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Mirjam Müller : « Die Pfadi ist eine Lebensschule »

Mirjam Müller packt jetzt schon fleissig an für das Bundeslager der Pfadfinder.
Mirjam Müller packt jetzt schon fleissig an für das Bundeslager der Pfadfinder. Bild: zVg
Vom 23. Juli bis 6. August 2022 verwandelt sich das Goms im Kanton Wallis zum grössten Pfadilager, das es in der Schweiz je gegeben hat. Das Bundeslager, bei dem 30 000 Teilnehmende erwartet werden, dauert zwei Wochen an und findet nur alle 14 Jahre statt. Mittendrin statt nur dabei ist die Fanaserin Mirjam Müller, den meisten Pfadfinder wohl eher bekannt als «Farfallina» von der Pfadi Kobra Larein Pragg-Jenaz. Seit Jahren ist sie begeisterte Pfadfinderin und opfert für das grosse Pfadilager auch gerne mal ihre Sommerferien.

Die erste Erinnerung an die Pfadi ist Mirjam Müller heute noch präsent. «Ich erinnere mich, dass wir mit der ganzen Jenazer Gruppe an ein kantonales Wölflitreffen nach Poschiavo gereist sind. Das Thema war Steinzeit und wir waren alle als Höhlenbewohner:innen verkleidet. Dieser Ausflug war für mich ein grosses Erlebnis, die Dimension der Pfadi wurde sichtbar.» Seit diesem Moment vor 23 Jahren hat sie das «Pfadfinden» nie mehr losgelassen. «Es war als 1. Klässlerin spannend so viele verschiedene Kinder an einem Ort zu treffen und zu merken, dass alle in der Pfadi sind. Die Pfadi war für mich ein lässiger Zeitvertrieb am Samstag, bei welchem ich mit meinen Schulkolleginnen Zeit verbringen konnte. Wir tauchten in verschiedene Themenwelten ein, bastelten, spielten und erlernten Pfaditechniken. Diese Abwechslung und das Draussensein in der Natur haben mich gepackt.»

Vom Bienli zur Ausbildnerin

Die Begeisterung sei immer noch die gleiche wie am Anfang. «Die Pfadi hat in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert, da ich auch heute noch viel Freizeit mit meinen Pfadifreunden verbringe.» Als Teenagerin durfte sie lernen, wie man Verantwortung übernimmt, konnte kreativen Ideen mit anderen Leitenden teilen und diverse Anlässe, Lager oder Pfadiaktivitäten durchführen. Das habe sie auch als Mensch wachsen lassen. «Mit guten Pfadifreunden etwas auf die Beine stellen, miteinander diskutieren, Erfahrungen sammeln und gleichzeitig ein Abenteuer erleben, das fasziniert und fesselt mich bis heute. Pfadi ist für mich eine Lebensschule, von der ich auch in meinem Alltag profitieren kann.» Über die Jahre sei sie immer mehr in die Leitungsfunktionen hineingewachsen und konnte bei verschiedenen Projekten auf regionaler, kantonaler und schweizweiter Ebene Erfahrungen sammeln. Das Amt als Kantonsleiterin habe sie 2020 nach fünf Jahren weitergegeben. Ihre Hauptaufgabe sei momentan die eines J&S-Coaches der Pfadiabteilung Pfadi Phönix Chur. Doch auch im Prättigau ist Müller trotz ihres Wohnorts im Unterland immer noch aktiv. «In der Pfadi Kobra Larein bin ich noch Rover, das heisst, ich bin mal als Köchin bei einem Weekend im Einsatz oder helfe beim Aufbau im Pfingstlager. Auch leite ich seit einigen Jahren J&S-Ausbildungskurse, bei welchen ich den jungen Pfadileitenden die wichtigsten Kompetenzen beibringen möchte. In den Kursen lernen sie, wie man abwechslungsreiche und gute Pfadiaktivitäten und Lager planen und durchführen kann.»

