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Küblis
11.09.2021

Eine Sägerei wie vor hundert Jahren

In Tälfsch braucht das Sägen auch noch viel handwerkliches Geschick.
In Tälfsch braucht das Sägen auch noch viel handwerkliches Geschick. Bild: C. Imhof
Oberhalb von Küblis liegt die Fraktion Tälfsch. Dort steht auf einer sonnigen Terrasse auf rund 1100 Meter über Meer seit 1924 eine Sägerei, die trotz Modernisierung und Digitalisierung im Tal ­immer noch wie früher betrieben wird. Verantwortlich ­dafür ist eine Genossenschaft, die aus ein paar Individua­listen besteht, die sich mit viel Herzblut und Kraft für die ­Erhaltung der Tradition einsetzen.

Der Sommer drehte am vergangenen Dienstagnachmittag nochmals eine Ehrenrunde und bei der Fahrt durch den Weiler Tälfsch fiel auf, dass auch die lokalen Bauern dies gemerkt hatten und nochmals grosse Fuhren mit Heu nach Hause brachten. Ein paar Minuten nach dem Ortskern befindet sich auf der rechten Strassenseite das alte Sägewerk. Von diesem aus sieht man nicht nur die Gotschnabergstation, auch Conters, Küblis und sogar Fideris sind von hier aus wunderbar ersichtlich.

Keine Schausägerei

Auch wenn hier in der Höhe ein perfekter Ort wäre, um eine touristische Attraktion in Form eines Museums zu platzieren, ist es für Hanspeter Mathis wichtig zu erwähnen, dass dies hier keine «Schausägerei» sei, wie man sie von anderen Orten her kenne. Hier werde noch aktiv Holz verarbeitet und verkauft. «Es geht uns um die Erhaltung der Sägerei und des Handwerks. Grundsätzlich ist es doch mehr Tradition als ein Verdienst. Schliesslich kosten die Wartungen der Maschinen und das immer schwieriger werdende Beschaffen von Ersatzteilen auch viel Geld.» Der «Sagavogt», wie er von den Küblisern liebevoll genannt wird, hat erlebt, wie in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Sägewerke im Tal geschlossen haben. Um der Tälfscher Sägerei, die vor 98 Jahren erbaut und 1976 revidiert wurde, dieses Schicksal zu ersparen, wurde 1989 die Sägereigenossenschaft Tälfsch gegründet. Wie das mit dem Erhalten des Handwerks funktioniert, weiss Mathis ziemlich gut, denn für mehr als 40 Jahren war er als Präsident aktiv. Inzwischen wird der Vorstand der Genossenschaft von drei jungen Landwirten geführt. Um alle Unterhaltskosten zu decken, wurde vor zwei Jahren sogar damit begonnen, einen Mitgliederbeitrag einzufordern und doch scheint es so, dass vielen Personen in der Umgebung die Sägerei besonders am Herzen liegt. Denn der Genossenschaft gehören inzwischen 16 Mitglieder an. «Wir haben das Glück, dass beispielsweise viele Bauern, wenn sie den Hof an die nächste Generation weitergeben, auch gleich die Anteilsscheine überschreiben. So interessieren sich auch die Jüngeren wieder für das Handwerk des Sägers.»

Mehr als Knöpfchen drücken

Einer dieser «ein bisschen» Jüngeren ist Hans Schmid. Bereits sein Grossvater und auch sein Vater haben hier in diesem traditionsreichen Holzbau gewirkt. Er ist der aktuelle Säger und zeigt, dass bei diesem Handwerk neben höchster Konzentration, auch noch viel Muskelkraft benötigt wird. Mit Ketten und der Hebelwirkung wird der Baumstamm auf den Schienen gewendet und es ist schon erstaunlich, wie das früher alles so einwandfrei funktionieren konnte. «In den vergangenen Jahren konnten wir hier einiges optimieren. Dank viel Fronarbeit fahren die Holzstämme auf Schienen, die mit einem stabilen Fundament unterlegt sind», erklärt Schmid. «Früher war alles aus Holz, was hin und wieder schon recht problematisch mit dem Wetter gewesen ist.» So wie sie inzwischen aufgestellt seien, könne es aber auf jeden Fall noch viele Jahre weitergehen. Er, Hanspeter Mathis und auch Leonhard Christ, der überhaupt den Impuls zum Artikel gegeben hat, reichen die Kunst des Sägens an die nächste Generation weiter und schaffen gleichzeitig mehr Verständnis für den Beruf der Schreiner- und Zimmermannleute. Die Gerätschaften vor Ort, wie beispielsweise die Schleifmaschine stammen aus einer Zeit, in der man noch für die Ewigkeit gebaut hat und sind dank ihnen noch heute top in Schuss. Hoffen wir, dass das Engagement dieser drei sympathischen Herren, sowie auch ihrer jüngeren Nachfolger weiterhin Lokale begeistern kann, die auch lieber von Hand arbeiten statt Knöpfchen zu drücken. Diese könnten dafür sorgen, dass oberhalb von Tälfsch auch in den nächsten hundert Jahren fleissig manuell Holz verarbeitet wird und eine Tradition erhalten bleibt.

  • Leonhard Christ, Hans Schmid und Hanspeter Mathis ­freuen sich, dass die Kunst des Sägens weitergegeben wird. Bild: C. Imhof
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  • Bild: C. Imhof
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cim