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Leserbrief
Leserbriefe
01.09.2021

Wolfsproblematik aus der Sicht eines Landwirts

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Ein Lesebrief von Andres Ruosch – Landwirt und Gemeindevorstand Klosters

Seit dem letzten Winter ist es vermehrt zu Wolfsichtungen auf dem Gemeindegebiet gekommen. Dies hat dem Alppersonal und Alpbestössern im Hinblick auf die Sommersaison 2021 Sorgen bereitet. Um gegen allfällige Angriffe durch den Wolf gewappnet zu sein, wurden die Schutzmassnahmen, wo immer möglich, massiv erhöht.

Nachdem die Hälfte der Alpzeit vorbei ist, muss leider gesagt werden, dass auch diese Schutzmassnahmen nicht viel genützt haben. Bereits zu Beginn der Alpsaison kam es zu Rissen an Nutztieren. Am schlimmsten getroffen hat es die Schafalpen Börteralp und Cunn/Fergen. Letztere musste nach den Rissen sogar entladen werden. Auch bei verschiedenen Mutterkuhherden wurde ein auffällig unruhiges Verhalten festgestellt, welches Begegnungen mit Wölfen vermuten lässt.
Es hat sich gezeigt, dass es schlicht unmöglich ist, überall einen 100 %-igen Herdenschutz aufzubauen.

Die aktuelle Situation ist unhaltbar. Die Alp/Landwirtschaft ist in unserer Region von enormer Wichtigkeit. Falls sich die Problematik mit den Wölfen weiter zuspitzt, laufen wir Gefahr, dass diverse Landwirte und das Alppersonal aufgeben und die Alpen dadurch nicht mehr bestossen werden können. Für alle Beteiligten ist die Situation eine riesige Belastung, bei welcher vor allem die Unterstützung fehlt.

Es braucht schnellstmöglich Massnahmen zur Regulation. Beispiele aus dem Ausland haben gezeigt, dass sich die Probleme noch verstärken, wenn ein Raubtier wie der Wolf sich unkontrolliert ausbreiten kann.

Die Entwicklung der verschiedenen Wolfsereignisse zeigen auf, dass die gesetzlichen Vorgaben in den Bereichen Herdenschutz und Wolfsmanagement der sehr schnellen Wolfsentwicklung hinterherhinken. Der Kanton ist weiterhin gefordert, bei den zuständigen Behörden beim Bund auf die dringend notwendigen Anpassungen der massgebenden Rechtsgrundlagen hinzuwirken. Heute sind dem Kanton vielfach die Hände gebunden und dem Erfordernis von Abschüssen von verhaltensauffälligen Tieren oder der Reduktion innerhalb von Rudeln stehen hohe Hürden gegenüber.

Die Äusserungen von einzelnen Tourismusvertretern, aber auch Forstkreisen, dass die Präsenz der Wölfe zu begrüssen sei und sogar zu Vermarktungsmöglichkeiten führe, löst bei mir als Landwirt nur Unverständnis und Kopfschütteln aus. In der aktuell angespannten Situation sind solche Äusserungen unpassend und zeigen kein Verständnis für die Probleme der Landwirtschaft im Umgang mit dem Wolf.

Vor allem aus touristischer Sicht darf die Thematik nicht unterschätzt werden. Jeder, der Bilder von den grässlichen Tierrissen gesehen hat, kann mir zustimmen, dass man keine solche Bilder in Siedlungsnähe, auf einer Skipiste oder einer Langlaufloipe sehen möchte.
Es besteht dringend Handlungsbedarf damit die Situation nicht ausser Kontrolle gerät.

Andres Ruosch