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Christoph Luzi: «Wir sind auf Kurs»

Die Walserkultur spielt eine grosse Rolle im Jubiläumsjahr.
Die Walserkultur spielt eine grosse Rolle im Jubiläumsjahr. Bild: Jann Clavadetscher
Das Jubiläumsprojekt 800 Jahre Klosters wird von der Gemeinde verantwortet und wurde vom Stimmvolk in einer Urnenabstimmung im September 2020 gutgeheissen. Seit Oktober 2020 ist Christoph Luzi von der Gemeinde Klosters als Projektleiter für das Jubiläumsjahr angestellt.

Als Kulturwissenschaftler, Historiker und Gymnasiallehrer bringt er für diese Aufgabe die passgenauen Qualifikationen mit, die er hervorragend mit seiner Eigenschaft als Einheimischer und «Klosterser» kalibrieren kann.

 

Wie weit seid ihr schon mit der Planung des Jubiläums?
Wir sind auf Kurs. Die OKs der einzelnen Erlebnisse arbeiten teilweise an der Detailplanung, andere haben noch etwas mehr Zeit. Für uns von der Projektleitung und dem Projektausschuss läuft sehr viel im Hintergrund. Insbesondere führen wir intensive Gespräche mit möglichen Partnern, mit denen wir das Programm gemeinsam gestalten wollen.

Wie gross ist die Nervosität in Klosters?
Im Prättigau lassen wir uns ja nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Aber die Spannung steigt. Wir merken, dass die Leute vermehrt Kenntnis vom Jubiläumsjahr haben und dadurch auch mehr Nach- und Anfragen bei uns landen – was uns natürlich ausserordentlich freut.

Welche Wirkung nach aussen, auch ausserhalb des Tals strebt ihr mit den Festlichkeiten an?
Wir möchten mit dem Jubiläum zeigen, dass Klosters sehr viel zu bieten hat. Klosters und unsere ganze Region ist in verschiedenster Hinsicht ein attraktiver Ort, sei es für ein paar Stunden, ein paar Tage oder ein ganzes Leben lang.

Was hat Dich an der Projektleitung so gereizt?
In meiner beruflichen Laufbahn dreht sich viel um die Frage, wie Geschichte und Kultur vermittelt werden kann und welchen Nutzen wir für uns in der Gegenwart daraus ziehen können: in der Schule oder an der Universität, im Museum, im Journalismus und gerade auch im Tourismus. In meiner Doktorarbeit habe ich mich intensiv mit dem touristischen Gebrauch von Geschichte speziell an Jubiläen auseinandergesetzt. Dass ich dieses Wissen und diese Erfahrungen aus der Theorie beinahe 1:1 in die Praxis umsetzen darf und das notabene da, wo ich aufgewachsen bin, ist für mich ein Glücksfall.

Du bist Kulturwissenschaftler, Historiker und Gymnasiallehrer. Welche Aufgabe ist Deine liebste? Oder macht es die Mischung aus?
Es ist tatsächlich eine Mischung. Ich darf mich mit historisch-kulturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen und werde mit mir noch Unbekanntem aus unserer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert. Daneben sind es die zahlreichen Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen, die mir sehr viel Freude bereiten.

Christoph Luzi am Werben fürs Jubiläum. Bild: Jann Clavadetscher

Was macht Klosters so einzigartig?
Wir sind bekannt für unsere wunderbare Natur und das breite Sportangebot. Es ist aber gerade die Kultur und die Geschichte, welche uns einzigartig macht. Dabei nehmen die Walserinnen und Walser eine besondere Rolle ein, denn sie haben uns und unsere Landschaft nachhaltig geprägt. Das ist heute noch in unseren Bauten, Bräuchen und nicht zuletzt in der Sprache sicht- und hörbar und macht uns authentisch und glaubwürdig.

Welche Rolle wird das Walsertum beim Jubiläum spielen?
Die Walserkultur spielt eine grosse Rolle im Jubiläumsjahr. Daher lautet unser Motto auch «800 Jahre Klosters. Walserstolz & Weltgeschichten». Wir möchten unsere Geschichte und Kultur Menschen aus nah und fern näherbringen. Angefangen beim romanischsprachigen Ursprung des Klösterleins über die Walsersiedler bis hin zum Tourismus, der bei uns im Sommer begonnen hat. Die Walser gelten gemeinhin als wortkarg und stur, aber auch als anpassungsfähig und innovativ. Diese Experten der hochalpinen Landwirtschaft bieten mit ihrer autarken Lebensweise einen idealen Ausgangspunkt, um danach zu fragen, was für uns in der Gegenwart wichtig ist und wie wir unsere Zukunft gestalten wollen.

Wie wichtig ist Dir die Erhaltung der Tradition?
Traditionen entstehen, entwickeln und verändern sich auch mit den Gewohnheiten der Menschen in ihrer jeweiligen Gegenwart. Traditionen sind ja sehr vielfältig und fallen uns im Alltag als Gewohnheiten häufig gar nicht mal so auf. In Traditionen wird aber kulturelles und historisches Wissen gespeichert. Spannend und wichtig finde ich die Ähnlichkeiten sowie das Verbindende innerhalb und untereinander von Traditionen.

Welchen Brauch hast du neu entdeckt bei der Recherche zum Jubiläum?
Weniger neu entdeckt, aber mir dank Peter Guler bewusster geworden, ist die Rolle der Wildheuerei. Nachdem die tiefergelegenen Gebiete fertig geheuet waren, ging es hoch zu den Mädern, die oft weit oberhalb der Waldgrenze waren. Sehr früh morgens musste hochgestiegen werden, um dann im sehr steilen Gelände stundenlang zu mähen. Das Heu wurde dann in sogenannten Tristen, quadratische Heustöcke, aufgeschichtet. Erst im Winter holte man die Ernte per Schlitten im Heuzug ins Tal. Dass dabei beinahe nochmals so viel Heu geerntet wurde wie im Tal, hat mich verblüfft und mit Bewunderung für unsere Vorfahren zurückgelassen.

Welche Höhepunkte sind Deiner Meinung nach die grossen Pfeiler des Jubiläumsjahrs in Klosters?
Persönlich freue ich mich auf die kleinen, feinen Geschichten in der Vortragsreihe, aber auch auf das Forum der Zehngerichte mit den Gastgemeinden aus dem einstigen 1436 gegründeten Bund. Das Freilichtspiel wird ebenfalls etwas ganz Besonderes mit einem eigens geschriebenen Stück und einem Bühnenbild, wie wir das noch nie gesehen haben. Mehr will ich aber noch nicht verraten. Das vielfältige Programm hat für alle, Jung und Alt, etwas dabei, auf das man sich freuen darf. Ich empfehle daher den Besuch unserer Homepage klosters800.ch.

cim