Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Malans
17.06.2021

In der Herrschaft entsteht Bündner Holzkohle

Ziel ist es, mit der Köhlerei die Ressourcen vor der Haustüre zu nutzen.
Ziel ist es, mit der Köhlerei die Ressourcen vor der Haustüre zu nutzen. Bild: M. Rominger
Auf einer Waldlichtung oberhalb von Malans, fand am letzten Wochenende das Anzündfest des sogenannten Meilers statt. Hasslers Zigeunerspiesse wurden direkt auf der eigenen Kohle gegrillt, während im Vordergrund ein Alphorn-Duo die Festlichkeit untermalte. Die Sonne knallte und das Wetter war perfekt für den Start des rund zwei wöchigen Destillierens des Buchenholzes ausschliesslich aus dem Malanser Wald.

Geselligkeit, Spass und gemütliches Beisammensein soll das Köhlern für die Vereinsmitglieder sein, erzählten Ueli Schlegel und Thomas Gosswiler vom Verein. Die meisten der Mitglieder sind bereits pensioniert. Deshalb stellte der zweiwöchige Aufbau des drei Meter hohen Meilers für die Männer zeitlich kein Problem dar.

Die Entstehung von Holzkohle

Präsident René Hassler, der bereits für seine Zigeunerspiesse im Bündnerland bekannt ist, erklärte den Besuchern was ein Meiler ist und wie Holzkohle produziert wird. Erst einmal müssen 50 Ster Holz gefällt und mit der, auf der Lichtung bereitgestellten Säge, verarbeitet werden. Nach dem Boden wird das «Füllihuus» aufgestellt – der Kamin des Meilers. Dieser ist drei Meter tief und wird zum «anzünden» des Meilers benötigt. Im Anschluss werden die Holzspalten rund um das Füllihuus angelegt. Diese 50 Ster Holz ergeben zum Schluss rund sagenhafte vier Tonnen Holzkohle. Interessant dabei ist, dass die Holzkohle nur aus Buchenholz besteht. Dies erhöhe die Qualität der Holzkohle um ein Vielfaches, wie René Hassler weiss. Um den kompakten Meiler abzudichten, wird er von unten her mit Tannenreisig versehen. Oberhalb wird eine weitere Schicht Heu gelegt. Zuletzt kommt die «Löschi» – Kohlestaub und Kohlestückchen welche mit Wasser zu einer Art Mörtel angereichert wurden. Diese wird 30 Zentimeter dick um den ganzen Meiler herum drapiert.

Am Samstag um 15 Uhr war es dann endlich soweit. Nachdem der Meiler mit zwei Kesseln Glut zum Rauchen gebracht wurde, gruben René und seine Kollegen drei Löcher am unteren Ende des Meilers hinein, um die Sauerstoffzufuhr zu sichern. So kann sich der Meiler auf 400 bis 600 Grad aufheizen. Jetzt darf der drei Meter hohe «Ofen» für 14 Tage nicht mehr aus den Augen gelassen werden. An Schlaf ist also nicht zu denken. Denn der Verein muss den Meiler alle zwei Stunden mit Schaufeln und Locheisen bearbeiten. Nach diesen schlaflosen zwei Wochen wird der Meiler mit Blachen zugedeckt. Zwei Monate Zeit braucht er um auszukühlen. Erst dann kann das Buchenholz, welches zu Kohle wurde, geerntet werden. Ende Juli/Anfang August wird es dann soweit sein. In Andelbach habe René Hassler das Köhlern gelernt. Da dieses uralte Handwerk in Graubünden nicht mehr vorhanden war, nahm er das Vorhaben mit den mittlerweile 15 Vereinsmitgliedern in die Hand. Mit dem Ziel, jedes Jahr einen Meiler aufzustellen. «Die übliche Holzkohle, welche man in den Läden kaufen kann besteht nur zu 60 % aus Buchenholz, der Rest ist Tanne oder Tropenholz. Diese Kohle wird aus Argentinien, der Türkei und Rumänien weit her geliefert. Schade, denn wir haben die Ressourcen vor der Haustüre und lassen sie zum Teil einfach verfaulen», meinte René Hassler zum Publikum, welches interessiert zuhörte. Ein triftiger Grund also, die einheimische Produk-
tion der Holzkohle zu unterstützen, um diese weiten Wege zu vermeiden.

Bild: M. Rominger

Köhlerfest im Spätsommer

Ungefähr 500 Säcke Malanser Kohle werden nach dem Spektakel rausspringen, welche an die Gönner des Vereins verteilt werden. Doch auch Nicht-Gönner haben die Chance sich dieses wertvolle Handwerksgut zu ergattern. Denn im Spätsommer findet ein Köhlerfest in Malans statt, bei dem die Kohle verkauft wird. Wer Gönner werden möchte, kann sich unter www.koehlereimalans.ch anmelden und bekommt für 150 Franken einen Sack Bündner Kohle, drei Zigeuner-Spiesse und drei Getränke gratis am Köhlerfest in Malans, wessen Datum noch bekannt gegeben wird. Der Rest der Gönnergelder wird für den Holzkauf, Material für Holzschlag (Sägen, Transport usw.), Versicherung, Material für den Meiler, Material für Kohlensäcke und Weiteres verwendet.

mr