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08.05.2021

Geklaute Steinböcke gehuldigt

Wiederansiedlung der Steinböcke ist eine Erfolgsgeschichte Bild: zVg
Exakt 110 Jahre ist es her, als in Weisstannen die ersten Steinböcke der Schweiz wieder angesiedelt worden sind. Gestohlen in Italien, grossgezogen in St. Gallen, schliesslich ausgesetzt im Sarganserland – eine visionäre Aktion, der am Donnerstag von einer illustren Gesellschaft vor Ort gedacht worden ist.

Man könne nicht direkt behaupten, der Bundesrat habe den Klau der Steinböcke aus einem königlichen Jagdrevier im Aostatal vor gut 110 Jahren befohlen – «aber er hat ihn geschehen lassen», schmunzelte Reinhard Schnidrig am Donnerstag vor der «Alten Post» in Weisstannen. Schnidrig, beim Bundesamt für Umwelt Leiter der Sektion Wildtiere und Artenförderung, erzählte dort einer geladenen Schar Anwesender die Hintergründe der vor 110 Jahren vor Ort erfolgten Wiederansiedlung der Steinböcke in der Schweiz.

Der König wollte nicht

Diese «visionäre Aktion» war nötig, weil der «König der Berge», der Mitte des 15. Jahrhunderts noch den gesamten Alpenbogen bevölkert hatte, vom Menschen so stark bejagt wurde, bis kein einziges Exemplar mehr übriggeblieben ist. Mit einer Ausnahme: Im italienischen Gran Paradiso hatte Viktor Emanuel II. in seinem königlichen Jagdgebiet einige Dutzend Tiere überleben lassen. Abtreten wollte er den bettelnden, steinbocklosen Visionären aus la Svizzera indessen keine. Mit dem Ergebnis, dass die wackeren Eidgenossen 1906 drei der Kitze «stibitzten» und im St. Galler Tierpark «Peter und Paul» grosszogen.

Fünf Jahre später war es an der Zeit für die Aussetzung. Der auserkorene Fleck Schweizer Boden: die Alp Rappenloch im Jagdbanngebiet Graue Hörner in der Gemeinde Mels. Von dort aus eroberten die Steinböcke schliesslich nach ersten Anlaufschwierigkeiten die Alpen zurück. Rund 40 000 Tiere sind es heute, etwa 15 000 davon in der Schweiz.

Illustre «Festgemeinde»

Die Wiederansiedlung der Steinböcke gilt seither als Erfolgsgeschichte. Vor zehn Jahren wurde des 100. Jahrestags dieses Ereignisses in Weisstannen mit einem riesigen Volksfest gedacht. Am Donnerstag, beim 110. «Geburtstag», war die Festgemeinde vor Ort deutlich kleiner. Aber nicht weniger illuster. Regierungsrat Beat Tinner gab sich die Ehre, ebenso wie Dominik Thiel, beim Kanton St. Gallen Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei.

Dazu gesellten sich neben zahlreichen Exponenten der involvierten Kreise (Jagd, Kanton, Wildhut etc.) etwa Anton Merkle (Präsident Jagd Schweiz), der Melser Gemeindepräsident Guido Fischer und auch dessen früherer Amtsvorgänger Markus Zimmermann, der die Feierlichkeiten vor zehn Jahren organisiert hatte.

pd