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Kanton
13.01.2021

Absage des Engadiners: «Traurig, emotional, alternativlos»

Nostalgische Aufnahme: Impressionen vom Start zum Engadin Skimarathon 2019 in Maloja. (Bild: Keystone)
Ein zweites Mal in Serie muss Menduri Kasper die Absage des Engadin Skimarathons kommunizieren. Die Hintertüre für ein mögliches Eliterennen im März ist noch offen. Trotz des Kollateralschadens sieht der Geschäftsführer die Zukunft des Traditionsanlasses ungefährdet.

Bei seinem Blick auf die Loipen des Engadins müsste das Langlauf-Herz von Menduri Kasper rasen vor Freude. Die Sportart ­erlebt in Pandemie-Zeiten einen Aufschwung. Bewegung im Freien unter Einhaltung der Abstandsregel ist bei Schweizerinnen und Schweizern ­definitiv en vogue. Doch das Langlauf-Herz des 43-jährigen Engadiners wird auch grossen Schmerzen ausgesetzt in diesen Tagen – und dies hängt natürlich mit seiner Funktion als erster vollamtlicher Geschäftsführer des Engadin Skimarathons zusammen.

Menduri Kasper

Ein zweites Mal in Folge kann der Traditionsanlass im März nicht durchgeführt werden. Seit Wochen hatte sich der Schritt angesichts der rigorosen Massnahmen der Kontaktbeschränkung abgezeichnet. Letzte Woche wurde er von den Organisatoren offiziell beschlossen. «Am Ende war die Absage des Volkslaufs angesichts der aktuellen Lage alternativlos», sagt Kasper mit dem Verweis auf die eigentlich anstehende zweimonatige heisse Phase der Organisation. Zusehends verzweifelt hatten sich Kasper und seine Mitstreiter noch am Strohhalm verschiedener Alternativvarianten – eines «Engadin Skimarathon light» gewissermassen – geklammert.

Menduri Kasper

Alternativen geprüft

Der Plan war eine Durchführung des Wettkampfs verteilt auf drei, vier ­Tage sowie mit zwei Startmöglichkeiten am Tag. «Das hätte allerdings nur mit Läuferzahlen von 800 bis 1000 Personen Sinn ergeben. Diese Chance ist in absehbarer Zeit schlicht nicht vorhanden», sagt Kasper und fügt hinzu: «Der Engadin Skimarathon lebt von der Stimmung der Masse. Wir wollen auf keinen Fall eine Verwässerung unseres Anlasses in Kauf nehmen.»Die am Sonntag des 14. März geplante 53. Edition des Klassikers wird ­also ersatzlos gestrichen. Die gegen 6000 Anmeldungen – das Fenster wurde Ende Oktober aufgrund der rapide ansteigenden Zahlen an Corona-Infizierten geschlossen – werden aufs nächste Jahr übertragen. Die Türe für ein Eliterennen bleibt aber geöffnet. Exakt diese Variante wählen die Organisatoren von La Diagonela, dem Volkslauf in der klassischen Stilart im Rahmen der Ski Classic Rennserie am Samstag in einer Woche rund um Zuoz. Auch der Engadin Skimarathon prüft diese Option. «Sie ergibt allerdings nur Sinn, wenn wir auch ein gutes Elitefeld präsentieren dürfen», sagt Kasper. Dies lässt sich allerdings aktuell nicht prophezeien. Am selben Wochenende soll im Weltcup der traditionsreiche 50-Kilometerlauf in der freien Technik am Holmenkollen im Oslo ausgetragen werden. Selbstverständlich ergibt ein Engadin Skimarathon der Elite nur mit einer gebührenden TV-Abdeckung Sinn. Der Entscheid soll bis Anfang ­Februar ­fallen.

Individueller Lauf möglich

Die Organisatoren bieten ihrer Kundschaft auch eine Alternative an. ­Anfang März kann der Engadin Skimarathon weitgehend auf der Originalstrecke zwischen Maloja und S-chanf individuell mit Zeitmessung absolviert werden. Das Projekt nennt sich «Engadin Skimarathon Individual». Es soll auch dafür sorgen, dass der Anlass sichtbar bleibt. Denn natürlich ergibt sich durch eine zweite Absage in Folge ein Schaden. Kasper spürt aber auch Verständnis für die Massnahme. «Es wird anerkannt, dass wir für die äusseren Umstände nicht zuständig sind. Es wäre schlimmer, wenn wir den Lauf beispielsweise zwei Jahre hintereinander witterungsbedingt nicht durchführen könnten.» Der finanzielle Schaden wird mit verschiedenen Massnahmen abgefedert. Seit Ende Oktober ist ein wesentlicher Teil der Organisation in Kurzarbeit. Aus dem Stabilisierungsfonds des Bundes wird der grösste Sportanlass im Kanton voraussichtlich eine Entschädigung erhalten. Trifft dies ein, geht Kasper von einem Minus im Bereich von 20 000 bis 40 000 Franken aus. Diese Lücke liesse sich durch Rückstellungen problemlos schliessen. «Wir kommen voraussichtlich im ­finanziellen Bereich mit einem blauen Auge davon», erläutert Kasper.Zu verdauen gibt es für ihn und die zahlreichen Mitstreiter die erneut vergeblichen Anstrengungen sowie den Frust über die Lage. Kasper erwähnt einen unlängst gehaltenen Vortrag mit Bildern der Masse. «Da wird man schon traurig und emotional», ­gesteht er. Trotzdem richtet er den Blick in die Zukunft. Nach einer Phase des Innehaltens wird im Mai wieder Vollgas gegeben. «Ich gehe fest davon aus, dass es am 13. März 2022 wieder einen Engadin Skimarathon geben wird, wie wir ihn kennen.» Und spätestens dann wird er auch wieder einen entspannten Blick auf die gut frequentierten Loipen des Engadins werfen.

pd