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Leserbrief
Leserbriefe
23.03.2021

Versteht das Volk die Bundesratsentscheide noch?

unsplash Bild: unsplash
Ein Leserbrief von Manfred Homlicher, Landquart

Vor einem Jahr hat das Volk die getroffenen Massnahmen des Bundesrates verstanden und sich deshalb an die getroffenen Vorgaben gehalten. Die Allgemeinheit hat die Einschränkungen akzeptiert.

Nach der Pressekonferenz des Bundesrates von letzter Woche muss man sich nun wirklich fragen, weshalb der Bundesrat für das, was er uns sagen will, sich überhaupt noch Sendezeit im Fernsehen leistet. Und genauso müssen wir uns selber fragen, weshalb wir Zeit einplanen, um die Mitteilungen anzuhören. Mittlerweile prallen die Durchhalteparolen bei den Leuten ab. Nicht weil wir die Situation nicht nach wie vor ernst nehmen, sondern weil diese nicht mehr plausibel erklärbar sind.

Nach einem Jahr müsste es doch möglich sein, die Massnahmen nach den Gefahren einer Ansteckung zu sortieren und zu belegen. Dann kann dies auch von allen verstanden werden – es ist logisch erklärbar.

Wenn man Terrassen in Skigebieten schliesst, obwohl keine erhöhte Ansteckungsgefahr nachgewiesen werden kann, müssen Bürgerinnen und Bürger solches als Schikane empfinden. Wenn man Restaurants geschlossen lässt, obwohl diese massiv in entsprechende Schutzkonzepte investiert haben, kann das wohl auch niemand verstehen. Die Bevölkerung wurde nie darüber informiert, dass massive Ansteckungsgefahren von den offenen Restaurants ausgegangen wären. Eine Beschränkung der Gottesdienstteilnehmer auf 50 Personen, egal welche Grösse eine Kirche hat, ist ebenfalls nicht mit Argumenten erklärbar. Denn auch dort gibt es Schutzkonzepte. In anderen Branchen stellen sich ebenfalls Fragen: warum das eine ja, das andere nein?
Das alles lässt sich mit steigenden Ansteckungszahlen und mit den Zuständen in anderen Ländern nicht begründen. Der Kern der Massnahmen müsste doch sein, festzustellen wo die Ansteckungsgefahren besonders hoch sind. Wenn das den Leuten begründet kommuniziert wird, kann es verstanden werden. Und alle sitzen wieder im gleichen Boot. Die Bevölkerung hat gezeigt, dass sie alle Massnahmen unterstützt, welche erklärbar und logisch für die Bekämpfung der Pandemie notwendig sind. Durchhalteparolen, welche kaum jemand versteht, sind kontraproduktiv. Wir wollen auch nicht warten, bis ganze Branchen «an die Wand gefahren» werden. Die nicht verstandenen Einschränkungen und die Ängste um Betriebsschliessungen und Arbeitsplatzverluste führen bei der Bevölkerung zu psychischem Stress und letztlich zu anderen Erkrankungen.

Wenn die Vernehmlassungen bei Kantonen und Verbänden wohl gehört, aber nicht beachtet werden, heisst das auch, dass man diesen die Kompetenz zum Mitdenken abspricht.
Das einzige, was zielführend ist: testen und impfen. Bravo Kanton Graubünden!

Manfred Homlicher