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Leserbrief
Leserbriefe
03.03.2021

Naturpark Rätikon; Antwort auf Leserbrief C. Locher

unsplash Bild: unsplash
Ein Leserbrief des Gemeindevorstands Grüsch

In deinem Leserbrief greifst du die Gemeinde Grüsch an und hast offene Fragen. Selbstverständlich beantworten wir dir diese Fragen. Es entzieht sich unserer Kenntnis, warum du behauptest, dass die Gemeinde Grüsch Jahrzehnte lang von kantonaler Förderung und Gemeindesolidarität profitiert haben soll. Du sprichst unsere Industrie an und weiter von Beiträgen an die Danusa-Bahn. In Sachen Industrie spüre ich Missgunst und Neid. Du vergisst vielleicht, dass die Gemeinde Grüsch damals ein nicht unwesentliches Risiko mit der Ansiedlung von Industrie eingegangen ist. Man hat bestes Kulturland bereitgestellt, ohne zu wissen, wie das ausgehen würde. Glücklicherweise hat es sich sehr positiv entwickelt und das gesamte Prättigau profitiert heute davon. In direkter Weise sicher die Gemeinde Grüsch, indirekt aber das ganze Prättigau, denn allein durch eine Firma stehen der Region 680 Arbeitsplätze zur Verfügung. Zwischenzeitlich haben sich mehrere Unternehmen, ohne Regionalentwickler, bei uns angesiedelt. Heute stehen der Region ca. 800 Arbeitsplätze zur Verfügung. Grüsch und seiner Bevölkerung und deren Weitsicht sei Dank.

Zu den von dir angesprochenen Beiträgen an die Danusa-Bahn (BBGD) dürfen wir dir mitteilen, dass die Gemeinde Grüsch im Jahr 2004 die BBGD mit einem Darlehen in der Höhe von 1,65 Millionen Franken wesentlich zur Sicherstellung des Betriebes behilflich war. Die BBGD haben das Darlehen auf den letzten Rappen zurückbezahlt. Somit waren 100 Saisonarbeitsplätze resp. 10 Jahresstellen gesichert. Die Gemeinde Grüsch war und ist solidarisch. Hierzu gäbe es noch mehr Beispiele, wir verzichten aber auf eine Auflistung.

Von einer 180-Grad-Kehrtwende kann keine Rede sein. Der Gemeindevorstand Grüsch stand dem Projekt Naturpark von Beginn an skeptisch gegenüber. Nichtsdestotrotz haben wir uns am Prozess beteiligt, nie aber unsere Skepsis verheimlicht. Es ist richtig und korrekt, dass für ein Projekt dieser Grösse als erstes eine Machbarkeitsstudie erstellt wird. Im Anschluss an diese braucht es einen Managementplan, auch das leuchtet ein und wir haben uns finanziell daran beteiligt. Gesamthaft sind der Gemeinde Grüsch somit über mehrere Jahre verteilt, Kosten in Höhe von ca. 16 000 Franken entstanden, überschaubar. Der Managementplan dient nun der Entscheidungsfindung. Der Gemeindevorstand Grüsch ist nach Studium aller Unterlagen zum Entschluss gekommen, das Projekt abzulehnen. Die Gründe dafür wurden bereits mehrmals dargelegt. Es hat auch nichts mit einem Verwaltungsratsmandat bei den BBGD zu tun. Tatsache ist aber, dass ein VR eines Unternehmens auch dessen Interessen zu vertreten hat. Wir vertreten in erster Linie die Interessen der Bevölkerung, sind uns aber auch der Verantwortung gegenüber der Unternehmen in der Gemeinde bewusst. Dass Prättigau Tourismus in seiner jetzigen Form dem Untergang geweiht ist, deckt sich mit unserer Meinung. Du, als ehemaliger Geschäftsführer, warst beteiligt am Prozess. Du hast das sinkende Schiff nach sehr kurzer Zeit (11 Monate) wieder verlassen. Vielleicht hattest du ja eine Vorahnung oder Insiderwissen. Du weisst sicher auch, warum die Salginatobelbrücke von der Homepage verschwunden ist. Die Gemeinde Schiers ist leider, nach der altrechtlichen Gemeinde Saas und der Gemeinde Küblis aus der Tourismusorganisation ausgetreten und darum ist es selbstredend, dass keine Angebote von diesen Gemeinden mehr erscheinen. Auch hier gilt, wie im Naturpark, wer zahlt befiehlt. Warum diese Austritte erfolgten wissen wir nicht, aber mit der Solidarität ist es leider nicht überall gleich.

Ob unsere Nachkommen das Mitmachen oder eben das nicht Mitmachen begreifen werden, wird sich noch weisen.

Gemeindevorstand Grüsch