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Malans
10.01.2021

In Malans wird die Köhlerei reaktiviert

Die Köhlerei wird in Malans zum Leben erweckt: So wird sich in wenigen Wochen auch der Meiler des Köhler­vereins Malans präsentieren. Bild: zVg
Köhlereien gab es früher in vielen Dörfern. Mit der Verbreitung von Strom und Diesel starb diese Art von Energiebeschaffung allmählich aus. In Malans wird das Handwerk – einmalig in der Südostschweiz – nun wiederbelebt.

Seit dem Mittelalter wird Holzkohle in Meilern hergestellt, zur Eisenverhüttung, aber auch für die Glasherstellung und die Verarbeitung von Edelmetallen. Mit der verstärkten Nutzung von Steinkohle ab dem 18. Jahrhundert verlor die Köhlerei zunehmend an Bedeutung. Die Ausbreitung von Strom und Diesel in der Mitte des letzten Jahrhunderts trug das ihre dazu bei und machte das Traditionshandwerk definitiv bedeutungslos und unrentabel. Heute deuten in vielen Gemeinden noch Flurnamen wie Cholschlag, Cholbodä oder Cholplatz auf die Standorte einstiger Köhlereien hin. In der Schweiz wird die «Schwarze Kunst» zur Herstellung von Holzkohle lediglich noch im Napfgebiet (Zentralschweiz) gewerblich betrieben.

Bald erstes Köhlern

In Malans wird das Köhlern nun wiederbelebt. Der dafür gegründete Köhlerverein Malans hat nach Rücksprache mit Kanton und Gemeinde oberhalb von Malans auf rund 850 Metern den Holzlagerplatz Lärchwald zum Lagern des Brennholzes und zur Erstellung eines Kohlemeilers zugesprochen erhalten. «Wir gehen davon aus, dass wir dort im Februar oder März erstmals köhlern werden», stellt Vereinspräsident René Hassler gegenüber dem P&H optimistisch in Aussicht. Der ehemalige Metzgermeister aus Malans war die treibende Kraft des Köhlerei-Projekts. «Wir haben früher sehr viel grilliert und dafür jährlich bis zu einer Tonne Holzkohle verwertet. Dabei habe ich mich immer gefragt, wie diese – meist Importware – eigentlich hergestellt wird», erinnert sich Hassler, dessen Zigeunerspiesse am Churerfest und anderen Veranstaltungen legendär waren.

Drei Wochen «Lehre»

Die Antwort auf seine Frage fand der Malanser im Freilichtmuseum Ballenberg, wo sich eine Köhlerei befindet. «Das Prinzip des Köhlerns begeisterte mich sofort. Am Ballenberg lernte ich zufälligerweise jemand vom Köhlereiverein Andelbach (Oberwinterthur) kennen, der mich einlud, dort beim Köhlern mit dabei zu sein. Diese Einladung nahm ich natürlich gerne an. Im Sommer 2019 war ich drei Wochen dort, um alle Arbeitsschritte mitzuverfolgen und mir das Köhlern so selber beizubringen.»

Malanser «Cholplatz»

Nach der Gründung des Köhlervereins Malans wurden im letzten Jahr alle Bewilligungen eingeholt und Vorbereitungen getroffen. Dazu gehörten laut Hassler unter anderem die Platzvorbereitung und natürlich das Bereitstellen der rund 50 Ster (ca. 50 Kubikmeter) Brennholz. «Alles Buche», betont er. «Der Platz befindet sich direkt oberhalb des bekannten Buchwaldes. Zudem ist Buchenholz ideal zum Köhlern und zum Grillen. Die Malanser Holzkohle wird keine billige Mischware mit riesigen Transportwegen sein, wie es bei der Import-Holzkohle meistens der Fall sei, sondern aus einheimischem und hochwertigem Buchenholz bestehen.» Auf dem Köhlerplatz wurde zudem eine
Infotafel angebracht.

So funktionierts

Das bereitgestellte und getrocknete Brennholz wird auf einem Holzboden mit Kamin (Füllihuus) kreisförmig zu einem sogenannten Holzmeiler aufgeschichtet. «Sobald der Meiler steht, wird er in einer ersten Schicht mit Reisig oder Heu und in einer zweiten Schicht mit der sogenannten «Löschi» – einem Gemisch aus Erde, gemahlener Holzkohle und Holzstaub oder Asche – abgedeckt und abgedichtet. Nach dem Anzünden mit Glut beginnt der Meiler im Kamin zuerst von oben nach unten und dann sich ausbreitend von unten nach oben bei rund 400 bis 600 Grad zu verglühen oder besser gesagt zu kondensieren. Dieser Prozess kann mit einer dosierten Sauerstoffzufuhr (Löcher im Meiler-Fuss) gesteuert werden», fasst der Vereinspräsident zusammen. Die Menge an Kohlendioxid, die für Herstellung und Verwendung von Holzkohle benötigt wird, entspricht derjenigen, die der Atmosphäre beim Holzwachstum entzogen worden war – also CO2-neutral. Holzkohle ist fünfmal leichter als Holz. Als Brennstoff hat Holzkohle die Eigenschaft, ohne Flammen mit wenig Rauchentwicklung langsam und gleichmässig abzuglühen. Das Abbrennen oder eben Kondensieren dauert laut Hassler bei 50 Ster rund zwei Wochen, wobei das Holz rund ein Drittel seines Volumens verliere. «Während dieser Zeit muss in Zweistunden-Schichten ständig jemand von uns vor Ort sein, um den Prozess zu überwachen.»

Glut und Geselligkeit

Der Köhlerverein Malans verfolgt nicht nur den Gedanken des Erhalts eines uralten Handwerks und der Herstellung nachhaltig produzierter Holzkohle. «Auch die Geselligkeit ist für uns sehr wichtig», ergänzt der Präsident. «Die meisten Vereinsmitglieder sind Pensionäre und gleichzeitig auch im Verein Skilift Mastrils tätig, welcher eine ähnliche Philosophie verfolgt. So können wir, wann immer wir Zeit und Lust haben, da oder dort etwas mithelfen sowie gemeinsame und gesellige Stunden erleben.» Wer den Verein und das Köhlern unterstützen möchte, kann dies als «Holz-Gotta oder Holz-Götti» tun. Für 150 Franken gibts einen Sack Bündner Holzkohle sowie drei Zigeunerspiesse und drei Getränke. Weitere Infos unter: www.koehle reimalans.ch.

  • Vorbereitung von 50 Ster Buchenholz auf dem Köhlerplatz. Bild: zVg
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  • Das «Füllihuus» mit dem Kamin in der Mitte. Bild: zVg
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  • Der Meiler wird auf dem «Fülli­huus» aufgeschichtet... Bild: zVg
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  • ...anschliessend wird er mit Heu und Reisig sowie der «Löschi» überdeckt. Bild: zVg
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  • Die Mitglieder des Köhlervereins Malans (Präsident René Hassler mit Bart und Meiler-Modell). Bild: zVg
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M. Schnell