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11.01.2021

Trotz Verbot: Am Montag öffnen Beizen – auch im Rheintal?

Ab Montag 11. Januar wollen europaweit an der Aktion beteiligte Geschäfte trotz Öffnungsverbot öffnen!
Europaweit formiert sich ein Aufstand: Unter #wirmachenauf treffen sich Gewerbler, die ihre Geschäfte ab Montag wieder öffnen wollen. Die Schweiz hat bereits über 6'200 Mitglieder – im Rheintal auch in Balgach und Rheineck.

Gewerbetreibende in Deutschland, Österreich, Holland und in der Schweiz wollen trotz Verbot ihren Laden oder ihr Restaurant wieder öffnen. Und zwar ab nächsten Montag 11. Januar 2021. Unter #wirmachenauf treffen sich über alle Länder hinweg Gleichgesinnte online.

Auf der Liste der "Wir machen auf"-Ankündigungen finden sich u.a. Betriebe aus Balgach und Rheineck. Die Namen der Geschäfte sollen am Montag um 8:00 Uhr veröffentlicht werden.

Bei der Gruppierung von unzufriedenen Gewerblern handelt es sich vor allem um Inhaber von Restaurants, Cafés, Fitnessstudios und Freizeiteinrichtungen. Der Schweizer Onlinegruppe sind bereits über 6'200 Mitglieder beigetreten.

«Wir machen nicht mehr mit»

«Wir, die Unternehmer und Selbstständigen in diesem Land, sind in erster Linie Mensch mit Familie, haben Angestellte und leisten einen sehr wichtigen Beitrag für die gesamte Schweiz. Wir haben alle Massnahmen, die uns auferlegt wurden, umgesetzt und waren viele Monate bereit, aus Solidarität und zum Schutz unserer Mitmenschen, schlimme Umsatzeinbussen zu ertragen», heisst es auf der Website.

Und weiter: «Wir sind nicht gegen etwas oder jemanden oder rufen zu Gesetzesverstössen auf. Was wir aber in Eigenverantwortung tun: Wir machen nicht mehr mit! Denn unsere gesamte Existenz steht auf dem Spiel!»

Allerdings würden sie bei einer Öffnung ihrer Geschäfte trotz Verbot des Bundes Strafen und Bussen riskieren. Man darf also gespannt sein, ob in der Schweiz Restaurants oder Freizeiteinrichtungen tatsächlich aufmachen...

#wirmachen auf hat in der Schweiz innert ein paar Tagen bereits über 6'200 Mitglieder.

Unmut bei Gewerblern gross

Nicht überrascht über diese Aktion ist der Direktor des Gewerbeverbands: «Es erstaunt mich nicht», sagt Hans-Ulrich Bigler gegenüber dem Tages-Anzeiger. «Es gibt keinen Nachweis dafür, dass das Coronavirus in den Läden vermehrt übertragen wird.» Weiter sei der Unmut bei den Gewerblern gross, da sich bei vielen von ihnen die Auszahlung der Härtefallhilfen verzögere.

«Solche Aktionen befürworten wir nicht», lässt Gastro Suisse im Tagi verlauten. Für den Arbeitgeberverband der Gastronomie sei klar, dass er sich an die von Bund und Kantonen verordneten Massnahmen halte.

Der Kommentar zur Zeit:

Bei allem Verständnis für die Sorgen und Nöte der Gewerbetreibenden, die durch die Coronaschutzmassnahmen in ihrem Lebensstandard und teils sogar in ihrer Existenz bedroht sind, aber das geht gar nicht. Das ist ein vollkommenes No-Go. Diese Aktion #wirmachenauf ruft zum Bruch von gesetzlichen Vorschriften, die auf einem auf demokratischen Prinzipien beruhenden Weg zustandegekommen sind, auf.

Auch wenn diese Schutzmassnahmen nicht immer nachvollziehbar sind. Denn erwiesenermassen geht von Kulturveranstaltungen mit beschränkter Besucherzahl und Gastronomiebesuchen unter Einhaltung der Abstandsvorschriften keine besondere Ansteckungsgefahr aus.

Dennoch: In einer Zeit, in der die Coronapandemie in der ohnehin wirtschaftsfreundlich agierenden Schweiz aufgrund der Verbreitung der mutierten, viel ansteckenderen Virusvariante droht, vollkommen aus dem Ruder zu laufen. In einer Zeit, in der sich die Särge der an oder mit Corona Verstorbenen vor den Krematorien buchstäblich stapeln. In einer Zeit, in der das Personal auf den Intensivstationen des Landes bereits mehr als erschöpft ist. In dieser Zeit wird durch die Aktion #wirmachenauf kurzfristiger und kurzsichtiger wirtschaftlicher Eigennutz vor das höchste menschliche Gut gestellt: das Leben.

Derzeit gibt es nur einen Weg, die derzeitige Misere zu beenden: Impfen, impfen, impfen. Dann haben wir es, so Bund und Kanton endlich bei Beschaffung und Organisation der Impfung Gas geben, in wenigen Monaten überstanden. Und können wieder guten Gewissens in einer gemütlichen Bar mit Freunden und Kollegen ein Bierchen heben.

Dr. Gerhard M. Huber, Chefredaktor rheintal24.ch

rheintal24/linth24