Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Schiers
20.09.2022

Familientreffen: 100 Jahre Ochsner in Schiers

Foto von Jakobs Familie, 1907.
Foto von Jakobs Familie, 1907. Bild: zVg
An einem Nachmittag im Frühling des Jahres 1920 klingelte beim Gemeindepräsidenten von Schiers das Telefon und eine Stimme sagte in gebrochenem Deutsch: «Wir sind chier!» Das war mein Urgrossvater Peter Ochsner, der mit rund 40 Personen von Russland (Odessa, Ukraine) über Marseille kommend nach Schiers geflohen war.

Warum Schiers? Die «Ur-Ochsners», soviel ich heute weiss, lebten in Zürich Witikon. 1525 traute Reformator Huldrich Zwingli Felix und Fronegg Ochsner, und die Familie zog später unter Jägli Ochsner 1656 nach Edenkoben (Deutschland). 1809 emigrierten die Nachkommen nach Russland (heutige Ukraine), dem Ruf der damaligen Zarin Katharina der Grossen folgend, die Arbeitskräfte und «Know-how» im Land wollte.

Ochsners als Grossgrundbesitzer

Die Familie lebte in Russland und hatte sich zu «Grossgrundbesitzern» hochgearbeitet. Als Peter Ochsner sen. (*1844) erfuhr, dass der damalige Zar alle Ausländer einbürgern lassen wollte und die Söhne dieser «neuen Russen» demnach militärpflichtig würden, schickte er seine beiden Söhne Peter (*1863) und Jakob in den 1870er-Jahren nach Schiers an die damalige Lehranstalt. Die beiden besuchten die Schule (heutige EMS) und bürgerten sich in Schiers ein, für sage und schreibe 1100 Franken pro Kind, damals schon!

Flucht nach Schiers

Nach der Russischen Revolution flohen die Ochsners der beiden Nachkommen Peter und Jakob aus Russland (zuerst aus Ananjew in der Nähe von, dann aus der Stadt Odessa selbst) in die Schweiz und kamen so nach Schiers, wo die Bürgergemeinde sie im damaligen Armenhaus unterbrachte und wegen der grossen Anzahl Leute sogar noch ein zweites Armenhaus zur Verfügung stellen musste.

Bis nach Amerika

Die Nachkommen von Peter Ochsner (heute sind wohl noch einigen Schiersern bekannt: Theodor – Getränkehandel, Viktoria Flütsch – Frau von «Platzhitsch», oder Konstantin – Jurist in Bern, und Peter – Pfarrer in Küblis und Zillis, Söhne von Heinrich) blieben zunächst in Schiers, und einige zogen dann weiter in der Schweiz in die Kantone Zürich, Schaffhausen, Genf, und die Nachkommen von Jakob zogen 1923 nach South-Dakota und später nach Nebraska in den Vereinigten Staaten.

30 Jubilare erwartet

Beim Treffen der Ochsner-Nachkommen in Schiers vom Samstag, 17. September, coronabedingt zwei Jahre nach dem eigentlichen 100-Jahre-Jubiläum, werden etwas über 30 Nachkommen der verschiedensten Generationen – der jüngste ist mein Enkel, geboren an Silvester 2020 – der beiden Stämme Peter und Jakob Ochsner zusammenkommen – Amerikaner und Schweizer. Die meisten Informationen habe ich dem Buch von Cleon F. Ochsner «A History of the Jakob and Peter Ochsner Family», Colorado Springs, Colorado USA, 2013, entnommen.

  • Haus von Klara und Jakob Ochsner in Ananjew (Ukraine/Russland). Bild: zVg
    1 / 2
  • Ein Bild von Jakobs Familie, aufgenommen kurz vor der Flucht 1919 in Worms (Ukraine) oder gleich nach der Ankunft in Schiers 1920. Bild: zVg
    2 / 2
Gery Ochsner