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Leserbrief
Leserbriefe
09.07.2021

Zu viele Wolfsangriffe: Alpen werden bereits im Juli entladen

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Ein Lesebrief von Germano Mattei, Präsident «Verein Schweiz zum Schutz der ländlichen ;Lebensräume vor Grossraubtieren»; Armando Donati, Präsident der Tessiner Sektion; Rico Calcagnini, Präsident der Bündner Sektion; Sem Genini, Sekretär der «Unione contadini ticinesi»

In der Vergangenheit kam es, wenn auch sehr selten vor, dass Alpen wegen eines frühen Schneefalls Ende August, Anfang September entladen werden mussten. Doch war es bisher unvorstellbar, dass die Tiere bereits Anfang Juli aufgrund der Anwesenheit eines Grossraubtiers von der Alp heimkehrten. Aber jetzt ist es soweit. Bereits letztes Jahr war es u.a. in Val Camadra (TI) passiert und dieses Jahr in Klosters (P&H berichtete) und San Bernardino. Alles deutet darauf hin, dass sich dieser Trend leider auch in Zukunft fortsetzen wird. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Situation nicht mehr tragbar ist.

Jeder Landwirt weiss, wie viel Stress so ein Umzug für eine Herde bedeutet. Und wie viel Arbeit, Kosten, Unannehmlichkeiten und Sorgen für Tiere und Menschen dadurch verursacht werden.

In den aktuellen Fällen handelt es sich nicht um «Hungeralpen», die in der Vergangenheit aufgegeben wurden. Wir sprechen auch nicht von Alpen mit freiem Auslauf, sondern von überwachten Gebieten. Wenn es soweit kommen kann, ist die Situation äusserst ernst und unhaltbar.

Das Angebot von Pro Natura, freiwillige Helfer für die Überwachung und den Schutz zu stellen, ist lobenswert. Es bestehen jedoch berechtigte Zweifel an der Wirksamkeit dieser Unterstützung. Wenn selbst erfahrene Hirten nicht in der Lage sind, die Situation zu bewältigen, wie soll glaubhaft gemacht werden, dass Freiwillige, die das Gebiet nicht kennen, Erfolg haben? Weder die Freiwilligen noch Schutzzäune können eine Herde aufhalten, die in Panik flieht (und die dann in den Abgrund stürzt, wie bereits geschehen), weil sie von Wölfen terrorisiert oder gejagt wird. Und geht es bei der Hilfestellung wirklich um den Schutz der Weidewirtschaft, oder soll der Anschein erweckt werden, dass das Problem der Grossraubtiere einfach zu lösen ist?

Der Verein Schweiz zum Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren, in Zusammenarbeit mit den Sektionen Tessin und Graubünden sowie dem Tessiner Bauernverband, bekundet seine Solidarität mit den betroffenen Landwirten und richtet sich gleichzeitig mit scharfer Kritik an die Bundesbehörden. Trotz eindringlicher und wiederholter Warnungen von vielen Seiten (auch von unseren Organisationen) wird dem Wolf seit Jahren eine unbegrenzte Ausbreitung ermöglicht. Nun sind die schwerwiegenden Folgen da, die wir schon vor einigen Jahren vorausgesagt haben.

In Frankreich werden für Situationen, in denen die Schutzmassnahmen nicht ausreichen, seit 2018 Abschreckungs-, Verteidigungs- und Eindämmungsschüsse eingeführt, die auf einer speziellen Verordnung basieren.

Wir erneuern daher unsere eindringliche Aufforderung an die Bundesbehörden, zusätzlich zum bereits bestehenden Herdenschutz dringend ähnliche Massnahmen in der Schweiz zu prüfen. Dies ist wahrscheinlich die einzige und letzte Option, die uns bleibt, wenn wir die Weidewirtschaft in den
Alpen erhalten wollen.

«Verein Schweiz zum Schutz der ländlichen ;Lebensräume vor Grossraubtieren»