Mirjam Müller freut sich auf das grosse Bundeslager. Bild: zVg

Ab ins Bundeslager

Mirjam Müller ist bemüht, dass ihr Hobby neben dem Job als Primarlehrerin nicht zu kurz kommt. Glücklicherweise könne sie sich ihre Vorbereitungszeit für die Primarschule selber einteilen. «Dies ermöglicht mir auch mal eine Pfadisitzung am Mittwochnachmittag in Zürich. Es finden aber auch viele Sitzungen online und abends statt. Dank der langen unterrichtfreien Sommerzeit und einem Bezug von unbezahltem Urlaub kann ich fünf Wochen ins Bundeslager gehen und bin vom Aufbau bis zum Abbau der grössten Zeltstadt dabei.» Die Organisation dieses zweiwöchigen Spektakels, genannt «mova» habe bereits Ende 2018 begonnen. «Seit März 2019 bin ich dabei und darf im Ressort Programm den Bereich ‹Walk-in› leiten. Wir organisieren Aktivitäten, die die Kinder und Pfadileitenden einfach so, also walk-in, besuchen können. Unter anderem finden diese Angebote auf 20 Quartiersplätzen, verteilt auf dem ganzen Lagerplatz, statt. An diesen Orten können die Pfadis durch gemeinsames Spielen, Basteln und Austauschen neue Pfadifreundschaften knüpfen.» Beim einzigartigen Projekt seien natürlich auch Pfadis aus der P&H-Region dabei, sagt Mirjam Müller. «Aus unserer Region reisen die Pfadi Kobra Larein Pragg-Jenaz, Rätikon Schiers und Falkenstein Landquart ins Goms.» Zum Organisationsteam im Goms gehören rund 500 Personen, die ehrenamtlich für das Bundeslager planen. Weitere eindrückliche Zahlen zum Bundeslager finden Sie in der Infobox am Schluss dieses Artikels.

Noch lange nicht genug

Die Vorfreude bei «Farfallina» ist riesig, in ein paar Tagen mit dem Rucksack in den Zug zu steigen und ins Goms zu reisen. «Dort werde ich beim Aufbau der grossen Zeltstadt mithelfen. Der Moment, wenn am 23. Juli dann Pfadikinder aus der ganzen Schweiz mit ihren farbigen Pfadifoulards, den überdimensionalen Rucksäcken und einem Lachen aus dem Zug aussteigen und staunend auf das Lagergelände wandern, wird eindrücklich und sicher unvergesslich werden.» Die Kids aus der ganzen Schweiz dürfen sich auf zwei Wochen voller Highlights freuen. «Die drei grossen Zeremonien, die Eröffnungsfeier, 1.-Augustfeier und Schlussfeier werden sicher sehr spannend werden, da alle Lagerteilnehmenden vor der grossen Bühne sind und gemeinsam den Bula-Song singen und tanzen werden. Ein spezieller Event wird sicher auch der Live-Funkkontakt mit der ISS. Diverse Ausflüge und Wanderungen, teilweise sogar mit Biwakübernachtung, werden für die eine oder andere Pfadiabteilung auch ein Höhepunkt sein.» Auch mit 30 und nach dem Mammutprojekt denkt Mirjam Müller noch lange nicht ans Aufhören. «Die Pfadi wird auch weiterhin ein wichtiger Teil in meinem Leben sein. Das nächste Projekt, ein Kantonslager für die Battasendas Grischun, wird gerade aufgegleist und ich bin natürlich auch da dabei.» Wer mehr übers Bundeslager wissen möchte, ein Besucherticket kaufen oder einfach das Lagerradio hören möchte, kann sich auf der Homepage www.mova.ch oder via App «mova 2022» informieren.

Seit 23 Jahren ist Farfallina begeisterte Pfadfinderin. Bild: zVg

Die eindrücklichen Zahlen des Bundeslagers

  • Der gesamte Lagerplatz ist 120 Hektaren gross – das sind etwa 170 Fussballfelder.
  • Es werden pro Tag fünf Tonnen Brot ins Goms gebracht. 
  • Während 14 Tagen werden 19 Tonnen Teigwaren verspeist. 
  • Insgesamt kostet das BuLa ganze 25 Millionen Franken. Die Hälfte davon wird finanziert durch Lagerbeiträge. Ein Viertel kommt aus Erträgen von Verkäufen vor Ort sowie aus Merchandising zusammen. Das letzte Viertel wird durch die Sponsoren und durch Spenden bezahlt. Die Hauptpartnerinnen des  Bundeslagers der Pfadi sind die Migros Wallis, die Post und die Mobiliar.
  • Auf dem Lagerplatz werden rund 700 Toiletten aufgestellt. 
  • Am Anreisetag werden rund 20 000 Pfadileute aus der ganzen Schweiz ins Goms reisen. Das geht nur  mit Zusatzzügen und Postautos. 
  • Während 10 Tagen kann man das Bundeslager besuchen. Man muss sich dafür anmelden. Es wird mit rund 28 000 Angehörigen und Pfadifreund:innen gerechnet, die das Lager besichtigen werden. 
  • Auf dem Lagergelände gibt es fünf Recyclinghöfe, damit alles korrekt entsorgt werden kann. 
  • Es werden 8,5 km Trinkwasser- und 4,5 km Abwasserleitungen verlegt.
Christian Imhof