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Kanton
17.04.2021

Verlustreiches 2020 für die RhB

Die Rhätische Bahn musste wegen der Pandemie im 2020 jeweils rasch handeln. Bild: RhB
Das Geschäftsjahr 2020 war auch bei der Rhätischen Bahn (RhB) stark geprägt von der Corona-Pandemie. Infolge massiv tieferer ­Betriebserträge und trotz frühzeitig eingeleiteter ­Sparmassnahmen resultiert für 2020 ein konsolidierter Gesamtverlust von 6.9 Mil­lionen Franken. Dies nach einem Gewinn von 7,1 Millionen Schweizer Franken im ­Vorjahr.

Ohne die Covid-19-Finanzhilfen von Bund und Kanton für den Regionalen Personenverkehr und den Autoverlad hätte der Verlust sogar 19,9 Millionen Franken betragen. Nur in den Sparten Güterverkehr und Infrastruktur wurden die finanziellen Ziele erreicht.

Herausfordernde Umstellungen

Als Reaktion auf die tiefen Frequenzen während des Shutdowns im Frühling 2020 verkehrten weniger Züge, teilweise auch ohne Zugpersonal. Die Öffnungszeiten an den Bahnhöfen wurden zudem verkürzt. Auf Empfehlung des Bundesamts für Verkehr meldete die RhB im April Kurzarbeit von bis zu 20 Prozent an. Von Mai bis Ende Jahr erfolgte bei den Mitarbeitenden ein angeordneter konsequenter Abbau von Ferien, Mehrarbeits- und Überzeit. Das äusserst herausfordernde 2020 war auch für die Mitarbeitenden eine grosse Belastung. Mit Inkrafttreten des ersten Shutdowns am 16. März musste auch die RhB einen Fahrplanwechsel in kürzester Zeit umsetzen und den operativen Betrieb sicherstellen. Den Mitarbeitenden gelang es, diese Herkulesaufgabe innert weniger Tage und ohne nennenswerte Probleme zu bewerkstelligen. Ebenso reibungslos konnte das System beim Lockern der Massnahmen wieder hochgefahren werden. Die ungewohnte Situation, die schnelle Entscheide und rollende Anpassungen innert kürzester Zeit verlangte, war für alle sehr herausfordernd.

Minus Personenverkehr und Autoverlad

Die Umsätze beim Personenverkehr brachen um rund einen Drittel ein. Aufgrund der Transportpflicht konnte das Fahrplanangebot und damit die Kosten aber nur leicht reduziert werden. Umfangreiche Schutzmassnahmen führten ausserdem zu zusätzlichen Ausgaben. Ebenfalls für ein Minus sorgte die Situation beim Autoverlad. Die Anzahl beförderter Fahrzeuge ging im Vergleich zum Vorjahr um rund 22 Prozent zurück. Der Nettoerlös fiel dort um 24 Prozent tiefer aus und betrug 12,7 Millionen Franken. Hohe Verluste gab es zudem noch im nicht subventionierten Nebengeschäft der RhB. Insgesamt resultierte ein negatives Spartenergebnis von 3,7 Millionen Franken. Die Glacier Express AG und die Panoramic Gourmet AG erlitten massive Verluste. Die Muttergesellschaften RhB und die Aktiengesellschaft Matterhorn Gotthard Bahn stellten frühzeitig notwendige Darlehen zur Verfügung. Infolge der unsicheren Wirtschaftslage und Entwicklung verbuchte die RhB die nötigen Wertberichtigungen auf den Darlehen zulasten des Jahresergebnisses 2020. Ähnliche Ertragseinbrüche verzeichneten die Segmente historische Fahrten und Bernina Express Bus.

Zukunftsaussichten

Die Entwicklung bleibt aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor unsicher. Eine zuverlässige Einschätzung der finanziellen Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2021 sei aber laut Medienmitteilung nicht möglich. Die RhB kann jedoch weiterhin auf die spürbare Unterstützung des Kantons Graubünden und des Bundes zählen. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der RhB sind zuversichtlich, dass sich der langfristige Wachstumstrend im öV, gerade im Personenverkehr, in den nächsten Jahren, vielleicht etwas abgeschwächt, aber doch fortsetzen wird. Die RhB ist gut aufgestellt und in verschiedenen Sparten tätig und solid unterwegs. Die Modernisierung wird weiter vorangetrieben. Dennoch ist höchste Aufmerksamkeit auf allen Ebenen nötig. (pd)

pd