundballenservice mit Folienwicklung sowie landwirtschaftliche Transporte jeglicher Art oder Übersaaten an. Diese Arbeit nimmt einen grossen Teil der Zeit in den Sommermonaten in Anspruch. Doch hier gilt für Andreas Eggenberger jun., der Kunde ist König. Daher kann es schon einmal vorkommen, dass er erst spät in der Nacht von der Arbeit nach Hause kommt. Doch die Eggenbergers sind ein eingespieltes Team. Und jeder springt dort ein, wo sie/er benötigt wird.

Wenn dieser Artikel Ihr Interesse am Betrieb der Familie Eggenberger in Jenins geweckt hat, dann haben Sie am Samstag, 26. März 2022, anlässlich des Tags der offenen Tür die Gelegenheit, diesen selber in Augenschein zu nehmen und die Familienmitglieder kennenzulernen.

Ladina Steinmann