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Zwei neue Kirchenglocken für Klosters

Alex Schaub, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Klosters-Serneus, erklärt, wo, wie und weshalb die neuen Glocken montiert werden. Bild: M. Schnell/zVg
Neuanschaffungen von Glocken grösserer Kirchen liegen im Kanton Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, zurück. In der evangelischen Kirche Klosters wird diese «Neuzeit-Erscheinung» anlässlich der 800-Jahr-Feier von Klosters mit zwei neuen Glocken nun gebrochen.

Die Installation neuer Kirchenglocken ist im letzten Jahrhundert sukzessive zurückgegangen. Auch im Kanton Graubünden wurden in grösseren Kirchen seit Jahren oder Jahrzehnten keine neuen Glocken mehr installiert. Die evangelische Kirchgemeinde Klosters wird dies anlässlich der 800-Jahr-Feier von Klosters nun ändern: Der etwa im Jahr 1280 gebaute Turm der evangelischen Kirche wird im kommenden Jahr 2022 mit zwei neuen Glocken bestückt.

Ergänzung vorgesehen

«Der im Jahre 2013 neu eingebaute Glockenstuhl wurde bereits so konstruiert, dass er zu einem späteren Zeitpunkt ohne grossen baulichen Aufwand oder Veränderung des Turmes weitere Glocken aufnehmen kann», erklärt Alex Schaub, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Klosters-Serneus, gegenüber dem P&H. «Im Rahmen des Jubiläumsjahres 800 Jahre Klosters sehen wir einen geeigneten Anlass, das langjährige Bestehen unserer Gemeinde mit zwei neuen Glocken zu würdigen.»

Geschichtlicher Bezug

Die Glocken werden vom Schweizer Unternehmen «Muff» in Triengen geplant und in Europas grösster Glockengiesserei «Grassmayr» in Innsbruck gegossen. Die «Jakobsglocke» wird mit einem Durchmesser von 80 Zentimeter ein Gewicht von rund 328 Kilogramm und die «Walserglocke» mit einem Durchmesser von 71 Zentimeter ein Gewicht von rund 232 Kilogramm aufweisen. Sie erhalten ihre Namen in Bezug auf die Geschichte von Klosters. Die Glockenzier, welche mit Plastilin und Gips modelliert und in Silikon als Gussnegativform erstellt wird, zeigt auf der Jakobsglocke die Auseinandersetzung mit Jakobs Traum in Bezug auf Gegenwart und Zukunft. Die Walserglocke ihrerseits illustriert die Geschichte der Walser, ihrer Kultur und die besonderen Prägungen im Prättigau und «bim Chloschter». Entworfen wird die Glockenzier vom einheimischen Kunstschaffenden Christian Bolt.

In den drei Chor-Fenstern findet sich seit 1928 Glasmalerei des bekannten Künstlers Augusto Giacometti aus der Zeit des Neubaus Ende des 15. Jahrhunderts. Die Fenster sind bekannt für ihre aussergewöhnliche dreidimensionale Wirkung. Bild: M. Schnell/zVg

Schönes Ensemble

Die bestehenden drei Glocken im Klosterser Kirchturm weisen Gewichte von rund 2,5 Tonnen, gut 1 Tonne und gut 650 Kilogramm auf «Mit diesen zwei weiteren Glockenklängen und ihren sanften Obertönen entsteht für unsere Gemeinde ein wunderschöner, harmonischer und markanter Klang», ist Schaub überzeugt. «Es wird in Zukunft nicht häufiger, sondern schöner geläutet, entkräftet er allfällige Bedenken in der Bevölkerung.

Die älteste, unveränderte Glocke stammt aus dem Jahr 1428, die grösste Glocke aus dem Jahr 1413 wurde 1857 aufgrund eines Risses mit grossem Aufwand in Feldkirch umgegossen. Schaub weist auf das wohl sehr anspruchsvolle Unterfangen hin, die 2,5 Tonnen schwere Fracht ohne Eisenbahn oder Lastwagen – sondern mit Ochs und Wagen – über die unbefestigte Strasse nach Feldkirch und zurück nach Klosters zu transportieren.

115 000 Franken

Die Installation der beiden neuen Glocken beläuft sich laut dem Kirchgemeindepräsidenten auf insgesamt 115 000 Franken; davon 35 000 Franken für Projektierung und Glockentechnik, 45 000 Franken für den Glockenguss, 25 000 Franken für die Glockenzier und 10 000 Franken für Baumeisterarbeiten. Die Finanzierung der Jubiläumsglocken erfolgt mit 25 000 Franken durch die Gemeinde Klosters und mit 8000 Franken durch die Landeskirche Graubünden. Der Rest soll durch Spenden finanziert werden. Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Klosters-Serneus freut sich über entsprechende Überweisungen. Weitere Infos unter: www.klosters-reformiert.ch.

M. Schnell