Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Leserbrief
Leserbriefe
20.03.2021

Prättigau Tourismus, wie weiter?

unsplash Bild: unsplash
Ein Brief von Florian Fausch, Seewis

Die Würfel über den Naturpark Rätikon sind gefallen, Gegner und Befürworter haben ihre Schlusskommentare abgegeben. Damit ist die Sache erledigt, Schluss, basta! Das ist es aber nicht. Prättigau Tourismus schreibt in der Prättigauerzeitung vom 13. März: Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre ist es für die PT-Verantwortlichen offensichtlich, dass die Gemeinden die Aufgabe Tourismusmarketing weiterhin gemeinsam angehen sollten. Die Rückkehr zu kommunalen Einzellösungen wäre ein klarer Rückschritt. Es ist ja menschlich, dass Pfründe nicht freiwillig aufgegeben werden, dass aber die PT-Verantwortlichen drei Tage nach der Niederlage, die sie eingefahren haben, bereits wissen, was für die Gemeinden Rückschritt oder Fortschritt bedeutet, scheint mir etwas gewagt. Trotz allem hat die Abstimmung über den Naturpark ein paar intressante Erkenntnisse zu Tage gefördert. Nehmen wir das Abstimmungsresultat aus der Region Pany – St. Antönien, die dem Naturpark eine richtige Abfuhr erteilt hat, für mich eine Überraschung sondergleichen. Wo wurde im Einflussbereich vom PT in den letzten Jahren mehr in die touristische Infrastruktur investiert. Ich finde das für diese Region wichtig und richtig, was wäre die Alternative? Aber offenbar wird man Opfer des eigenen Erfolgs und der Segen wird langsam zum Fluch. Das ist genau das Wagnis, das die Prättigauerinnen und Prättigauer nicht eingehen wollten, deshalb sind sie noch lange keine erzkonservativen Hinterwäldler. Dass dieses von der Regio­nalentwicklung und PT über drei Jahre «gehätschelte» Fr. 350 000.– schwere Projekt in allen Gemeinden Schiffbruch erleidet, hat wohl alle überrascht. Was wäre, es hätten fünf Gemeinden zugestimmt und fünf abgelehnt? Jetzt haben wir wenigstens klare Verhältnisse. Obwohl das eigentlich allen bekannt sein sollte, bestehen im Prättigau in Bezug auf die Bedeutung des Tourismus, grosse Unterschiede. Im hinteren Prättigau, bildet er die existenzielle wirtschaftliche Grundlage der Bevölkerung. Im Vorderprättigau hat er im besten Fall eine marginale Bedeutung. Es handelt sich hier um einen Schönwetter-, Wander- und Naherholungs-Tourismus.

Das war immer so und wird immer so bleiben, denn in den vergangenen Jahren hat sich diesbezüglich nichts geändert. Das zeigt, dass eine teure Marketingorganisa­tion auf diese Art von Tourismus keinen Einfluss hat. Solidarität ist wichtig, aber wenn diese Solidarität zur Einbahnstrasse wird, hat der Bürger und Steuerzahler das Recht, eine Güterabwägung vorzunehmen über Aufwand und Ertrag. Das hat die Gemeinde Schiers getan, aber deshalb steht sie nicht im Abseits, sondern sie hat lediglich beschlossen, diese Aufgabe selber zu lösen. Im Vorderprättigau, wurden seit den 70er-Jahren in Gewerbe und Industrie hunderte von Arbeisplätzen geschaffen, nicht nur für die Vorderprätti­gauer. Der Kanton hat unlängst in Pardisla, eine grössere Industrielandparzelle gekauft, wo weitere Arbeitsplätze entstehen. Das ist Brot für hunderte von Familien. Ist es so schwer verständlich, dass das Vorderprättigau ihr Heil nicht im Tourismus, sondern andernweitig gesucht hat. An diese Entwicklung hat die Gemeinde Grüsch einen grossen Beitrag geleistet, indem sie wertvolles Kulturland, in eine gut erschlossene Industiezone umge­zont hat. Ich hoffe, dass die Gemeinden im Vorderprättigau, die Stunde Null nutzen, einen Weg zu finden, dass die Millionen, die sie aus Solidarität in den Sand gesetzt haben, in Zukunft in der «Lokalentwicklung» eingesetzt werden, das wäre endlich ein Fortschritt.

Florian Fausch, Seewis