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Sport Regional
15.09.2021

«Es wäre schön, allein vom Sport leben zu können»

Kiter Bruce Kessler am diesjährigen Engadin Surf Marathon.
Kiter Bruce Kessler am diesjährigen Engadin Surf Marathon. Bild: zVg
Am diesjährigen Engadinwind am Silvaplanersee hat auch Bruce Kessler aus Fajauna teilgenommen. Am Engadin Surf Marathon kam es zwischen dem 21-jährigen Kitesurfer und einem deutschen Konkurrenten zu einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit einer Zeit von 43 Minuten und 16 Sekunden holte Kessler den Sieg ins Prättigau. Dem P&H ist er Red und Antwort gestanden.

P&H: Herzliche Gratulation zu Ihrem Sieg des Surf- und Kite-Marathons am diesjährigen Engadinwind. Einfach gefragt: Was bedeutet dieser Sie für Sie?
Bruce Kessler: Danke viel Mal, der Sieg fühlt sich grossartig an. Der Engadin Surf Marathon ist ein legendäres Rennen, das dieses Jahr schon zum 44. Mal ausgetragen wurde. Zudem ist es im Rahmen des Engadinwinds, das einzige Rennen an dem Kiter teilnehmen können. Ich hatte ein super Rennen und konnte mit einem guten Vorsprung gewinnen. Ich habe gezeigt, dass ich mit meinem Kite und Hydrofoil der Schnellste auf dem Silvaplanersee bin.

Können Sie unserer Leserschaft in wenigen Worten erklären, was ein Hydrofoil ist?
Das sogenannte Hydrofoil oder auch Kitefoil ist eine Tragfläche, die mit einem Masten unten am Kiteboard befestigt wird. Mit diesem Foil kann der Wassersportler beim Kitesurfen mit dem Brett über die Wasseroberfläche dahingleiten. Weil man damit weniger Widerstand hat, wird man ziemlich schnell. Zudem kann man auch schon bei wenig Wind Fahrt aufnehmen. Ein solches Foil kommt auch bei anderen Wassersportarten zum Einsatz.

War das Ihr erstes Rennen am Engadinwind?
Nein, das war bereits mein drittes Rennen. Im letzten Jahr bin ich beim Marathon Zweiter geworden, und ein Jahr davor haben ich ihn zum ersten Mal in meiner Kitefoil-Karriere gewonnen.

Seit wann bestreiten Sie Kitefoil-Wettkämpfe?
Mein erstes Rennen habe ich 2017 bestritten – aber damals nur zum Plausch. Seit diesem Jahr trainiere ich intensiver, um Kitefoil-Rennen bestreiten zu können. Bei meinem ersten Kitefoil World Series Stop, der in Gizzeria in Italien stattgefunden hat, habe ich es auf Rang 36 geschafft.

Betreiben Sie den Sport als Amateur oder als Profi?
Ich habe eine Lehre als Spengler absolviert und arbeite jetzt auch schon seit drei Jahren auf diesem Beruf. Zurzeit bin ich zu 80 Prozent bei der Firma Bergamin Gebäudehüllen AG in Valbella angestellt. Mein Arbeitgeber unterstützt mich sehr gut. Dennoch ist es für mich eine grosse Herausforderung, Arbeit und Sport unter einen Hut bringen. Kurz gesagt: Ich betreibe den Sport noch nicht ganz professionell. Doch es wäre schön, wenn ich es einmal schaffen würde, allein davon leben zu können.

Wo und wie trainieren Sie?
Von Frühling bis Herbst trainiere ich oft auf Schweizer Seen. Im Winter geht’s zum Training ans Meer oder auf den Schnee. Im Schnee kann ich Snowkiten, was für mich auch ein gutes Training ist.

 

Der Fajauner freut sich über seinen Marathon-Sieg am legendären Engadinwind. Bild: zVg

Welche Bedingungen muss ein Kitesurfer erfüllen, um an Rennen teilnehmen zu können?
Viele Rennen sind Open Class, das heisst man kann sich einfach anmelden. Ich bin Mitglied der Swiss Kitesailing Assocation, dem Schweizer Verband für Kitesailer. Dieser führt Rennen durch, und seine Mitglieder erhalten Rennlizenzen. Bei den Formula-Kitefoil-Weltmeisterschaften musste ich mich als Schweizer qualifizieren, um teilnehmen zu können. An dieser WM gehe ich im Oktober auf Sardinien zum ersten Mal an den Start.

Wie viele Rennen stehen für Sie in diesem Jahr noch auf dem Programm?
Es sind noch zwei Wettkämpfe geplant. Mein nächster Wettkampf im Rahmen der Kitefoil World Series Stop findet nächste Woche, am Dienstag, am Traunsee im österreichischen Salzkammergut statt. Das zweite Rennen ist jenes auf Sardinien, an dem ich wie bereits erwähnt für die Schweiz antrete. Dort strebe eine Platzierung im vorderen Mittelfeld an.

Welches Ziel haben Sie sich, sagen wir, für die nächsten zwei bis drei Jahre gesteckt?
Langfristig gesehen, ist mein grosses Ziel die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. An diesen Spielen ist Kitesurfen zum ersten Mal olympische Disziplin.

Wie sind Sie zum Kitesurfen gekommen?
Ich bin durch meinen Vater zum Kiten gekommen. Es hat mich vom ersten Moment an fasziniert, und ich wusste, dass es mich ein Leben lang begleiten wird.

Zum Schluss: Welche Bedeutung hat das Kitesurfen für Sie?
Es ist seit meiner Kindheit meine grösste Leidenschaft und füllt mich vollkommen aus.

Wettkampfszene auf dem Silvaplanersee. Bild: zVg

Engadinwind

Der Engadinwind ist einer der bedeutendsten und berühmtesten Wassersport-Events weltweit, der auf dem Silvaplanersee ausgetragen wird. Dieses Jahr, vom 16. bis 22. August, haben dort international bekannte Windsurfer, Segler und Kiter ihr Können unter Beweis gestellt. Anlässlich des Engadinwinds werden die IQ-Foil-Windsurf-Weltmeisterschaften, die Wingfoil-Europameisterschaften sowie der Engadin Surf Marathon ausgetragen. Beim 42 Kilometer langen Marathon, der über den ganzen Silvaplanersee führt, müssen die Kiter sechs Runden fahren. In diesem Jahr haben es sich insgesamt 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 30 Nationen nicht nehmen lassen, dort bei perfekten Windverhältnissen an den Start zu gehen.

Kiteboarden

Kiteboarden ist ein Wassersport, der auch unter dem Namen Kitesurfen bekannt ist. Das Kiteboard wird in der Surfszene oft auch kurz Kite genannt. Beim Kiteboarden steht der Sportler auf einem Board, das Ähnlichkeit mit einem kleinen Surfbrett hat. Das Surfbrett wird dabei von einem Lenkdrachen gezogen. Wellen und der Zug des Drachens werden beim Kiteboarden unter anderem auch als Unterstützung für Sprünge genutzt. 

L. Steinmann