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Jenaz
15.07.2021
14.07.2021 10:48 Uhr

Die 100 000-Liter-Kuh Katrin

Über 100 000 Liter Milch hat die Kuh Katrin in ihrer Karriere bisher produziert.
Über 100 000 Liter Milch hat die Kuh Katrin in ihrer Karriere bisher produziert. Bild: zVg
In den vergangenen Tagen hat es auf dem Bauernhof auf dem «Oberwichel» in Jenaz etwas zu feiern gegeben: Die Kuh Katrin von Hansandrea und Corina Valär schaffte es, die Marke von 100 000 Liter Milch zu knacken, was die beiden natürlich mit sehr viel Stolz erfüllt.

Normalerweise gibt eine Kuh pro Laktation so um die 8000 Liter Milch», sagt Landwirt Hansandrea Valär. «Eine solche dauert im Schnitt 305 Tage. Die restlichen 60 Tage wird dem Tier dann Ruhe gegönnt.» Die genaue Zahl werde durch den Verband Braunvieh Schweiz erhoben. Dieser schaue auch penibel drauf, dass die Milch den qualitativen Ansprüchen der Lebensmittelindustrie entspreche. Die Bauern können dank der von ihnen zur Verfügung gestellten, umfassenden Tabellen ausserdem sehr detailliert nachschauen, wie viel Eiweiss oder Fettgehalt im Produkt vorhanden ist. «Im Schnitt hat Katrin täglich ziemlich genau 20,6 Kilogramm Milch gegeben», so der Landwirt stolz. «Das macht bei den 3290 Tagen, an denen sie Milch produziert hat, eben die Anzahl von 102 285 Litern.» Bei Höfen im Unterland könne eine solch hohe Literanzahl häufiger vorkommen, als hier im ländlichen Gebiet, was den geografischen Beschaffenheiten geschuldet sei. «Bei uns gehen die Kühe jeweils im Sommer auf die Alp. Dort müssen sie sich ihr Fressen selber zusammensuchen, was für die Tiere schon ein zusätzlicher Stress sein kann, der sich dann auch in die Produktion der Milch niederschlägt.» Auch, wenn ihre erfolgreiche Kuh Katrin in diesem Jahr wegen Altersbeschwerden in Untervaz statt in den Bergen residiere, sei sie praktisch jeden Sommer «z’Alp» gewesen.

Eine aussergewöhnliche Kuh

Im November 2007 wurde Katrin geboren. Laut Corina Valär hätten sie und Hansandrea schon von Anfang an eine spezielle Beziehung zu der fleissigen Kuh gehabt. «Als wir 2010 den Betrieb übernommen haben, war sie die erste Kuh, die wir angekauft haben. Sie ist ein bisschen wie das Fundament unseres Betriebs und war die ganze Zeit immer mit dabei.» In der Zwischenzeit habe ihre Katrin nicht nur über 100 000 Liter Milch gegeben, sondern auch fünf Stieren und sechs Kühen das Leben geschenkt. «Interessant ist dabei noch zu erwähnen, dass sie zwei Mal Zwillinge gekalbert hat.» Die Auszeichnung vom Verband Braunvieh Schweiz ist nicht die erste Ehrung, die das 13-jährige Tier abstauben könne, denn vor ein paar Jahren sei Katrin auch mal zur Vize-Miss Graubünden gekürt worden. Auch, wenn in der Zukunft noch ein paar Liter obendrauf kommen könnten, Katrin sei nun langsam reif für den Ruhestand, was sich nur schon durch den Umstand zeige, dass sie in diesem Jahr im Tal geblieben sei.

Familie Valär ist stolz, eine solch produktive Kuh wie Katrin zu haben. Bild: zVg

Fokus auf regionale Produkte

Familie Valär hat es sich schön eingerichtet am «Oberwichel», der von Pragg her über die Kuhgasse erreichbar ist. Das 2016 gebaute Holzhaus gleich neben dem alten Bauernhof ist modern, passt aber trotzdem sehr stimmig ins Jenazer Dorfbild. Auch, wenn er im Schnitt 24 aktive Kühe hat, ohne Subventionen kann man im ländlichen Gebiet als Bauer laut Hansandrea Valär kaum überleben. «Für den Ackerbau sind die Felder im Prättigau häufig zu steil, und für den Gemüseanbau ist das Wetter fast zu rau. Aus diesem Grund setzen wir klassisch auf Milchproduktion und verkaufen auch Wurstwaren der Tiere.» Obwohl Veganismus ein grosser Trend sei und den Bauern oft der schwarze Peter in die Schuhe geschoben werde, jammern sei nicht sein Ding. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie seien ausserdem viele den Bauern gegenüber wieder positiver gestimmt. «Ich glaube, die Leute schätzen die Produkte aus der Region wieder mehr, da die Grenzen lange geschlossen waren. Ausserdem haben sie gemerkt, wie viel da zusammenhängt. Ein Bauer schafft nicht nur Arbeitsplätze in der Lebensmittelindustrie, auch die Maschinenbauer profitieren von den hohen Investitionen, die bei einem landwirtschaftlichen Betrieb regelmässig getätigt werden müssen.» In ihrem Hofladen vorne neben dem alten Brunnen zeigt die Familie Valär, welche Produkte alle entstehen können, wenn die Kühe ein zufriedenes Leben auf dem Land geniessen dürfen. Dass im Oberdorf Jenaz die Welt noch in Ordnung ist, zeigt neben diesen abwechslungsreichen Hofprodukten auch die Kuh Katrin, die aussergewöhnlich viel Milch gegeben hat. Hier wird eben keine Massentierhaltung, sondern traditionelle Landwirtschaft mit Sachverstand und Herz betrieben. Diese ist nachhaltiger als der Import von Billigfleisch und Milch aus dem Ausland und als schöner Nebeneffekt wird bei dieser Art des Bauerns das Wohl der Tiere grossgeschrieben.

C. Imhof