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07.03.2021

Lockdown: Vor- und Nachteile für Winzer

Die Winzer trotzten der Pandemie im letzten Jahr besser als befürchtet. Bild: M. Schnell/zVg
Der Lockdown hat für Winzer nicht nur Nachteile. Im letzten Jahr konnten einige von der Pandemiesituation sogar profitieren. Die Wintersaison hat die Lage nun aber ins­besondere bei den Gastro­lieferanten verschärft.

Der lange und wiederkehrende Lockdown bringt so manchen Gastronomen an den Anschlag oder gar zur Schliessung seines Betriebs. Für die Winzer, die – je nach Betrieb – mehr oder weniger von den Gastrobetrieben leben, präsentierte sich das vergangene Pandemiejahr erstaunlich stabil oder sogar besser als das Vorjahr. Erst der neuerliche Lockdown der laufenden Wintersaison bringt spürbare Einbussen.

Inland-Profit

Die Verluste des ersten Lockdowns im vergangenen Frühling habe man dank eines sehr starken Sommers und Herbstes wieder wettmachen oder gar übertreffen können, stellt Hanspeter Lampert vom Weingut Heidelberg auf Anfrage fest. «Viele Leute machten in der Schweiz Ferien, was zu entsprechend guter Frequentierung der Hotels und Restaurants führte. Zudem verzeichneten wir mehr Privatkundschaft. Dies alles führte in unserem Betrieb zu einem guten bis sehr guten 2020.» Selbst der neuerliche Lockdown habe bislang moderate Auswirkungen. «Da wir eher Hotels als Restaurants beliefern und stark mit dem Handel zusammenarbeiten, dürfen wir im laufenden Winter bislang nicht klagen. Die Hotels in den Wintersportgebieten sind trotz allem gut besetzt», so Lampert.

Gastrobetriebe fehlen

Auch Betriebe wie das Weingut Jürg Obrecht in Jenins, welche unter anderem mit Offenausschank (Halbliter) stark im Gastrobereich vertreten sind, sind bislang mit einem blauen Auge davongekommen. «Das letzte Jahr war dank des Umstands, dass viele Leute ihre Ferien in der Schweiz verbrachten und bei den Produkten Regionalität gefragt war, trotz Pandemie gut für uns», stellt Ladina Obrecht fest und unterstreicht damit Lamperts Feststellungen. Jetzt, da wiederum alle Gastrobetriebe geschlossen seien und kaum Reisezeit sei, merke man einen deutlichen Rückgang der Nachfrage. Zudem würden nach wie vor die Veranstaltungen und Degustationen fehlen, so dass für zwei Mitarbeiter nach wie vor Kurzarbeit gelte. Massgebend seien nun die kommenden Wochen, wie und wann es mit den Restaurants weitergehe, so Obrecht. Für die neuerlichen Schliessungen der Sonnenterassen in den Skigebieten hat sie – wie auch die Kantonsvertreter – kein Verständnis und nennt dabei ein selbst erlebtes Beispiel von dieser Woche. «Die Sonnenterrassen sind leer, und dafür bilden sich Menschenansammlungen an anderen Orten und überall liegen Schachteln und Abfall herum. Das kanns ja wohl nicht sein, zumal das Schutz- und Betriebskonzept der Bergrestaurants bis jetzt gut funktioniert hat.»

Die Wintersaison schlägt bei vielen Winzern negativ zu Buche. Bild: M. Schnell/zVg

Im Rebberg voraus

Im Rebberg sind viele Winzer mit ihrer Arbeit dank des sonnigen und milden Wetters der letzten Wochen der Zeit voraus. «Dank des schönen und milden Februars sind wir mit Schneiden längst fertig und bereits mit Binden weit fortgeschritten», erklärt Lampert zur aktuellen Situation. «Weinende» Reben seien – trotz des frühlingshaften Wetters der letzten Wochen – glücklicherweise erst vereinzelte feststellbar. Dies wohl deshalb, weil die Nächte noch kalt seien. «Ein Austrieb um diese Zeit wäre noch zu früh», so Lampert.

Massgebend sind auch die kommenden Wochen und die Veranstaltungssituation. Bild: M. Schnell/zVg
M. Schnell