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02.10.2022
02.10.2022 14:30 Uhr

Tragische Massenpanik in Indonesien

Die Katastrophe im Kanjuruhan Stadium in Malang nimmt ihren Lauf.
Die Katastrophe im Kanjuruhan Stadium in Malang nimmt ihren Lauf. Bild: KEYSTONE/EPA/H. PRABOWO
Indonesien – Bei schweren Ausschreitungen im Anschluss an ein Fussball-Spiel in der indonesischen Provinz Ost-Java sind laut Behördenangaben mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen.

Die Massenpanik ist eine der schwersten Katastrophen der Fussball-Geschichte.

Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, um die wegen der Niederlage ihres Teams randalierenden Fans zu zerstreuen, sagte der Polizeichef der Provinz am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Dies habe zu einer Massenpanik geführt, bei der zahlreiche Menschen, die zum Ausgang drängten, erstickt seien.

34 Menschen seien demnach auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions im Osten Javas gestorben, alle weiteren in Spitälern. Die meisten Menschen sollen einem Sauerstoffmangel erlegen sein. Unter den Toten waren auch zwei Polizisten oder ein fünfjähriges Kind. Bei den Ausschreitungen wurden überdies 13 Fahrzeuge beschädigt, darunter 10 der Polizei.

Zu den Ausschreitungen war es nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC gekommen. Im Anschluss an die 2:3-Niederlage in Malang hatten Tausende Zuschauer den Platz gestürmt. Zudem war die Arena überfüllt. Es seien 42'000 Tickets verkauft worden, obwohl das Stadion nur für 38'000 Besucher zugelassen ist.

Der indonesische Fussball-Verband (PSSI) setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga für eine Woche aus. Indonesien gilt als ein fussballbegeistertes Land. Obwohl es an internationalen Erfolgen mangelt, kommt es rund um Matches immer wieder zu Ausschreitungen und Gewalt. 2018 wurde ein Fan von einem Mob aus Anhängern eines rivalisierenden Vereins getötet. Indonesien ist vom 20. Mai bis 11. Juni 2023 Gastgeber der U20-Weltmeisterschaft mit 24 teilnehmenden Mannschaften. Als Gastgeber ist das Land automatisch qualifiziert.

Mit grosser Betroffenheit reagierte der Schweizer FIFA-Präsident Gianni Infantino. "Die Fussballwelt ist nach den tragischen Vorfällen in einem Schockzustand", sagte der 52-Jährige: "Dies ist ein dunkler Tag für alle, die im Fussball involviert sind, und eine Tragödie jenseits aller Vorstellungskraft."

Die FIFA forderte vom indonesischen Verband einen Bericht über das Unglück an. Die FIFA-Regeln schreiben vor, dass Ordnungskräfte und Polizisten in Stadien keine Schusswaffen oder Reizgas bei sich tragen oder einsetzen dürfen.

Keystone-SDA