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Küblis
22.05.2021

Erica Brühlmann-Jecklin veröffentlicht neues Buch

Bild: Isabelle Grubert
Erica Brühlmann-Jecklin ist eine Autorin mit Wurzeln in Küblis. Obwohl ihre Bücher normalerweise stark geprägt sind von ihren frühen Jahren im Prättigau, geht sie mit ihrem neuen Werk mit dem Titel «Die Mula - Erinnerungen einer Drogenkurierin» andere Wege. Wie es dazu gekommen ist und wann es wieder mal ein Buch mit Geschichten von hier gibt, könnt ihr hier nachlesen.

Bald erscheint Ihr neues Buch. Um was geht es in dem Werk?
Es geht um die Lebensgeschichte von Luz, einer Kolumbianerin, die als junge Frau in die Fänge der Narcos gerät, also der kolumbianischen Mafia. Sie wird gezwungen, vermeintliche Schulden zu zahlen, muss als Drogenkurierin nach Amsterdam und in die Schweiz reisen, gerät aber, anstatt sich befreien zu können, immer tiefer in die Fänge der Drogenhändler. Paradoxerweise ist erst ihre Festnahme in der Schweiz eine Art Befreiung. Sie landet für Jahre in Haft, schliesslich in Hindelbank.

Das sind nicht gerade die Themen, die Sie sonst in ihren Geschichten behandeln. Wie offen sind Sie für die Inputs ihres Verlags?
Ja, da haben Sie recht. Ich tat mich schwer, dieses Buch zu schreiben. Die Arbeit erforderte recht viel Recherche. Mein früherer Verleger, Gründer des Zytglogge-Verlags, den er vor wenigen Jahren altershalber an den Schwabe-Verlag verkaufen musste, schickte mir die Protagonistin, er wusste ja, dass ich in seinem Verlag etliche Biographien geschrieben hatte. Irgendwann realisierte ich, dass auch das eine Lebensgeschichte ist, und ich sagte nach längerem inneren Ringen zu. Heute kann ich aber auch zu diesem Buch stehen. 

Wie wichtig ist ihre Zeit im Prättigau für Ihr Schreiben?
Die ist mir sehr wichtig. Es ist meine Heimat und ihr bin ich sehr verbunden. In diesem Buch kommt unser Tal nun halt nicht vor, aber ich hoffe, dass diese Geschichte dennoch gelesen wird, denn heute wissen auch die Prättigauer, dass es auf der anderen Seite der Klus auch eine Welt und damit auch Geschichten gibt. Ich vertraue hier auf einen mir durchaus treuen Leserkreis in unserem Tal.

Könnte man vielleicht sogar in Ihrem aktuellen Buch Charakterzüge von Prättigauern erkennen?
Ja, in einem gewissen Sinne durchaus. Die Menschen sind zwar geprägt von ihrer Heimat, ihrer Kultur, aber in ihrem Verhalten sind sie sich doch überall ähnlich. Das Ausleben der eigenen Volkskultur, Stolz auf die Heimat, familiärer Zusammenhalt, aber auch Machtstrukturen, Neid, Eifersucht, ja selbst Gewalt trifft man wohl auf der ganzen Welt an. Luz wollte mit ihrem kleinen unehelich geborenen Sohn der häuslichen Gewalt und so dem Elternhaus entfliehen. So geschah es, dass sie zwielichtige Geschäfte annahm und in die Fänge der Drogenkuriere geriet.

Wann schreiben Sie wieder eins über ünscher Tal?
Ehrlich gesagt, darauf plange ich. Ünsches' Tal erfüllt mich auch beim Schreiben mit Liebe und Wärme. Aber ich suche die Geschichten nicht, sondern warte immer, bis sie zu mir kommen. Und das geschah bislang immer wieder.

Tatsächlich habe ich ein Manuskript, das zur Prüfung bereit ist, und auch ein wenig wieder ins Prättigau hineinspielt. Ein aus Dalvazza stammender Auswanderer trifft Ende der Vierzigerjahre in Kanada seine künftige Frau. Diese hat eine eigene Migrationsgeschichte, wurde im Januar 1945 als 17-jährige zusammen mit allen jungen Siebenbürgerinnen und Siebenbürgern von den Russen entführt und verbrachte zweieinhalb schlimme Jahre in einem russischen Arbeitslager. Wie sie ihr Leben meisterte durfte ich festhalten. Auch dies eine wahre Biografie, und ich hoffe ganz fest, dass ich sie den Prättigauerinnen und Prättigauern in absehbarer Zeit zum Lesen vorlegen darf.

Christian Imhof