Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Region
02.05.2021
30.04.2021 15:02 Uhr

Lage auf Holzmarkt spitzt sich weiter zu

Die Preis- und Liefersituation auf dem Holzmarkt hat in den letzten Wochen kaum je dagewesene Ausmasse angenommen. Bild: M. Schnell/zVg
Das Schreinerei- und Holzbaugewerbe verzeichnet derzeit einen historischen Engpass bei der Rohstoffbeschaffung und bei der Preisentwicklung. Der boomende Holzbau, gepaart mit weltweiten Pandemieauswirkungen auf Lieferketten und -fristen haben in den letzten Wochen zu einem massiven Preisanstieg und enormen Lieferverzögerungen geführt. P&H hat bei betroffenen Betrieben nachgefragt.

Die hohe Nachfrage nach Holz und Holzprodukten, bedingt durch den Exportanstieg aus Europa in die USA sowie das starke Wirtschaftswachstum in China und die steigenden Kosten für chemische Stoffe und Zulieferprodukte haben zur Folge, dass die Holzbaubranche nur stark verzögert und zu überteuerten Preisen mit dem benötigten Material beliefert wird. Diese Situation hat sich in den letzten Wochen massiv verschärft und dürfte nach Einschätzungen von Branchenkennern noch bis mindestens im Herbst andauern. Diese aussergewöhnliche Lage stellt sowohl die Holzbaubranche wie auch Architekten und Bauherren vor grosse Herausforderungen.

Perfide Lage

«Die Lage ist perfid», bestätigt Christian Egli, Geschäftsführer der Maienfelder Holzbauunternehmung Gebr. Möhr AG, gegenüber dem P&H. «Der Arbeitsvorrat ist dank des boomenden Holzbaus so hoch wie nie und die Rohstoffbeschaffung so schwierig wie nie. Das stellt nicht nur unser Gewerbe, sondern auch die Architekten und Bauherren jetzt und wohl auch in den kommenden Monaten vor sehr grosse Herausfordungen. Es fehlt an allen Ecken und Enden, von Konstruktionsholz, Mehrschichtplatten in Fichte, bis zu den Holzweichfaserplatten – alles Grundstoffe für die Elementproduktion.» Der Markt ist laut Egli komplett ausgetrocknet, was für die Holzbaubranche im Gegensatz zur Baubranche, wo Materialteuerungsschwankungen eher vorkommen, sind solche Schwankungen für die Holzbaubranche total unüblich. «Aufgrund der fast explodierenden Preise und unabsehbaren Lieferfristen ist es für uns sehr schwierig, längerfristig verbindliche Offerten zu erstellen und Angaben zu Lieferterminen zu machen. Seitens der Bauherrschaft braucht das sehr viel Verständnis.» In gewissen Betrieben könne die derzeitige Situation – trotz voller Auftragsbücher – sogar zu Kurzarbeit führen, was natürlich grotesk sei.

Ein regionales Hochfahren der Holzproduktion ist laut Egli derzeit kaum möglich, weil sich die Bäume bereits im Saft befinden und der Trocknungs- und Verarbeitungsprozess zu lange dauern würde, um das Problem zu lösen. Viel Rundholz aus der Schweiz aus unserer Region werde zudem vertragsmässig nach Italien geliefert, was der regionalen Versorgung ebenfalls entgegenwirke. Längerfristig müsste unsere Holzkette allerdings unbedingt geschlossen werden, um möglichst viel Wertschöpfung dieses genialen Baustoffes in der Region zu generieren.

Christian Egli, Geschäftsführer der Gebr. Möhr AG in Maienfeld, spricht von einer «perfiden» Situation. Bild: M. Schnell/zVg

