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Untervaz
02.04.2022

Der Archivar und Mann für’s Visuelle, Hitsch Ludwig

Hitsch Ludwig bleibt dank stetigen Weiterbildungen immer am Puls der Zeit.
Hitsch Ludwig bleibt dank stetigen Weiterbildungen immer am Puls der Zeit. Bild: zVg
Seine Bilder hängen an zahlreichen Wänden im Gemeindehaus, und auch seine Filme sind auf diversen Webseiten von Untervazer Vereinen omnipräsent. Diese Popularität kommt nicht von ungefähr, denn der Filmemacher und Fotograf Christian «Hitsch» Ludwig ist seit über dreissig Jahren immer am Puls der Zeit, wenn es um die Technik geht und bildet sich stetig weiter. Zudem ist es ihm ein Anliegen, den lokalen Vereinen oder auch der Gemeinde bei visuellen Projekten gerne unter die Arme zu greifen.

Unten im Keller hat sich Hitsch Ludwig ein gemütliches «Stübli» eingerichtet, in dem er seinem Computer mit Final Cut, Photoshop und Co. Filme schneidet, den Bildern zusätzliche Farbe einhaucht oder einfach Fotos oder bewegten Bildern den nötigen Glanz verleiht.

Zum Filmen kam er eher zufällig. «Mitte der 80er-Jahre war mal der Sohn meiner Schwester bei uns zu Gast. Er hatte sich kurz vorher eine Kamera erworben und zeigte uns dann seine verwackelten Aufnahmen.» Diese Ferienaufnahmen seien für ihn ein Graus gewesen. «Ich dachte mir sofort, dass ein Film doch auch irgendwie in einer besseren Qualität produziert werden könnte und wollte das Gerät unbedingt ausprobieren. Er lieh mir dann das gute Stück aus und seit diesem Moment hat mich das Fieber nie mehr los gelassen.»

Die Bilder beginnen zu rollen

«Schon früh habe ich mich sehr für die Materie interessiert und auch zahlreiche Kurse bei der damaligen Videocom in Chur besucht.» Es sei ihm ein grosses Anliegen gewesen, dass sein Wissen über die Technik immer breiter wachse. Geübt und sein Können verfeinert habe er durch Filme über Freunde, wie beispielsweise an öffentlichen Anlässen oder Familienfesten. Mit der Erfahrung seien auch die technischen Vorstellungen vom umtriebigen Untervazer an sein Material gestiegen. «Ich habe mir dann auch immer besseres Equipment angeschafft und hatte schon früh einen Amiga Computer, zwei Zuspielgeräte, einen Recorder und vieles mehr hier in meinem Produktionsraum.» Diese kostspieligen Anschaffungen haben nicht nur bei Kunden, sondern auch beim damals jungen Computerbegeisterten Viktor Galliard Eindruck hinterlassen. «Er kam hier als kleiner Junge und durfte sich einfach so ausprobieren, Titel und Effekte kreieren. Es ist irgendwie schon lustig heute zu sehen, dass Viktor inzwischen einen Doktortitel in Informatik hat. Sein inzwischen leider verstorbener Vater hat mir damals öfters dafür gedankt. Für ihn war klar, dass ohne diese Experimente hier im Keller so ein Titel wohl kaum möglich gewesen wäre.»

