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Ein Dorffest zum 100-jährigen Bestehen

Seit 100 Jahren besteht die Konsumgenossenschaft in Fanas.
Seit 100 Jahren besteht die Konsumgenossenschaft in Fanas. Bild: C. Imhof
Am 6. Februar 1922 wurde von 22 Mitgliedern die Konsumgenossenschaft Fanas gegründet. Am 18. Juni 2022 wird das 100-jährige Jubiläum des Ladens mit einem grossen Dorffest gefeiert, bei dem sich der Skiclub, der Jägerverein, der Theaterverein, die Frauengruppe und auch der Kinderverein engagieren.

Fanas wird oft als die Sonnenterrasse vom Prättigau bezeichnet, was durchaus seine Berechtigung hat. Am kürzesten Tag des Jahres darf die Gemeinde sich immer noch über siebeneinhalb Stunden Sonne freuen. Am Tag meiner Reportage war der Himmel auch wieder mal wunderbar klar und ich musste schon ein wenig schauen, dass ich nicht noch eine Überdosis Vitamin D wieder heimnehme.

Der Dorfladen gehört dem Dorf

Der Volg im Herzen von Fanas wirkt schon ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Wie früher bietet der Laden Lebensmittel und allerlei Alltagsgegenstände an, die es den Leuten ermöglichen, dass sie nicht unbedingt wegen jeder Kleinigkeit runter ins Tal oder gleich nach Landquart fahren müssen. Doch ein klassischer Volg, wie beispielsweise diejenigen in Jenaz oder Grüsch, sei der Fanaser nicht, sagt Andres Nett, während er stolz die Gründungsdokumente, die immer noch in Ehren gehalten werden hervornimmt. «Wir sind immer schon eine Genossenschaft gewesen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ländliche Bevölkerung zu versorgen und zudem noch lokale Produkte zu verkaufen. Wir werden zwar von Fenaco beliefert, doch die Genossenschaft gehört den aktuell 93 Genossenschafter:innen.»

Kurioses in Fanas

Ursprünglich sei der Laden lange Zeit aufgebaut gewesen wie eine Apotheke. «Dann konnten die Bauern, Waldarbeiter und Taglöhner ins Geschäft kommen und die Ware wurde ihnen über den Tresen verkauft.» Mit dem Bau des Lagerhauses im Jahr 1964 und dem Umbau zwei Jahre später habe sich der Laden dann in ein Selbstbedienungsgeschäft gewandelt. Neben der nicht gerade alltäglichen Betriebsform bei einem Dorfladen hat der Volg in Fanas noch weitere Kuriositäten in seinen gut dokumentierten Geschichtsbüchern, erklärt Nett. «Die Konsumgenossenschaft diente Jahrzehnte lang als Geldeinlage. Das heisst, die Bevölkerung konnte bis im Jahr 2001 die Ersparnisse im Dorfladen vorbeibringen und diese wurden dann dort verwaltet.» In den besten Zeiten, im Jahr 1980 verfügte der Volg so über eine Summe von 1 826 091 Franken, was doch für die damaligen Verhältnisse sowie auch für heute eine beträchtliche Summe ist. Zudem könne man bei ihnen im Laden anschreiben lassen, respektive auf Rechnung Dinge kaufen. «So können auch die Kinder für die Eltern einkaufen gehen, ohne dass man ihnen viel Bargeld in die Hand drückt. Die Kundennummer zu nennen genügt und dann wird das Eingekaufte aufgeschrieben. Wir machen da auch keine grosse administrative Geschichte draus. Am Ende des Monats wird den Kunden dann die entsprechende Rechnung gleich mitgegeben.» In Fanas scheint ein Grundvertrauen vorhanden zu sein, welches von den Kunden sehr geschätzt werde und man heutzutage wohl nicht mehr an wahnsinnig vielen Orten findet.

Der Verkauf von lokalen Produkten ist der Genossenschaft wichtig. Bild: C. Imhof

Der Wandel der Zeit

Auch wenn die Konsumgenossenschaft Fanas sich laufend um Verbesserung, Effizienz und Nachhaltigkeit bemüht, merken laut Andres Nett auch sie, dass sich die Zeiten verändert haben. «Der Dorfladen ist eigentlich ein Verlustgeschäft. Denn heute braucht es Tiefkühl- und Kühlanlagen sowie auch eine Klimaanlage um die nötige Qualität unserer Produkte auch im Sommer zu gewährleisten.» Das sei kostenaufwändig, auch wenn die Photovoltaikanlage, die 2018 in Betrieb genommen worden sei, zumindest die Stromkosten minimiere. «Im 2020 beispielsweise als der erste Lockdown kam, haben wir Rekordumsätze gemacht. Bereits im nächsten Jahr war aber die Verbundenheit mit dem Dorfladen schon wieder ein wenig verpufft.» Das sei echt schade, denn sie vom Konsum wollen verhindern, dass die 400 Fanaserinnen und Fanaser eben wegen jedem noch so kleinen Artikel ins Auto steigen müssen. «Zudem haben wir im Dorf heute nicht einmal mehr eine Beiz, weshalb wir vor ein paar Jahren im Laden eine Kaffeeecke eingerichtet haben. Diese ist inzwischen zum Treffpunkt schlechthin geworden für die Dorfbevölkerung.»

Grosses Dorffest am 18. Juni

Dass die Freude am Dorfladen noch nicht ganz verschwunden ist und doch einige es sehr begrüssen lokal einkaufen zu können, zeigt nur schon der Umstand, dass jegliche Vereine aus der Gemeinde sich sofort dazu bereit erklärt haben, bei den Jubiläumsfeierlichkeiten am 18. Juni 2022 mitzumachen. «Es wird ein richtiges Dorffest mit allem was dazu gehört. Für die Kleinen gibt’s eine Hüpfburg, Kinderschminken und Clown «Dido» tritt auf. Für die Erwachsenen legt der lokale Partykönig Hitsch Auer, besser bekannt als DJ Edelweiss auf. Zudem führt der Theaterverein ein paar Sketches auf und am Abend gibt es Livemusik von der Formation «Sauguat» mit Heidi aus Südtirol.» Diese Party des Jahres wollte sich auch die Musikgesellschaft Grüsch nicht entgehen lassen und spiele darum ab 17.30 Uhr auch noch ein Konzert. «Durch so ein Fest kommen wir auch mit Neuzuzügern ins Gespräch und können sie vielleicht für das Thema Dorfladen sensibilisieren.» Zusätzlich zum Dorffest findet am gleichen Wochenende auch noch eine Kunst-Hand-Werk-Ausstellung mit Künstlerinnen und Künstlern aus Fanas statt. Die von Marlies Klesse und Babs Noll organisierte Veranstaltung zeigt auf dem Dorfplatz Werke aus den Bereichen Malerei, Textil, Stein- und Holzbearbeitung, Photographie und Künstlerpuppen. Es ist beeindruckend, wie viele Persönlichkeiten in Fanas sich mit Kunst und Kunsthandwerk auseinander setzen. Die Vielfalt der Materialien, dem Stil und der Technik ist beachtenswert. So kann man neben einem friedlichen Beisammensein am Konsumgenossenschaftsfest auch noch etwas Kultur in Fanas erleben und man darf mit gutem Gewissen sagen, dass die Organisatoren für wirklich jeden Geschmack etwas bereithalten. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter die Sonnenterrasse des Prättigaus an diesem Wochenende von der schönsten Seite erstrahlen lässt.

Andres Nett mit den Gründungsdokumenten. Bild: C. Imhof
Christian Imhof