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Seewis
28.02.2021

Das Seewiser Maskeradelaufen

Bild: E. Walser
Fasnachts-Veranstaltungen haben während Corona so ihre Haken. Nicht so in Seewis, wo ein alter Brauch am letzten Wochenende dem Virus (mit Bewilligung der Gemeinde) trotzte, wie P&H-Korrespondent Edi Walser nachfolgend festhält.

Auf eine Besonderheit sind die Seewiser besonders stolz: auf das Maskeradelaufen, eine jahrhundertealte Tradition. Der Rollibock, der zusammen mit seinen Begleitern in der Fasnachtswoche Peitsche knallend durch die Dorfstrassen zieht, hat die Reformation und den Prättigauer Aufstand schadlos überstanden.

Das eigentliche Maskeradelaufen beginnt am Sonntagnachmittag und wird am Sonntag nach Aschermittwoch mit einem Umzug durchs Dorf und einer anschliessenden Schnitzelbank offiziell abgeschlossen. Der Umzug wird vom Rollibock angeführt. Ihm zur Seite stehen die Bajasse, der Nogg und die Nogga (der Alte und die Alte), gefolgt von der Spusa mit dem Spüslig (Braut und Bräutigam). Mit dabei ist auch der Soldat. Dieser hat im Verlaufe der Jahre eine erstaunliche Verwandlung erfahren. Überlieferungen zufolge soll er früher Ölstreicher geheissen haben. Ursprünglich stellte er einen Österreicher dar, auf die man im Prättigau nicht gut zu sprechen war.

Beheimatet sind die Maskeraden, die sich 1990 zum Fasnachtsverein zusammengeschlossen haben, im sogenannten Schlosskeller des Schul- und Gemeindehauses. Dort sind die Kostüme und Maskeraden übers Jahr deponiert.

Das ändert aber nichts daran, dass Seewis unter den Prättigauer Gemeinden seit jeher eine Sonderstellung eingenommen hat: Die Seewiser sprachen noch romanisch, als die Leute hinter der Chlus sich schon des Walserdeutsch bedienten und waren noch immer katholisch, als die anderen Gemeinden den Konfessionswechsel bereits vollzogen hatten. Kein Wunder haben auch die Maskeraden überlebt. Die Seewiser Fasnacht – das traditionelle Maskeradelaufen – ist dieses Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Die abendlichen Touren durch die Dorfastrasse wurden vom Fasnachtsverein auf ein Minimum reduziert. Die Schnitzelbänke, mit denen nach dem alljährlichen Dorfumzug am Sonntag die Fasnacht abgeschlossen wurde, fand trotzdem statt: Im Spar Seewis konnten diese nämlich gekauft werden. Und diese sind nach wie vor lesenswert... Dazu nur noch so viel: Auch die Seewiser Jäger, die neulich schweizweit für Schlagzeilen gesorgt haben, durften bei den Schnitzelbänken nicht fehlen. Aber die Verfasser sind – und das darf im Rahmen dieses Rückblicks betont werden – mit dem «Gimischolajäger» kameradschaflich umgegangen.

E. Walser