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Fideris
03.07.2021

Modell im Massstab 1:150 zu Ehren des alten Bades

Hobby-Modellbauer Peter Aebi und Historikerin Karin Fuchs präsentieren das Modell «Altes Bad Fideris».
Hobby-Modellbauer Peter Aebi und Historikerin Karin Fuchs präsentieren das Modell «Altes Bad Fideris». Bild: L. Steinmann
Auf Anfrage der Künstlerin Anna Maria Thöny im letzten Jahr hat sich Peter Aebi daran gewagt, ein Modell des alten Bades Fideris zu bauen. Am Freitag vor einer Woche hat der 77-Jährige zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth Aebi-Gujan, Urenkelin des ehemaligen Baddirektors Johannes Alexander, zur Vernissage eingeladen.

Rund 35 Gäste haben sich am Freitag vor einer Woche in der Fideriser Schulturnhalle zur Präsentation des Modells «Altes Bad Fideris» durch den Hobby-Modellbauer Peter Aebi aus Wäldi TG eingefunden. Zu den geladenen Gästen zählten unter anderem Familie, Freunde, Bekannte, Prättigauer Kunstverantwortliche und -schaffende sowie der Fideriser Gemeindevorstand.

Kurzer Abriss

Nach der Begrüssung der Gäste übergab der ehemalige Forstingenieur, der in seinen jungen Jahren auch ein paar Semester Architektur studiert hatte, das Wort an Karin Fuchs, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin am Institut für Kulturforschung (ikg) Graubünden in Chur weiter. Die Innerschweizer Historikerin brachte den Gästen die Geschichte des ehemaligen Bad Fideris, das 1464 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt wurde, in einem rund zehnminütigen Kurzreferat basierend auf dessen baulicher Entwicklung näher. Karin Fuchs beschäftigte sich bereits im Rahmen ihrer Dissertation in mittelalterlicher Geschichte mit dem Bad Fläsch. Während ihrer langjährigen Studie über Heilquellen und Bäder in Graubünden, 16. bis 19. Jahrhundert, befasste sie sich auch mit dem Bad Fideris. 1939 war die letzte Saison und die Liegenschaft wurde zum Abbruch verkauft. Sie wurde nicht mehr genutzt bis 1967 ein Hochwasser die Anlage zerstörte. 2019 veröffentlichte Karin Fuchs ihr Buch «Baden und Trinken in den Bergen, Heilquellen in Graubünden, 16. bis 19. Jahrhundert».

Peter Aebis Modell zeigt die Fideriser Bad-Anlage, wie sie in ihrer letzten Saison 1939 ausgesehen hat. Bild: Peter Aebi

Neues Konzept

Dann liess Peter Aebi die Gäste an seinen Überlegungen zum Bau des Modells «Altes Bad Fideris» teilhaben. Die Idee, ein solches Modell zu bauen, geisterte schon seit geraumer Zeit in den Köpfen von Fideriser Bürgern umher. Doch dieses Werk kam laut Aebi nicht über ein rudimentäres Stadium hinaus. «Da dieses Modell viel zu gross und dadurch zu sperrig war und mir dessen Konstruktion nicht mehr sinnvoll erschien, habe ich mich entschieden, ein neues Modell zu bauen», erzählte der Hobby-Modellbauer, der mit Sperrholz schon den Napoleonturm bei Wäldi-Hohenrain TG, den Baumturm des Baumwipfelpfads in Neuschönau im Nationalpark Bayerischer Wald und den Fünfeckpalast in der ausserrhodischen Gemeinde Trogen als Modell nachgebaut hatte. «Mein Modell des alten Bades sollte transportabel sein und deshalb keine eigene Tragkonstruktion haben», erklärte Aebi. Für die Gestaltung habe er sich an alten Bildern und Beschreibungen des Fideriser Bads aus Karin Fuchs’ Buch «Baden und Trinken in den Bergen» orientiert. «Von grossem Nutzen waren mir vor allem die Fassadenaufrisse, die der Architekt Peter Wally aus Pany einst vom Bad Fideris erstellt hat.»

Gutes Handling

Die Fideriser Bad-Anlage hatte eine reale Länge von rund 300 Metern. Peter Aebis Modell im Massstab 1:150 passt nach eigener Zielsetzung auf einen handelsüblichen Klapptisch, der oft in Festzelten zum Einsatz kommt. «Die eigens von mir ausgedachte Hohlkonstruktion des Terrains und die Aufteilung des Modells in vier Kästen à zehn Kilogramm gewährleisten ein gutes Handling», sagte der 77-jährige Aebi stolz. Das Modell mit einer Länge von rund 2,20 Metern zeigt die drei Hauptgebäude, die Säge, das Kesselhaus, wo das Warmwasser einst erzeugt wurde, die Trinkhalle sowie diverse Nebenbauten. Auch die Umgebung mit Promenade, der Turn- beziehungsweise Tanzplatz sowie die mächtigen Wuhrmauern am Zusammenfluss von Arieschbach und Raschitschbach hat er bei seiner dreidimensionalen Darstellung aus Holz berücksichtigt. Insgesamt hat Peter Aebi für das Modell 2275 Bauteile und 435 Fenster in rund sechs Monaten zusammengebaut und geklebt.

Die Gäste hören den Rednern an der Vernissage gebannt zu. Bild: L. Steinmann

In Fideris sanitas

Im Anschluss gings zum geselligen Teil über. Einige Gäste nutzten die Zeit, um das Modell näher in Augenschein zu nehmen und dem Modellbauer Fragen zu stellen. Doch der Grossteil der Gäste liess sich unter anderem bei einem guten Glas Wein die Spezialitäten auf der Fleischplatte oder ein Stück Original Fideriser Torte munden. Auch für Unterhaltung war an der Vernissage gesorgt: Wahre Lachsalven unter den Gästen rief der Fideriser Chirurg Ueli Bühler mit seinen Anekdoten rund um den ehemaligen Fideriser Badebetrieb hervor– wovon eine mit den Worten «In vino veritas, in Fideris sanitas» zu Ende ging.

L. Steinmann