Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Prättigau
04.09.2021

In Schiers soll’s (noch) wärmer werden

Albina Zuta, Urs Kälin und Daniel Peterhans (v.r.) von der ABB Technikerschule stellten das Projekt  des Wärmeverbunds II vor.
Albina Zuta, Urs Kälin und Daniel Peterhans (v.r.) von der ABB Technikerschule stellten das Projekt des Wärmeverbunds II vor. Bild: M. Schnell
Nach dem Wärmeverbund I steht nun der Wärmeverbund II in den Startlöchern. Am Dienstag wurde das Projekt anlässlich einer Begehung und einer Information der Öffentlichkeit umfassend vorgestellt.

Der Wärmeverbund I, mit welchem in Schiers seit 25 Jahren unter anderem die Evangelische Mittelschule, das Bildungszentrum Palottis, das Oberstufenschulhaus und das Spital (Flury Stiftung) beheizt werden, ist eine Erfolgsgeschichte; nun soll diese mit dem Wärmeverbund II eine Fortsetzung finden. Die Bevölkerung hatte am Dienstagabend Gelegenheit, unter fachkundiger Führung vom bestehenden Wärmeverbund einen Augenschein zu nehmen und sich vom Projektteam der ABB Technikerschule über den Wärmeverbund II in Kenntnis setzen zu lassen.

Drei Interessensgruppen

Gemeindepräsident Ueli Thöny stellte eingangs der Informationen fest, dass es beim Wärmeverbund II darum geht, drei unterschiedliche Interessensgruppen möglichst kompatibel unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen: Waldeigentümer/Forst als Rohstofflieferanten, den Betreiber sowie die Bezüger. Vorgestellt wurde das Projekt von Albina Zuta, Daniel Peterhans und Urs Kälin von der ABB Technikerschule. Die drei Studenten hatten im Rahmen ihrer Voruntersuchungen und Umfragen unter anderem festgestellt, dass in Schiers noch knapp 70 Prozent der Haushalte mit Öl beheizt werden und deshalb auch ein Grossteil der Befragten im Anschlussperimeter (Rücklauf 87 Prozent) einem Anschluss an das neue Wärmebundsystem offen gegenüberstehen und CO2-neutrales Heizen als wichtig erachten.

Drei Varianten

In ihrer Arbeit hatten die ABB-Studenten drei Varianten unter die Lupe genommen und dabei Variante 3 favorisiert (Holzkessel mit 1100 kW, Holzkessel/Warmwasser mit 200 kW, Ölkessel für Spitzenlast und als Sicherheitsbackup mit 2200 kW sowie PV-Anlage mit 46 kWp). Die Investitionskosten und Wärmegestehungskosten sind mit rund 8,34 Millionen Franken beziehungsweise 0.2029 CHF/kWh vergleichbar mit den übrigen Varianten. Mit dieser Variante könne die Gemeinde Schiers durch den Ersatz der bestehenden Ölheizungen in den nächsten 20 Jahren rund 18 000 Tonnen an CO2 einsparen und damit einen wichtigen Schritt in die Energiezukunft machen, stellten die Projektverfasser in ihren Ausführungen fest.

Die verschiedenen Anschlussperimeter in Reihenfolge der vorgesehenen Realisierung. Bild: zVg

Synergien nutzen

Um die Investitionskosten möglichst tief zu halten und Synergien nutzen zu können, soll der Wärmeverbund II im Zusammenhang mit anstehenden Tiefbauarbeiten der Rhätischen Bahn und der Gemeinde realisiert werden: Als Beispiele nannten die Projektverfasser die Hauptzuleitung, die vom vorgesehenen Standort der Zentrale (unterm Bahnhof) durch die neue Unterführung der Rhätischen Bahn in die Bahnhofstrasse geführt werden soll. Daselbst sollen die Verlegearbeiten mit Tiefbauarbeiten der Gemeinde kombiniert und koordiniert werden (Wasserleitungen etc.).

Drei Etappen

Vorgesehen ist vorerst die Erschliessung von drei Perimeterzonen (siehe Plan): Ab 2022/23 die Industrie (Zone 1), ab 2023/24 die Zone 2 und ab 2025/26 die Zone 3. Die Zonen 4 und 5 sind als Reservezonen ausgeschieden und können bei Bedarf aufgrund der Leitungsdimensionierung und möglichen Standorterweiterung später – die Projektverfasser rechnen mit rund 10 Jahren – ebenfalls noch angeschlossen werden. Als nächster Schritt soll gemäss Ueli Thöny Ende dieses Jahres in entsprechender Projektierungskredit eingeholt werden. Pro Erschliessungsperimeter werden von der Öffentlichen Hand bis zu 200 000 Franken Subventionen in Aussicht gestellt, was in Schiers aufgrund der betreffenden Flächen der Fall sein dürfte.

Im Anschluss an die Referate der Projektverfasser stellte Felix Wyss, Geschäftsführer der Prättigau Landschaft Davos Forst GmbH (PLD Forst), die Möglichkeiten der Rohstofflieferungen vor. Ziel sei es, die Wärmeverbundanlage dereinst möglichst mit einheimischen Holz zu versorgen.

ms