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Leserbrief
Leserbriefe
27.07.2021

Ein nationaler Spitaltag dringend erforderlich

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Ein Lesebrief von Silvio Zuccolini, ehemaliger Spitaldirektor und langjähriger Pressechef der Bündner FDP, Scharans

Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums von H+, dem Dachverband der Schweizer Spitäler, hat im Jahr 2005 zum ersten Mal ein viel beachteter nationaler Spitaltag gesamtschweizerisch stattgefunden. Dort dabei waren auch die Bündner Spitäler. Zwischenzeitlich fanden dann Folgeveranstaltungen in verschiedenen Kantonen statt. Sinn und Zweck dieser Veranstaltungen sollte sein, die Türen für die Bevölkerung zu öffnen. Dieser Tag sollte eine einzigartige Plattform bilden und in allen Regionen des Landes auf die Bedeutung und die Anliegen der Spitäler national und regional aufmerksam zu machen.

Für die Besucher standen Bereiche offen, die der Öffentlichkeit sonst kaum oder nicht zugänglich waren. Eine grosse Anzahl grosser und kleiner Besucher nahm damals an den Spitalführungen im ganzen Land teil. Diese Führungen zeigten wunderschöne, zweckmässig ausgestattete Spitäler. Dabei kam es zur Gelegenheit, unter anderem auch ausnahmsweise in den modernen Operationsbereich mit den OP-Sälen zu kommen – natürlich nicht, ohne vorgängig ordnungsgemäss in die grüne OP-Montur zu schlüpfen. Auch unterirdische Notspitäler (Geschützte Operationsstelle GOPS) mit hunderten von Liegestellen und einem OP-Bereich durften besichtigt werden. Der Rettungsdienst, die Notfallstation, die Gebärabteilung, die Physikalische, das Labor usw. gewährten Einblicke in ihre Räumlichkeiten. Die Verantwortlichen äusserten sich in Podiumsgesprächen unter anderem über die Folgen der damals neuen kantonalen Spitalfinanzierung und Spitalkonzeption. Dabei kam auch das Thema Solidarität zum Regionalspital erneut zur Sprache. Es wurde vielfach ausgesprochen und aufgerufen, dass die Bevölkerung in erster Linie bei Bedarf das eigene Regionalspital vorziehen soll.

Nun, wie komme ich dazu, von vergangener Zeit zu sprechen? Wäre es nicht gerade aktuell, wieder mal einen solchen nationalen Spitaltag durchzuführen, mit dem Hauptaugenmerk auf die leidige Pandemie und generell auf deren Personalsituation zu legen. Es wird doch immer wieder auf die Arbeitsbelastung der vielen tausenden von Mitarbeitenden auf allen Stufen und gleichzeitig auch auf deren Entlöhnung hingewiesen.

Auch, die damit verbundene Wertschätzung muss zur Sprache kommen. Mit Händeklatschen am offenen Fenster ist es einfach nicht getan. Bei einem nationalen Spitaltag könnte die Bevölkerung mit den Betroffenen von Angesicht zu Angesicht über ihre Anliegen, ihr Befinden und ihre Bedürfnisse sprechen und ihnen ihren persönlichen Dank und die Wertschätzung mit einer herzlichen Umarmung kundtun.

Gleichzeitig müsste die Bevölkerung wieder einmal daran erinnert werden, dass unser Gesundheitswesen das Beste weltweit ist, was nur dank der vielen Mitarbeitenden, die in den verschiedenen Sparten dieses Systems tätig sind, möglich ist. Leider aber reduziert sich unser Spitalwesen auf die leidige Diskussion um deren Kosten. Dass mit der Kostensteigerung auch eine gewaltige Leistungssteigerung verbunden ist, ist klar und könnte an einem nationalen Spitaltag eindrücklich aufgezeigt werden. Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Pandemie lässt grüssen.

Silvio Zuccolini