Holzkette schliessen

Ruedi Walli, Geschäftsführer von Ruwa Holzbau in Küblis, stellt auf Anfrage fest, dass die Holzrohstoffe, entgegen vorherrschender Meinung, nicht aus der Region, sondern aus dem Ausland stammen würden. «Im Kanton Graubünden werden mindestens 90 Prozent des sägefähigen Rundholzes exportiert und als verleimte Produkte zu einem guten Teil wieder importiert. Das ist natürlich unschön. Bis vor vier Monaten war der Preis solcher Importware dermassen tief, dass nur noch Exoten und Hardliner hier produzieren. Aufgrund der Landflucht vieler Amerikaner und Trumps «Glanzleistung» hohe Importzölle auf kanadische Einfuhren zu erheben, wird nun auf Importe aus Europa ausgewichen.» Dieser und weitere Faktoren, wie die Preispolitik der staatlich finanzierten «Holzbarone» in Österreich und Deutschland, hätten in den letzten Monaten fast zu einer Preisverdopplung geführt und die Lieferfristen auf bis zu 12 Wochen ansteigen lassen, stellt Walli weiter fest. «Einen weiteren Einfluss dürften die Engpässe bei der Rohstoffbeschaffung (Rundholz, Leime etc.) haben, und natürlich auch der Umstand, dass der Handel jetzt seine Lager aufzustocken versucht.» Der Kübliser glaubt oder hofft, dass sich die Lage bis im Herbst wieder beruhigen wird. Die Preise würden sich bis dann auch wieder entspannen, aber wohl nicht mehr bis auf das Niveau des Vorjahres. Von der grossen Nachfrage und steigenden Rundholzpreisen würden – etwas verzögert – auch die Forstunternehmen und Waldbesitzer profitieren.

Auch die Ruwa Küblis spürt die gegenwärtigen Widerwärtigkeiten, ist jedoch in der glücklichen Lage, ihren Betrieb mit viel Eigenholz zu versorgen. Bild: M. Schnell/zVg

Eigenes Material

Ruwa selber sei in der glücklichen Lage, ihren Betrieb zum grossen Teil mit eigenem Material versorgen zu können. «Wir kaufen einen wesentlichen Teil des Rundholzes im Prättigau, sägen, trocknen und hobeln vor Ort und verarbeiten weiter. Dennoch: Bei den Architektinnen und Bauherren ist nun Geduld und Verständnis gefragt. Die Unternehmer sollten sich hüten, einen Werkvertrag mit Konventionalstrafe bei Terminverschiebungen und die Klausel ‹Preise fest bis Bauvollendung› zu unterschreiben», warnt er an dieser Stelle. Es sei nun an der Zeit, in unserem waldreichsten Kanton der Schweiz die Holzkette zu schliessen, fordert Walli abschliessend und verweist dabei auf Sägereiprojekte wie aktuell in Surses.

Aus forstlicher Sicht

«So schnell kann es gehen», stellt Felix Wyss, Geschäftsführer der Prättigau/Landschaft Davos Forst GmbH (PLD), auf Anfrage fest. P&H wollte von ihm wissen, wie er die Situation aus Sicht des Forstes beurteilt. «Noch vor einem Jahr war Rundholz nicht mehr gefragt. Die grossen Sturmereignisse Burglind 2018, Vaia 2019 und Petra 2020 und die erheblichen Käferholzkamalitäten, welche auch im Prättigau heute noch sichtbar sind, haben die Sägereien mit Rundholz überschwemmt, die Waldbesitzer hatten grosse Absatzschwierigkeiten und die Rundholzpreise fielen in den Keller. Aus diesem Grund entschieden sich viele Forstbetriebe, Schadholz im Wald zurückzulassen und weitere Holznutzungen zu reduzieren.» Auf die Frage, wie sich nun die Preise entwickeln werden, verweist Wyss auf den Januar dieses Jahres, als das Schadholz aufgeräumt war, die Sägereien ihre Rundholzlager abgebaut hatten und frisches Holz gesucht wurde: «So stieg der Rundholzpreis langsam an. Heute ist der Rundholzpreis gegenüber Herbst 2020 rund 10 bis 15 Prozent höher. Diese positive Entwicklung bewirkte, dass die Forstbetriebe wieder Holzschläge in Angriff nahmen. Ich schätze, dass der Holzpreis bis Mitte Juni auf diesem Niveau verharrt, dann wird entscheidend sein, wie sich die Lage mit dem frischen Käferholz entwickelt.» Wie Walli weist auch der PLD-Geschäftsführer auf die Wichtigkeit eigener Sägereien zur Schliessung der Holzkette hin: «Uns fehlen die Sägereien und die Holzindustrie in der Region, welche diese Sortimente weiterverarbeiten, auf dem globalen Holzmarkt etwas bewirken und auch die Nachfrage nach Holzprodukten im Kanton befriedigen können.» Die Holzpreise würden zwar auch in Zukunft dem globalen Holzmarkt unterworfen sein. Deshalb: «Wir müssen unseren Sägereien in der Region Sorge tragen und diese laufend mit den gewünschten Holzsortimenten beliefern, so bleibt wenigstens ein kleiner Teil der Wertschöpfung in der Region. Die Ansiedlung eines mittleren Sägewerkes und Weiterverarbeitungsbetriebes in der Südostschweiz würde den Holzmarkt sicher etwas stabilisieren.»

M. Schnell