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Untervaz
04.06.2022

Bevölkerung gestaltet Zukunft des Dorfes aktiv mit

Die Informationsveranstaltung «Zukunft Vaz» stiess bei der Untervazer Bevölkerung auf reges Interesse.
Die Informationsveranstaltung «Zukunft Vaz» stiess bei der Untervazer Bevölkerung auf reges Interesse. Bild: L. Steinmann
Vor rund einer Woche hat die Gemeinde Untervaz die Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung in die Mehrzweckhalle eingeladen. Unter dem Motto «Chönn verbei, diskutiaren und gschtalten üssers Dorf mit» wurde an diesem Event eine offene Diskussion zu sieben Hauptthemen, welche die Gemeinde aktuell beschäftigen, angestrebt.

Das Interesse der Untervazer Bevölkerung, aktiv die Zukunft der Gemeinde mitgestalten zu dürfen, war am Dienstagabend,
24. Mai 2022, sehr gross. Rund 300 Personen waren der Einladung zur Infoveranstaltung gefolgt, was Gemeindepräsident René Vogel bei seiner Begrüssung mit Freude zur Kenntnis nahm. Dann erklärte dieser kurz den Ablauf der Veranstaltung. «Der Gemeindevorstand hat für diesen Abend sieben Hauptthemen zusammengestellt, die kurz- bis langfristig anzugehen sein werden. Nun würden wir gern von euch wissen, wie ihr zu diesen Themen steht, wie eure Bedürfnisse diesbezüglich sind und diese dann bei der Umsetzung miteinfliessen lassen.»

Zur Diskussion standen an diesem Abend die Dorfgestaltung, die Forstwirtschaft, die Ortsplanung, die Jugendarbeit, das Entsorgungskonzept der Gemeinde, die Revitalisierung des Rheins im Auengebiet und die Entwicklung der Sportzone Rüfeli. Die Veranstaltung bestand aus zwei Teilen. Im ersten, rund 20 Minuten dauernden Teil sagte der Gemeindepräsident zu jedem Thema ein paar Worte und stellte auch gleich die Fachpersonen vor, die dann im zweiten Teil der Bevölkerung zum jeweiligen Thema Red und Antwort standen.

Auf Bedürfnisse eingehen

Den Anfang machte Vogel mit dem Thema «Abfallbeseitigung» und erklärte, dass die Gemeinde plane, das gegenwärtige Entsorgungskonzept zu prüfen und zu überarbeiten. «In diesem Zusammenhang möchten wir unter anderem auch den Bedürfnissen der Bevölkerung entgegenkommen», führte er aus. Dann sagte er, dass die Bevölkerung zu einem späteren Zeitpunkt auch noch im Rahmen einer Online-Umfrage zu den Themen Entsorgungsverhalten, gewünschte Dienstleistungen und Ideen befragt werde.

Beim Thema «Dorfkernentwicklung» stellte Vogel beispielsweise zur Einführung zwei Fragen in den Raum: «Wollen wir im Dorfkern eine Entwicklung anstreben?» und «Sollen Massnahmen zur Verkehrsberuhigung geprüft werden?». Da die Gemeinde Mels diesen langen Prozess bereits durchlaufen hat, wurde deren Gemeindeschreiber Stefan Bertsch als Fachperson an der Informationsveranstaltung in Untervaz hinzugezogen. «Er kann euch erzählen, welche Chancen und welche Risiken ein solches Projekt in sich birgt», sagte Vogel.

Blick in die Zukunft

Nach der Vorstellung der Sieben konnten sich die Untervazer Bewohnerinnen und Bewohner im zweiten Teil der Veranstaltung, der als kleine Ausstellung mit sieben Posten konzipiert war, frei bewegen und selbst ein Bild machen. Ein Posten entsprach jeweils einem Thema. Auf maximal drei A0 grossen Tafeln war noch einmal zu lesen, was der Gemeindepräsident im ersten Teil kurz beschrieben hatte, und was vom Gemeindevorstand bereits in Auftrag gegeben wurde oder was von diesem in naher Zukunft geplant ist.