Die Industrie hat Türen geöffnet

Richtiger Kickstart seiner professionellen Karriere sei ein Kurzfilmwettbewerb 1991 gewesen, der vom Schweizer Fernsehen, gemeinsam mit dem Schweizer Videomagazin und der Firma JVC organisiert worden sei. «Damals habe ich an dem rund fünfminütigen Film über ein halbes Jahr gearbeitet. Dass ich nachher aus den rund 800 Einsendungen als Sieger hervorging, ist mir schon ziemlich eingefahren.» Natürlich habe ihm der Gewinn weitere Türen geöffnet und rasch haben sich Firmen aus der ganzen Schweiz bei ihm gemeldet. Doch hundert Prozent nur auf das Filmen zu setzen sei bei ihm nie ein Thema gewesen. «Ich habe immer gerne gearbeitet beim Kieswerk Untervaz, wo ich zuletzt sogar Betriebsleiter war. Die Energie und die Freude an der Arbeit mit den tollen Kolleginnen und Kollegen waren immer da.» Ludwig habe ursprünglich Metallbauschlosser erlernt und sich mit viel Freude über die Jahre die Karriereleiter hinaufgearbeitet. Dass es ihm beim Betrieb in Untervaz wohl nicht allzu schlecht gefallen hat, zeigen auch seine Filme und Fotografien, die oft auch in der Branche angesiedelt sind. «Die Arbeit in der Industrie und auf dem Bau konnte ich immer sehr gut mit meiner Leidenschaft, dem Filmen verbinden. Über die Jahre konnte ich diverse Firmenporträts oder Produktbeschreibungen filmen, die vielfach heute noch in Gebrauch sind.» Diese und auch ein Imagefilm über den Kanton Graubünden seien sich lohnende Ausgleiche zu seinen Herzblutprojekten, wie beispielsweise dem Film über das Brauchtums des «Schibaschlaha» oder auch die Geschichte von Untervaz, welche er meistens gemeinsam mit seinem kreativen Partner Thomas Röthlisberger auf die Beine stellt. «Ich hatte immer das Glück mit Profis zusammenzuarbeiten und habe bei meinem Schaffen stets auf Qualität statt Quantität gesetzt. Im Prinzip geht es mir darum, dass ich meine Anschaffungen rückfinanzieren kann und wenn ich zusätzlich noch lokale Vereine oder die Gemeinde Untervaz unterstützen kann, bin ich mehr als zufrieden.»

In über 30 Jahren hat Hitsch Ludwig zahlreiche Filme gedreht. Bild: zVg

Hoochzeitsfotografie – nein, danke

Durch diesen Qualitätsanspruch und das stetige sich weiterbilden, sind einige Perlen entstanden über die vergangenen 30 Jahre. Für den Pensionär ist es wichtig, dass diese Schätze in Film- und Fotoform längerfristig in seinem umfangreichen Archiv erhalten bleiben. «Die Geschichte von Untervaz ist enorm gut dokumentiert und ich werde mich aktiv dafür einsetzen, dass das auch so in Zukunft bleibt.» Auch wenn es eher selten vorkäme, sein Archiv stelle er jederzeit gerne der Öffentlichkeit zur Verfügung. Nicht so der Typ sei er für das öffentliche Ausstellen seiner Werke. «Das ist einfach nicht meine Art, denn mir geht es mehr um die Machart und Technik wie ein Bild entsteht, als um mich als Person.» Extrem wichtig ist es Hitsch Ludwig auch zu erwähnen, dass die Fotografie und das Filmen sich doch sehr unterscheiden. «Filmen bildet immer einen Prozess ab, während das Fotografieren oft einen einzelnen Moment einfängt.» Leider werden diese beiden Bereiche oft in den gleichen Topf gesteckt, was bei ihm Kopfschütteln auslöse. «Die Fotografie habe ich erst sehr viel später für mich entdeckt und ich finde es schade, dass viele in der heutigen Zeit sich nicht mehr so vertieft mit der Materie auseinandersetzen. Ein Smartphone kann nie die Qualität von einer professionellen Vollformatkamera erreichen.» Er habe auch in diesem Bereich immer wieder Kurse besucht und ein Blick auf seine Naturbilder zeigt, dass sein Spiel mit den Belichtungszeiten, dem Kontrast zwischen scharf und unscharf und weiteren Spielereien seine Wirkung bei den Zuschauern nicht verfehlt. Ein zusätzlicher Pluspunkt seiner Werke ist die Möglichkeit, dass man sie ebenfalls auf Grossleinwand drucken kann, ohne ein verpixeltes Endresultat zu erhalten. «Ich nehme mir beim Fotografieren immer extrem viel Zeit und suche geduldig den perfekten Platz für ein Bild. Darum werde ich wohl nie ein Hochzeitsfotograf, da mir das viel zu stressig wäre.» Diese berufliche Laufbahn muss der Mann fürs Visuelle auch nicht mehr unbedingt einschlagen. Sein Archiv, sowie auch seine umfangreiche Filmographie enthalten schliesslich jetzt schon Schätze, die es noch mehreren Generationen erlauben werden, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und die Geschichte der Region aufs Neue zu erleben. Auch wenn Qualität bekanntlich von Qual kommt, scheint es doch immer so, dass Hitsch Ludwig seinen beiden Leidenschaften mit viel Leichtigkeit und Begeisterung folgt, was seinen Werken etwas Magisches verleiht.

Christian Imhof