Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Freizeit
19.11.2022

Haushaltsführung in der Höhle

Bild: Lucas J. Fritz
Seit Wochen lebt unser reisender Reporter Lucas J. Fritz in den Höhlen La Gomeras. Heute erzählt er davon wie man in einer Höhle lebt.

Das Plätzchen, welches er zuerst für eine notdürftige Zwischenlösung gehalten hatte, gewann für Jeshua immer mehr an Reiz. Er wurde sich an einem ruhigen Sonntagmorgen bewusst, dass wenn er schon hier in dieser Höhle leben würde, diese auch nach seinem Geschmack würde einrichten können. So machte er sich dann ans Werk. Die Insel, so spürte er, liess seine Wünsche unmittelbar manifestieren. Er brauchte sich eine bestimmte Sache nur fest genug zu wünschen und sein Tun darauf auszurichten, so konnte er gar nicht anders als den Wunsch, der tief in ihm drin gewachsen war in der Wirklichkeit in seine Form hineinmanifestieren.

Höhlische Haushaltsführung
Anfangs kochte, schlief, sass, las und tat Jeshua noch viele andere Dinge direkt in seiner Höhle. Er beschränkte sich, wie ihm später auffiel zu Beginn seines Höhlenlebens unnötigerweise auf diese kleine Fläche. Als er sich zunehmend wohl und geborgen fühlte und auch nicht mehr ständig mit der Angst kämpfte, die Decke könnte ihm in jedem Augenblick auf den Kopf fallen, fing er an sich und seine Sachen auszubreiten. Den Höhlenboden bedeckte er mit einer Decke, darauf legte er sein Isolationsmättchen, seinen Schlafsack, sein Gepäck und seine Vorräte, errichtete sich eine Sitzecke für die heissen Mittagsstunden und verteilte Kerzen. Alle paar Tage putzte er seine Höhle indem er seine Decken ausschüttelte und den Staub von seinen Dingen wischte. Mit der Zeit begannen seine Dinge in der Höhle ihren festen Platz zu erhalten. Es war in etwa so, als hätte er eine neue Wohnung bezogen und war in seiner Anfangszeit regelmässig damit beschäftigt den richtigen Ort für die richtige Sache zu finden. Seine frischen Nahrungsmittel verstaute er in Stoffbeuteln und hängte sie in und am Eingang der Höhle an die Felswände. Wenn er Strom brauchte, so entfaltete er sein mobiles Solarpanel und stellte es in die Sonne. Liess er es einen ganzen Tag an der Sonne, gewann er genug Energie, um seine elektronischen Geräte vollständig aufzuladen. Mit seinem Solarkocher servierte er sich selbst die leckersten Menüs. Sein Gaskocher diente ihm während der Regentage. Auch wenn er nachts nicht schlafen konnte und plötzlichen Heisshunger verspürte, konnte er sich dank des Gaskochers geschwind eine Pfanne voll Reis oder Kartoffeln köcheln. Auf seine Hygiene achtete er indem er täglich im Meer badete und anschliessend sich an den öffentlichen Duschen im Ort abduschte. Seine Kleidung wusch er manchmal im Meer, seifte sie je nach Zustand ein oder nicht, spülte sie mit Süsswasser ab und liess sie dann an der Sonne trocknen. In seiner Behausung errichtete er eine Wäscheleine und hatte sogar einen Abfalleimer. Alles in Allem hatte sich die Haushaltsführung in seiner Behausung mitten in der Klippe nach einer Weile zu einer Gewohnheit entwickelt, sodass ihm alles wunderbar normal vorkam.

Die innere Stimme
Manchmal sprach er tagelang mit niemandem, weil er sich mit sich selbst und seinem Innenleben beschäftigen wollte. In diesen Zeiten der emotionalen Armut halfen ihm Routinen seine Zuversicht nicht an den Zweifel zu verlieren. Seine Tage begannen mit der Sonne, er pflegte seine Übungen für Körper und Geist, genoss regelmässig die Aussicht, wanderte durch die unmittelbare Umgebung und machte sich nicht selten in seinem Inneren auf die Suche nach Antworten. So viele Fragen begleiteten sein Erleben und je länger er auf der Insel in der Höhle lebte umso klarer hörte er die Antworten in seinem Inneren. Mit jedem Tag, den er auf dem magischen Eiland mitten im Atlantik verbrachte, kam er sich immer näher und näher. Und er war gespannt zu sehen, wohin die Reise ihn noch führen würde.

Lucas J. Fritz