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Untervaz
16.05.2021

Dem Oberdorf Magie einhauchen

Bild: C. Imhof
Seit zweieinhalb Jahren stehen im Oberdorf Untervaz Feentürchen an Felswänden, Bänken und Zaunpfählen. Initiantin Jolanda Perucchi-Gysler will mit der Geschichte auf die Schönheit der Natur hinweisen und die Menschen dazu bewegen, den kleinen magischen Dingen wieder mehr Achtsamkeit zu schenken.

Jolanda Perucchi-Gysler ist ein echtes Vazer Original. Ihre Augen strahlen, wenn sie erzählt, wie schön es doch im Oberdorf sei. Hier spiele das Leben, und sie könne sich nicht vorstellen, je an einem anderen Ort zu leben. Sie erinnere sich noch gut daran, dass an dem Platz neben dem Wald mit dem «Schnäggatöbali», wo heute ihr Haus stehe, früher mal eine «Bünte» gewesen sei. Wenn ihre Mutter ihnen jeweils spät am Abend Geschichten erzählt habe, sei es öfters vorgekommen, dass Glühwürmchen durch die Luft geflogen seien, was ihre Kinderaugen zum Strahlen gebracht habe. Auch sonst seien hier spezielle Schmetterlinge ansässig, und sie kenne keinen Ort auf der Welt, der ihr besser gefalle.

Aus Abfall Magie erschaffen

Dieser schöne Ort mit Panoramablick über ganz Untervaz sei ein beliebtes Ziel von Spaziergängern und auch ihre beiden Geschwister seien regelmässig zu Gast. Es störe hier oben auch niemanden, wenn es mal ein wenig lauter werde, weil man gemeinsam eine gute Zeit geniesse. Einmal als Perucchi vor knapp drei Jahren zum Grillplausch eingeladen habe, sei ihr Bruder mit Abfallholz im Gepäck angekommen. Bei der Arbeit wäre dies im Abfall gelandet, weshalb er dachte, dass er es doch besser mitnehme, um es ins Feuer zu werfen. Seine Schwester Jolanda erinnerte sich in diesem Moment an ihre Kindheit zurück und legte das Holz zur Seite. Wochenlang hätten ihr Mann und sie anschliessend an den Feentürchen gewerkelt, und in einer Nacht- und Nebelaktion habe sie diese installiert. Es sei ihr wichtig gewesen, dass sie nicht von Zeugen erwischt werde und auch bis zum heutigen Tag, sei es eigentlich noch ein Geheimnis, wer denn da eigentlich hinter dem Projekt stecke.

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Schönheit neu entdecken

Perucchi sei immer wieder überrascht, wie Erwachsene gleich wie Kinder an magische Wesen wie Feen glauben würden. Die acht Feentürchen locken regelmässig Besucher aus allen Himmelsrichtungen zu ihnen ins Oberdorf, und sie freue sich jeweils diebisch, wenn diese aus dem Staunen nicht mehr herauskämen. Zu der magischen Tour gehöre eben auch, dass viele innehielten und einen Moment am Ort verweilen. Wie viel Liebe zum Detail in den Minikunstwerken steckt, zeigt der Blick auf das eine Törchen, welches leider dem letzten Sturm zum Opfer gefallen sei. Aus diesem Grund steht dort momentan neben einem Trümmerhaufen ein kleines Schild mit der Beschriftung «Bin umgezogen», welches auch erwachsenen Kindern ein Lächeln auf die Lippen zaubern dürfte. Die Magie stecke nicht nur hinter den Feentürchen sondern vor allem in der Natur direkt vor der Haustüre. Diese gelte es, neu zu entdecken und auch wieder mehr zu schätzen, wie Jolanda Perucchi erklärt. Zu diesem Umdenken hat sie mit ihren gebastelten Türchen angestiftet, und es zeigt sich, dass auch in alltäglichen und für uns vielleicht selbstverständlichen Dingen magische Kräfte innewohnen. Denn aus einem Stück Holz, welches vielleicht zwei Minuten gebrannt hätte, sind Feentürchen entstanden, die dem Oberdorf Untervaz nun seit mehr als zweieinhalb Jahren Magie einhauchen.

cim