Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Küblis
22.05.2022

Ein Leben für die Familie mit Rindern und Pferden

Bild: zVg
In einer gschichtsträchtigen Gegend erlebte Werner Keller seine 56-jährige Älplergeschichte im Val S-charl.

Als Nomaden lebt die Familie Keller. Dies kam aus den Worten von Werner Keller anlässlich des dritten Treffens von Werner und seiner Gattin Bernadette Keller mit ihren Alpviehkunden im Rössli im toggenburgischen Dietfurt, denn aus dieser Gegen stammen die meisten Viehzüchter, die teilweise bereits in dritter Generation ihre Rinder auf den hochgelegenen Engadiner Alpen sömmern lassen und die von der Familie Keller betreut werden.

Das Älplerleben

Das Älplerleben von Werner Keller begann vor 56 Jahren. Der heurige Alpsommer wird somit der 57. sein, den er zusammen mit seiner Frau Bernadette im Val S-charl erleben darf. Ausserordentlich ist auch das Nomandenleben, wie es Werner umschreibt, denn im Winter lebt die Familie in Küblis im Prättigau, mit Haus und Stall für Kellers Freiberger. Von da aus arbeitete Werner während 44 Jahren im Winter im Pistenrettungsdienst in Davos. Auch wenn er sich an diese verantwortungsbetonte Arbeit gerne erinnert, so stand die Liebe zum Vieh immer im Vordergrund. Schon sein Vater und sein Grossvater waren Alppächter. Diese Tradition, konnte er mit der Arbeit als Älpler im Val S-charl weiterführen. Die seit 1977 bewirtschaftete Landwirtschaft wird von seinem Sohn Otto und der Schwiegertochter Martina parallel zu den Alpen weitergeführt. So geht diese familiäre Tradition weiter. Begonnen hat Werner seinen Älplerleben auf der Alp Plazèr 2091 m ü. M. Diese Alp liegt ebenfalls im S-charltal. Nach 18 Alpsommern als angestellter Hirt wechselte Werner als Pächter auf die Alp Tavrü südwestlich von S-charl am Fusse des mächtigen Piz Tavrü. Nach zehn Jahren pachtete die Familie Keller auch die Alp Sesvenna, die nordöstlich von S-charl liegt. Die Alpweidden dieser liegen auf einer Höhe von 2000 bis 2550 m ü. M. und haben eine Gesamtfläche von ca. 900 ha. Auf beiden Alpen werden rund 320 Rinder gesömmert, aber nicht eingestallt. Bei Sommer-Schneewetter können die Rinder in den tiefer liegenden Wäldern bei Schneefall Schutz finden.

Enger Bezug zur Geschichte

Das Älplerleben der Familie Keller steht in einem engen Bezug zur Geschichte des Val S-charl. Die Nutzung und die Pflege der Alpen geht im Kanton Graubünden auf die Inneralpinen Sonderheiten auf die Jahre 1400 – 800 v. Chr. zurück. Mit dem Einzug der Bauern in die Alpen entstanden die alpinen Kulturlandschaften, die bis heute das Bild der Bündner Alpen prägen. Bekannt ist aber auch, dass im Mittelater die Alpen als Rohstoffquellen genutzt wurden. Dies war auch im Val S-charl der Fall, denn da wurde zuerst im Mittelalter und in einer zweiten Phase zu Beginn des 19. Jahrhundert im Berg Mot Madlain (nördlich von S-charl) Blei und Silber abgebaut. Zeuge davon ist das mächtige Knappenhaus, zu dem ein Stall und eine kleine Wohnung gehören, die mit einer 12 ha landwirtschaftlichen Nutzfläche auf 1810 m ü. M. von der Familie Keller seit 1977 bewirtschaftet wird. Das Knappenhaus diente als Unterkunft für die Bergwerksarbeiter. Bis 1950 war S-charl ganzjährig bewohnt. Seither wird es als Sommerdorf umschrieben. Um den zahlreichen Touristen die Schönheiten des Tales, entlang des höchstgelegenen Arvenwaldes von Europa näher zu bringen, betreibt die Familie Keller einen kleinen Kutschenbetrieb mit selbst gezüchteten Freibergerpferden. So verbindet Werner über lange Jahre seine Freude und sein Können mit dem Vieh und den Pferden. Dank dem Sömmern von Rindern aus dem Talgebiet können Alpen weiter genutzt und gepflegt werden, sagt Werner. Mit dem Nomadenleben, zudem auch Werners Frau viel beiträgt, konnte sich die fünfköpige Familie die finanzielle Existenz mit grossem Aufwand und sparsamer Lebensführung über die vielen Jahre hinweg absichern und sowohl im Winter beim Rettungsdienst und als Lawinenhundeführer, wie im Sommer einer spannenden und befriedigenden Arbeit nachgehen. Die Begegnung der Alptierlieferanten mit der Familie Keller in Dietfurt sprach für die kameradschaftliche Zusammenarbeit. Dass die Talbauern ihre Tiere ins Unterengadin bringen, liegt aber nicht ausschliesslich an der Schönheit des Val S-charl, sondern an der Kompetenz und grossen Erfahrung von Werner als Älpler.

  • Bild: zVg
    1 / 2
  • Bild: zVg
    2 / 2
Rolf Bleisch