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Seewis
16.08.2021

Weg mit den Problempflanzen!

Floristin Sabine Gansner aus Seewis.
Floristin Sabine Gansner aus Seewis. Bild: M. Rominger
Invasive Neophyten nennt man Pflanzen, die unsere einheimischen Pflanzen verdrängen. Im Gespräch mit Floristin Sabine Gansner aus Seewis stellte sich heraus, welche Pflanzen unauffällig auf unseren Wiesen wachsen, aber grossen Schaden anrichten können. Auch in diesem Fall zeigt sich, dass nicht immer alles Gold ist, was glänzt.

«Dieses Einjährige Berufkraut darf nicht einmal kompostiert werden», beginnt Sabine und rupft währenddessen eine wunderschöne weisse Blume samt Wurzel aus der hohen Wiese. Die Blume dürfe nur in den Abfallkübel wandern oder verbrannt werden. Doch weil wir nicht einfach so ein Feuer machen dürfen, wird das Erstere wohl die bessere Wahl sein. So kommt die Pflanze in die Kehrichtverbrennung und kann dort keinen Schaden mehr anrichten. «Wenn wir sie auf den Kompost werfen würden, würde sie sich versamen und noch weiter ausbreiten. Das Einjährige Berufkraut verdrängt unsere heimischen Pflanzen», sagt Sabine Gansner und trägt bereits einen dicken Strauss dieses Krautes auf dem Arm.

Erigeron annuus heisst der «Bösewicht»

Für das Laienauge kann einjähriges Berufkraut wie Kamille aussehen. Die beiden Pflanzen unterschieden sich in der Höhe des Wachstums. Kamille wird bis
40 cm hoch, Einjähriges Berufkraut kann bis 150 cm hoch wachsen. Ausserdem unterscheiden sich die beiden Pflanzen auch durch die Blütenblätter. Beim Einjährigen Berufkraut sind diese lanzettlich und beidseitig behaart. Bei der Kamille eher fein gefiedert. Das Einjährige Berufkraut stammt aus Nordamerika und wurde bei uns ursprünglich als Gartenpflanze eingeführt. So konnte es sich vermehren. Doch obwohl es nicht giftig ist, meidet es das Vieh auf der Weide. Aber wieso sollte man es dann gleich ausrupfen und entsorgen? Man könnte es ja, wie bei der tierischen Artenvielfalt halten. Einige Tiere sterben aus. So ist es auch bei unserer heimischen Flora. Durch die schöne ausländische Pflanze, wird die einheimische vertrieben. Das wäre zu schade, geht doch sonst schon so vieles verloren!

Schön fürs Auge, traurig für den Schmetterling

Neben dem Einjährigen Berufkraut gibt es noch andere Problempflanzen unter den schönen Blumen. Eine davon wird im Gartencenter gekauft und im eigenen Garten angepflanzt: Der Sommerflieder. Der violette Schmetterlings-Liebling bildet grosse Bestände in Flussauen und Schuttplätzen. Seine Samen verbreiten sich rasant durch den Wind. An diesen Orten kann er die auenspezifische Pflanzenwelt verdrängen. Der Nektar des Sommerflieders ist von schlechter Qualität und macht die Schmetterlinge durch seinen koffeinhaltigen Gehalt süchtig. So verbringen sie mehr ermüdende Zeit damit, von dem wenig vorhandenen Nektar im Sommerflieder zu suchen, als zu brüten, was wiederum ihre Spezies bedroht. Wieso der Sommerflieder immer noch in unseren Gartencentern verkauft wird, darauf weiss auch Floristin Sabine keine Antwort. Doch sie empfiehlt lieber die Finger vom Sommerflieder  zu lassen. Doch wie kann man den Sommerflieder vom einheimischen Flieder unterscheiden?

  • Schön schädlich: der Sommerflieder. Bild: M. Rominger
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  • Verdrängt einheimische Pflanzen: das Einjährige Berufkraut. Bild: M. Rominger
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Der Name ist Programm

Wie es der Name schon verrät, blüht der Sommerflieder erst im Sommer bis in den Herbst hinein, während die Blütezeit des heimischen Flieders im Mai schon wieder vorbei ist. Im Gartencenter wird der heimische Flieder als «Syringa vulgaris» angeschrieben, der ursprünglich aus Tibet stammende Sommerflieder als «Buddleja davidii».

mr