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Kanton
16.04.2021

Im Sommer sollen wieder Schwingfeste stattfinden

Folgt für die Spitzenschwinger (im Bild Armon Orlik und Christian Stucki) bald die wettkampfmässige Rückkehr ins Sägemehl? Bild: Keystone
Für alle Schwinger und Fans gibt es wieder Hoffnung: Wenn es nach dem Eidgenössischen Schwingerverband ESV geht, soll im Sommer wieder wettkampfmässig geschwungen werden. Es wäre ein erneuter Entscheid, der die Gemüter erhitzen würde.

Es sind keine einfachen Zeiten für den Schwingsport. Seit der ESV per Mitte März 120 Schwingern den Zugang zum Training wieder ermöglicht hat, herrschen Unmut und Unverständnis bei jenen, die nicht zum Handkuss kommen. Zudem laufen viele Diskussionen darüber, wie es mit dem Nationalsport in Coronazeiten auch wettkampfmässig weitergehen soll – alle oder keiner oder doch eine Bevorzugung der 120 Auserwählten mit Geisterschwingfesten?

«Im kommenden Sommer wird geschwungen.»
Rolf Gasser, Leiter Geschäftsstelle ESV

Im Sommer solls weitergehen

Entscheidend ist dabei auch, wie der Bundesrat weiter entscheidet. Bereits jetzt wurden einige Nachwuchsschwingfeste durchgeführt. Geht es nach dem ESV, sollen spätestens im Sommer auch Schwingfeste der Aktiven stattfinden. «Im kommenden Sommer wird geschwungen», sagte ESV-­Geschäftsstellenleiter Rolf Gasser gegenüber «Blick».

Zwar seien die Rahmenbedingungen für die Feste noch unklar. «Wir prüfen derzeit verschiedene Szenarien», so Gasser. Dennoch sind die Nachrichten Balsam für die zerstrittene Schwinger-Seele. Denn nach wie vor steht der ESV zum Grundsatz, erst wieder Feste durchzuführen, wenn dies für alle möglich sein wird, also auch im Breitensport Trainings wieder möglich sind.

Doch was, wenn dies bis im Sommer noch nicht der Fall ist? Dann scheint es durchaus möglich, dass der ESV auch Schwing­feste mit den 120 Schwingern, die schon jetzt trainieren, in Betracht ziehen würde. Laut «Blick» laufen diesbezüglich Diskussionen mit Swiss Olympic, weil die Spitzenschwinger mit dem momentanen Leistungssport-Status noch keine Wettkämpfe bestreiten dürfen.

Der Vorschlag von Geisterfesten lag bereits einmal auf dem Tisch. Der Technische Leiter des ESV, Stefan Strebel, wollte zwischen Mai und Juni in den Eishallen von Huttwil und Winterthur zwölf Geister-Schwingfeste durchführen. Dieses Vorhaben wurde von ihm und den Spitzenschwingern unterstützt, scheiterte aber am Veto des ESV-Zentralvorstands. Nun wird diese Idee also wieder zum Thema.

Reichmuth für Geisterfeste

Prominente Befürworter dieser Notfallvariante gibt es also mehrere. So forderte beispielsweise der momentan verletzte Zuger Eidgenosse Pirmin Reichmuth vor Kurzem im «Blick» Geisterfeste für die Spitzenschwinger.

Will Geisterfeste: der momentan verletzte Zuger Eidgenosse Pirmin Reichmuth. Bild: Keystone

«Nun sind auch im Schwingen aussergewöhnliche Massnahmen gefragt», sagte der Zuger, der auch im Aktivenrat des ESV einsitzt. Er gab dabei zu bedenken, dass dem Sport eine Rücktrittswelle und der Abgang von diversen Sponsoren drohen würden, wenn es erneut einen Sommer ohne Schwingfeste geben sollte.

Unrecht hat Reichmuth damit nicht. Das Schwingen ist dringend auf ­Aufmerksamkeit angewiesen, will der Nationalsport nicht in der Versenkung verschwinden. Auch wenn ein solcher Entscheid sinnvoll wäre, würde er mit Sicherheit auf grossen Widerstand in der Schwingergemeinde ­stossen. Weitere Diskussionen über die Zweiklassengesellschaft würden aufflammen. Eine solche Zweiklassengesellschaft würde es zweifellos geben. Doch dass im Schwingen auch schon vor der aktuellen Krise mit riesigen Unterschieden beim Trainingsaufwand de facto eine Zweiklassengesellschaft herrschte, davor verschliessen viele Schwing-Exponenten nach wie vor die Augen.

Kilchberger auch ohne Zuschauer, Jubiläumsschwinget erst 2022?

Nicht nur für den Schwingsport im Allgemeinen und die Spitzenschwinger wären Schwingfeste wichtig. Sondern auch, weil im September mit dem Kilchberger und dem Jubiläumsschwinget «125 Jahre ESV» zwei Eidgenössische Anlässe stattfinden. Letzteres wurde schon von 2020 auf 2021 verschoben. Sollte sich die Corona­lage bis dann nicht entspannen, würde der Kilchberger laut «Blick»-­Informationen ohne Zuschauer durchgeführt, während sich beim Jubiläumsschwinget eine weitere Verschiebung um ein Jahr abzeichnet. Ein definitiver Entscheid über die Durchführung fällt erst im Mai.

Lars Morger, Sportredaktion March24 & Höfe24