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Prättigau
23.04.2022

Fluri Aliesch: Ein Leben für «ünschi Ziitig»

Bild: M. Kobald
Angehörige und eine grosse Trauergemeinde haben am Gründonnerstag, 14. April 2022, auf dem Friedhof und in der Kirche Luzein Abschied genommen von Fluri Aliesch. Nach kurzer Krankheit durfte er wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag, in dem Haus wo er geboren wurde, friedlich einschlafen. Die von Pfarrer Florian Sonderegger würdevoll gestaltete Trauerfeier wurde auf dem Friedhof musikalisch umrahmt von der Musikgesellschaft Pany. Drei Vereinsfahnen senkten sich zum letzten Gruss über das Grab.

Nun blicken wir zurück auf das beruflich und gesellschaftlich bewegte Leben von Fluri Aliesch. Die Primarschule besuchte er in Luzein und die Sekundarschule in Küblis. Sein Lieblingsfach war Aufsatzschreiben, auch Geschichte, Geographie und Naturkunde vermochten ihn zu begeistern. Von 1948 bis 1952 absolvierte er die vierjährige Lehre als Schriftsetzer in der Buchdruckerei Schiers. Anschliessend begab sich der frischgegautschte Jünger Gutenbergs auf die Wanderschaft in Druckereien nach Heiden, Bern und Basel. Im November 1957 folgte dann die Ära Prättigauer und Herrschäftler Zeitung «ünschi Ziitig». Vorerst war er als Hand- und Maschinensetzer ein sehr geschätzter Mitarbeiter. Damals wurde die Druckform noch vollständig im Bleisatz hergestellt. Ab 1968 wurde Fluri von Redaktor Joos Thöny immer häufiger mit redaktionellen Aufgaben betraut. Nun konnte er sein Talent als «Schreiberling» richtig entfalten. Nach dem Rücktritt von Joos Thöny im Juni 1982 trat auch noch Ursula Schmid aus Fanas in die Redaktion ein, die sie jedoch bereits Ende März 1983 wieder verliess. Der darauffolgende «Einmannbetrieb» in der Redaktion konnte sporadisch mit verschiedenen Mitarbeitenden überbrückt werden. Bis Fluri dann ab 1. September 1990 durch Edy Walser tatkräftige Unterstützung fand. Diese in gutem Einvernehmen harmonierende Zusammenarbeit dauerte bis im Frühjahr 1995. Edy wechselte zum «Bündner Tagblatt» und Fluri liess sich als Redaktor vorzeitig in den Ruhestand versetzen.

Noch kein Ruhestand

Auch die Kommission Kulturelles der Pro Prättigau durfte die Dienste von Fluri in Anspruch nehmen. Insbesondere seine Bemühungen zur Erhaltung der einheimischen Mundart, von ihm «Gassäspraach» genannt. Er erhielt den Auftrag, Beiträge unter dem Titel «Humor in ünscher Spraach» aus der Zeitung in Buchform zu veröffentlichen. Darin enthalten sind auch köstliche Geschichten über seine Fantasiegestalt «Gudlämartisch Happ». Deutliche Spuren hat Fluri auch mit der Prättigauer Talchronik hinterlassen. Von 1981 bis 2001 gehörte er zur Redaktionskommission, während 15 Jahren berichtete er über die Gemeinde Luzein, als Verbindungsmann zur Druckerei blieb er eng mit diesem Werk verbunden. Seine tiefe Verbundenheit mit «ünscher Ziitig» konnte Fluri durch das Verfassen der Jubiläumsschrift «100 Jahre Prättigauer und Herrschäftler» zum Ausdruck bringen. Das zweite Halbjahrhundert P&H beruht vielfach auf seinem eigenen Erleben. Im Jahr 1968 gehörte Fluri zu den Gründern des Vereins Heimatmuseum Prättigau. Nach jahrelanger Tätigkeit im Vorstand wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Bis zur Auflösung des Vereins per Ende 2018 interessierte er sich für das Vereinsgeschehen.

Ein reich erfülltes Leben

Neben seiner vielfältigen Tätigkeit hat Fluri in seiner bescheidenen, humorvollen Art das Leben bis ins hohe Alter geniessen dürfen. Viel dazu beigetragen hat sicher das gute Einvernehmen mit der Familie von Bruder Hans. Am Vereinsleben nahm er regen Anteil, sei es in der Männerriege des Turnvereins oder als Theaterspieler für die Musikgesellschaft Pany. Als Mitglied der Turnveteranengruppe Küblis konnte er jeweils über gelungene Anlässe berichten. Seit einer Amerikareise 1972 hat ihn das Reisefieber gepackt, sodass er zusammen mit einem Nachbar etliche Reisen in die weite Welt buchte.

Seit dem Stellenantritt von Fluri in der Drucki 1957 hat sich unser berufliches Wirken mehrheitlich in der gleichen Umgebung abgespielt. Durch sein kollegiales Verhalten, seiner Zuverlässigkeit und seinem trockenen Humor hat er viel zu einem guten Arbeitsklima beigetragen. Viel bedeutete ihm die Tradition des «Gautschens», die Wassertaufe nach dem Lehrabschluss als Setzer oder Drucker. In der Funktion als Gautschmeister gestaltete Fluri diesen Akt standesgemäss. Die anschliessende Gautschfeier und weitere heitere Anlässe der Druckifamilie wurden sehr geschätzt. Auch andere Aktivitäten, wie Leserreisen, Wanderungen, Skirennen, Kegelmeisterschaften, Druckisporttage bleiben unvergessen. Jetzt begegnen wir Fluri nicht mehr am Bahnhof oder im Dorf, was bleibt sind schöne Erinnerungen an einen bodenständigen Weggefährten, dem wir ein ehrendes Andenken bewahren. Jetzt ist also Schluss mit «Gluoget, gloset und gädeicht». Lieber Fluri, ruhe sanft in der Heimaterde.

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Hans Kaufmann