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Prättigau
20.04.2022

Drei Frauen im Herzen des Prättigaus

Damenwahl im Mittelprättigau (vlnr): Annemarie Grünig (Wahlkreis Luzein), Monika Baumgartner (Wahlkreis Jenaz) und Marianna Dürr-Dachauer (Wahlkreis Küblis).
Damenwahl im Mittelprättigau (vlnr): Annemarie Grünig (Wahlkreis Luzein), Monika Baumgartner (Wahlkreis Jenaz) und Marianna Dürr-Dachauer (Wahlkreis Küblis). Bild: zVg
In den Einerwahlkreisen im Mittelprättigau treten bei den Grossratswahlen drei Frauen für die Liste 1 SP & GRÜNE an. Ihre Biografien sind unterschiedlich, ihre Motivation hingegen dieselbe: Etwas bewegen und den Frauen mit ihren vielfältigen Lebensentwürfen eine Stimme geben.

Wenig deutete darauf hin, dass Marianna Dürr-Dachauer einmal in die Politik gehen würde, obwohl ihre Lebensgeschichte mehr als genügend Stoff hierzu bietet. Aufgewachsen ist sie in Küblis und Tälfsch in recht ärmlichen, bäuerlichen Verhältnissen, bei ihrer Mutter, einer Bergbäuerin aus St. Antönien, die ihren harten Beruf mit viel Herzblut bis ins hohe Alter ausübte. Ihre Mutter war es auch, die es mit der finanziellen Unterstützung der Nachbarin ermöglichte, dass Marianna Dürr-Dachauer ihrem Traumberuf Lehrerin erlernen konnte: «Unsere Nachbarin Anneli lieh meiner Mutter damals ihr "Putzgeld" aus, damit ich mich heimlich zur Aufnahmeprüfung für das Lehrerseminar in Schiers anmelden konnte.» Denn ihr Stiefvater meinte, die junge Frau solle servieren gehen.

Nach ihrer Ausbildung am Lehrerseminar in Schiers war Marianna Dürr-Dachauer 24 Jahre lang im Baselbiet als Primarlehrerin tätig, bevor sie 2012 in ihre Heimat zurückkehrte und sich in Fideris niederliess. Dass sie nach so langer Zeit trotzdem einer Partei beigetreten und in die Politik eingestiegen ist, hat nicht zuletzt mit den letzten kantonalen Wahlen 2018 zu tun: «Ohne eine einzige Frau im Regierungsrat, bin ich endgültig aufgewacht. Wir treten seit Jahrzehnten an Ort, oder der errungene Fortschritt wird sogar wieder in Frage gestellt.»

Für mehr Frauen in der Politik

Die Wahlen 2018 waren auch der Grund, weshalb Marianna Dürr-Dachauers langjährige Lebenspartnerin Monika Baumgartner den Entschluss fasste, in die Politik zu gehen. «Ich war so unglücklich darüber, dass ich in unserem Wahlkreis nur zwischen zwei bürgerlichen Männern auswählen konnte und dass in der Regierung nun auch wieder nur Männer sitzen würden. Das wollte ich ändern!»

Aufgewachsen ist Monika Baumgartner in der Region Basel, wo sie an der Universität Englische Sprach- und Literaturwissenschaft sowie deutsche Sprachwissenschaft und Nordistik studiert hat. «Mein Studium hat mich in meiner Überzeugung gefestigt, dass alle Menschen gleichwertig sind und Anrecht auf dieselben Chancen im Leben haben.» Diese Haltung begleitete sie auch in der Finanzbranche in Zürich, wo sie viele Jahre lang als Spezialistin für Unternehmenskommunikation tätig war. Mit gleichgesinnten Kollegen erwirkte sie denn auch vor zwanzig Jahren, dass Konkubinatspartner:innen im Pensionskassenreglement von UBS endlich gleichbehandelt wurden.

Vor 10 Jahren fand Monika Baumgartner in Fideris ihre zweite Heimat. «Ich mag einfach die Bodenständigkeit, den Humor und vor allem auch die Mundart, der Menschen hier im Prättigau. Vor allem geniessen wir hier eine hohe Lebensqualität mit unserer prächtigen Bergwelt und Natur. Aber, wir müssen Sorge dazu tragen.»

Die Dritte im Frauenbunde ist Annemarie Grünig. Sie ist in Winterthur aufgewachsen, hat aber familiäre Verbindungen im Prättigau. Deshalb ist sie auch vor 11 Jahren aus «Heimweh nach dem Prättigau» nach Pany gezogen: «Hier in den Bergen geht einfach mein Herz auf.»

Ihre Erstausbildung machte Annemarie Grünig vor 40 Jahren als «Damenkonfektionsverkäuferin», wie es damals noch hiess. Nach der Erstausbildung arbeitete sie für ein paar Jahre im Gastgewerbe, bevor sie dann in die Privatwirtschaft wechselte und in der Vermögensverwaltung tätig war. «Die Materie war mir aber zu trocken. Zahlen haben mich einfach weniger interessiert als Menschen», erinnert sie sich. So beschloss sie, an der Fachhochschule die Ausbildung zur Pädagogin zu machen und begann in der sozialen Arbeit zu wirken. Durch ihre Tätigkeit hat sie die vielen Facetten der Arbeit mit Menschen in unterschiedlichen, schwierigen Lebenssituationen kennengelernt: als Berufsbeiständin, im Kinderschutz und in der Altersarbeit, als Sozialarbeiterin in der gesetzlichen Sozialhilfe oder im Opferschutz. Seit 2019 leitet sie das Frauenhaus Graubünden.

So gesehen, war Annemarie Grünig in Themenbereichen tätig, die immer wieder im politischen Brennpunkt standen. Den Zugang zur eigentlichen Politik fand aber auch sie erst vor kurzem: «Zunächst dachte ich, ich möchte das Ganze einfach etwas aufmischen, etwas Stimmung reinbringen. Aber jetzt, nachdem ich mit einigen Leuten hier gesprochen habe, merke ich, dass es mich sehr freuen würde, wenn ich es schaffe. Denn im Grossen Rat könnte ich etwas bewegen und vor allem Themen einbringen, die ich aus erster Hand kenne.»

Die drei Kandidatinnen werden auch am Wahlhengert am 24. April 2022 auf der Burg Castels in Putz anwesend sein und freuen sich, viele Fragen zu ihrer Kandidatur oder den Wahlen im Allgemeinen zu beantworten. Am Wahlhengert in Grüsch ist zudem Anna Gredig zu Gast. Die Bio-Bäuerin kandidiert ebenfalls für die Liste 1 SP & GRÜNE in Safien und setzt sich unter anderem für Chancengerechtigkeit von Frauen in der Landwirtschaft ein.

Pressedienst