So wurde beispielsweise bei der Ortsplanung erklärt, wieso es eine Revision braucht, warum Untervaz in Zukunft entwickelt werden soll und was damit vermieden werden soll. Auch war dort zu lesen, dass die Ortsplanungskommission seit einem Jahr an den Entwürfen und Ideen zur Ortsplanung arbeitet und dass im Sommer 2023 die öffentliche Mitwirkungsauflage geplant ist. Bei der Revitalisierung Unteräuli stand bei «Blick in die Zukunft», dass mit diesem Projekt das grosse Potenzial zur Aufwertung der Aue partizipativ angegangen werden soll und dass hierzu die Anliegen von verschiedensten Interessenvertretern – Gemeinden, Kieswerk Oldis, kantonale Amtsstellen, Verbände und Bevölkerung – in die Projektentwicklung eingebunden werden.

An einigen Posten wurde die Bevölkerung auch direkt nach ihrer Meinung gefragt. Diese konnte Frau respektive Mann vor Ort kundtun, indem sie oder er einen roten Punkt unter eine der zwei gegebenen Antwortmöglichkeiten klebte.

Die vier Untervazer schreiben ihre Ideen und Anregungen für den Gemeindevorstand auf. Bild: L. Steinmann

Schutzwald in Gefahr

Wer Fragen hatte oder wem etwas unklar war, der konnte sich an die Fachpersonen wenden, die ebenfalls an den einzelnen Posten anzutreffen waren und umfassend Auskunft geben konnten. «Da unsere Fichten wie auch andere Bäume stark vom Klimawandel betroffen sind, kann der Schutzwald, der die Bevölkerung vor Naturgefahren schützt, diese Funktion je nach Klima-Szenario bald nicht mehr erfüllen», sagte Ken Flury, der am Posten «Forstwirtschaft» auf die Auswirkungen hinwies, die der Klimawandel und die Wald-Wild-Situation auf den Schutzwald haben. Flury ist bei der Gemeinde Untervaz für den Gemeindebetrieb verantwortlich und leitet den Forst- und Werkbetrieb. Anhand von Grafiken zeigte er auf, dass die Waldgrenze aufgrund des Klimawandels in wenigen Jahrzehnten steigen wird. «Das Landschaftsbild wird sich verändern, Laubbäume werden unsere Nadelwälder dominieren.» Aufgrund der klimatischen Veränderungen werde es bei uns einmal so aussehen wie im Tessin. «Ein weiteres grosses Problem ist der übermässige Wildverbiss», erklärte Flury und ergänzte: «Damit die natürliche Waldverjüngung wieder stattfinden kann und so klimafitte Baumarten aufkommen können, will die Gemeinde den Wald mit einem naturnahen Waldbau und einem reduzierten Wildverbiss stärken.» Zusätzlich solle die gesellschaftliche Erholung im Wald auf öffentliche Wege und Strassen sensibilisiert werden. «Die Wildruhezonen müssen eingehalten werden, was zu weniger gestressten Tieren und dies wiederum zu weniger Verbiss im Wald führt.»

Wie weiter?

Ein Blick in die als Ausstellung mit Informationsposten konzipierte Veranstaltung liess sofort erkennen, dass der Gemeindevorstand damit einen Nerv getroffen hatte. An allen Posten wurden die Informationstafeln eifrig gelesen. Alle Fachpersonen und der Gemeindevorstand waren in Gespräche vertieft. Wer nicht gerade darauf wartete, seine Fragen stellen zu können, besprach die Themen in kleinen Gruppen oder notierte seine Anregungen und Ideen auf Karten, die an jedem Posten zur Verfügung standen und beim Ausgang in die eigens dafür vorgesehene «Idea-Chischta» eingeworfen werden konnten.

Natürlich interessiert auch, was mit den Anregungen und Ideen der Bevölkerung geschieht. Laut Gemeindepräsident Vogel werden die ausgefüllten Karten aus der Idea-Chischta nach Themen sortiert. Anregungen und Ideen, die zu den sieben Themen der Informationsveranstaltung eingegangen seien, würden hinzugezogen, sobald die Projekte angegangen würden. Andere Anliegen würden bei Bedarf aufgenommen und den entsprechenden Departementsvorsteher:innen zur Verfügung gestellt. «Es ist nicht so, dass wir alles umsetzen können und werden. Jedoch verhilft dies uns, einen guten Überblick über die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erhalten», sagte Vogel gegenüber dem P&H und ergänzte abschliessend: «Aus den Gesprächen konnten die Fachpersonen einige wertvolle Inputs aufnehmen, die für laufende Projekte und Planungen sehr hilfreich sind.»

Ladina Steinmann