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Schiers
06.12.2020

Sind kleine Skigebiete die Gewinner?

Kleinere Skigebiete, wie hier in St. Antönien, könnten von der Corona-Situation allenfalls profitieren.
Die Corona-Pandemie wird im kommenden Winter nicht spurlos an unseren Wintersportdestinationen vorbei gehen. Die vom Bundesrat angeordneten Schutzmassnahmen könnten kleineren Liften in die Karten spielen.

Der Bundesrat hat diese Woche verschiedene Kontingentierungsvarianten für Skigebiete vorgeschlagen. Welche Massnahmen letztendlich angeordnet werden, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Fest steht jedoch, dass es nebst den bereits bekannten Schutzkonzepten weitere Einschränkungen geben wird. Davon könnten allenfalls die kleineren Skigebiete und Liftbetriebe profitieren.

Skilift Mastrils

«Vorausgesetzt, wir haben genügend Schnee, kann es durchaus sein, dass die Leute aus dem Dorf und der Umgebung eher hier bei uns Ski fahren, anstatt in grössere Gebiete zu fahren und dort aufgrund der Kontingentierungen und weiterer Massnahmen stark ausgesetzt und dennoch eingeschränkt zu sein», schätzt Harri Friberg, Präsident des Skilifts Mastrils, die aktuelle Lage ein. Selbstverständlich werde man auch in Mastrils entsprechende Schutzmassnahmen treffen und Konzepte umsetzen; aber es sei eben doch noch ein Unterschied, ob man einzeln mit einem Tellerlift oder in einer Grossraumkabine zum Ausgangspunkt hochfahre. «Zudem haben wir viel in unsere Infrastruktur investiert und in den letzten Wochen fleissig das Trassee und die Pisten gerodet», so der Präsident weiter.

Skilift Mastrils.

Skilifte Junker und Pany

Ähnlich schätzt die Lage Alex Brembilla, Verwaltungsratspräsi-dent der Skilift Junker AG, in St. Antönien ein: «Ja, wir glauben, dass wir von dieser aussergewöhnlichen Situation allenfalls profitieren können. Die Schutzkonzepte der Wintersportorte sind in kleineren Gebieten oder einzelnen Bügelliften wohl einfacher umzusetzen als in den grossen Destinationen. Und auch die Eigenverantwortung, auf welche wir setzen, dürfte dort besser funktionieren.» Er verweist auf das Tragen von Masken auf dem Parkplatz, beim Anstehen sowie am Lift und das dortige Abstandhalten sowie die bereits bestens bekannten Hygienemassnahmen. Das Schutzkonzept werde mit dem Skilift Pany abgeglichen und könnte nach der vorgesehenen Eröffnung des Wochenendbetriebs am 12./13. De-zember gegebenenfalls noch angepasst werden.

In St. Antönien gibt es diesen Winter einige attraktive touristische Neuerungen, darunter die Um-platzierung der Coolman’s Elchhütte und des Ponylifts (inklusive Kinderland) sowie die Erstellung einer neuen Langlaufloipe mit Umkleidemöglichkeit in einem Garderobenraum (abgetrennter Teil des neuen Materiallagers). Zudem gibt’s zusammen mit dem Skilift Pany interessante Kombi-Angebote (ausführlicher Bericht zum Thema im P&H vom 28. November).

Skilift Pany.

Grüsch-Danusa

Für die bevorstehende Wintersaison gebe es noch viele Fragezeichen, erklärte Mario Davatz, Direktor der Bergbahnen Grüsch-Danusa, auf Anfrage. Auch wenn die Schutzkonzepte und Massnahmen bis gestern noch nicht klar definiert gewesen seien, zeichne sich bei einer Verschärfung der Massnahmen eine nicht ganz einfache Umsetzung ab. Als Beispiel nennt er das Tragen von Masken und gleichzeitiges Abstandhalten. Letzteres sei in der Praxis nicht oder kaum umsetzbar und müsse bei den Bergbahnen gleich wie im Öffentlichen Verkehr gehandhabt werden. Will heissen: Dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann, muss eine Maske getragen werden. «Es kann nicht sein, dass zwischen dem ÖV und den Bergbahnen diesbezüglich ein Unterschied gemacht wird.» Gespannt ist Davatz zudem, wie der Bundesrat eine mögliche Kontingentierung in der Praxis umsetzen will. Auch da gebe es noch viele offene Fragen hinsichtlich Ersteintritten, Gästen, welche direkt ins Skigebiet kommen oder nur auf dem Berg wandern, Langläufern und so weiter. Im Gastrobereich habe man voraussichtig schon früh ein gutes Konzept (Drive-In-System) auf die Beine gestellt. Aber selbst beim Thema Take-Away seien seitens des Kantons bislang noch nicht alle Fragen geklärt. Fakt ist: Die Bergbahnen Grüsch-Danusa haben ein aktuelles Schutzkonzept und starten am kommenden Mittwoch in die Wintersaison.

Fideriser Heuberge

Den Braten sozusagen schon früh gerochen hat die Heuberge AG in Fideris, in dem diese bereits im Sommer die Winterschliessung ankündigte. Angesichts der unsicheren Ausgangslage, der vorgesehenen Kontingentierungen und des Umstandes, dass in vielen Kantonen keine Skilager mehr durchgeführt werden dürfen, war dieser Entscheid rückblickend wohl goldrichtig? «Stimmt», bestätigt Geschäftsführer Henrik Vetsch auf Anfrage. «In den letzten Wochen hat es sich bestätigt, dass unser Entscheid richtig war. Wir leben im Winter hauptsächlich von Ski- und Gruppenlagern. Einerseits fällt dadurch ein wichtiges Gästesegment weg; andrerseits birgt diese Ausgangslage auch ein erhöhtes Risiko, weil die Leute nicht – wie in anderen Skigebieten – abends ins Tal zurückfahren, sondern eng beieinander auf dem Berg bleiben. Klassisch sind dabei unsere Fonduabende.» Hinzu kamen weitere Gründe, wie das Quarantäne-Risiko von Mitarbeitenden, welche die Heuberge AG in ihrem Entscheid bestätigen. Vetsch betont zudem, dass für ihn die Gesundheit der Menschen klar vor wirtschaftlichen Interessen stehe.

Ob und wie regelmässig die Heubergstrasse im Winter trotz Skigebietsschliessung geräumt wird, kläre man derzeit zusammen mit anderen Grundeigentümern und Maiensässbesitzern ab. Angedacht sei unter anderem ein interner Busbetrieb für besagte Interessensgruppen. Einen abschliessenden Entscheid habe man allerdings noch nicht getroffen.

Bei den Skiliften Flensa in Seewis und Selfranga in Klosters dürften wohl ähnliche Einschätzungen und Überlegungen bestehen wie bei den im Artikel erwähnten Betrieben.

ms