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Seewis
28.09.2021
28.09.2021 10:50 Uhr

Frauen für Gemeindepolitik gewinnen

Die Teilnehmerinnen des Seewiser Vernetzungstreffens tauschen ihre Erfahrungen aus.
Die Teilnehmerinnen des Seewiser Vernetzungstreffens tauschen ihre Erfahrungen aus. Bild: Ladina Steinmann
Fakt ist, Frauen in politischen Ämtern auf Gemeindeebene sind immer noch untervertreten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, haben politisch interessierte Frauen und auch Männer aus dem Prättigau und der Bündner Herrschaft an einem Vernetzungstreffen in Seewis in Form eines Workshops konkrete Massnahmen zur Förderung von Frauen in der Gemeindepolitik ausgearbeitet.

«Im Grundsatz finde ich meine Arbeit als Seewiser Gemeindepräsidentin eine  sehr gute Sache, und es macht mir nach wie vor viel Freude», sagte Nina Gansner-Hemmi, Gastgeberin des Vernetzungstreffens im Rahmen des Projekts «Promo Femina» vor rund einer Woche in Seewis. «Obwohl mein Amt als Gemeindepräsidentin mit 20 Stellenprozenten dotiert ist, bedeutet das nicht, dass ich nur einen Tag in der Woche für die Gemeinde im Einsatz bin.» Denn neben Sozialkompetenz, Kompromiss- und Kommunikationsfähigkeit sowie interdisziplinärem Denken seien unter anderem auch hohe zeitliche Verfügbarkeit und Flexibilität Grundvoraussetzungen, um dieses Amt überhaupt ausüben zu können, betonte die Gemeindepräsidentin und fügte hinzu: «Deshalb erstaunt es mich auch nicht, warum bei Frauen und insbesondere bei jungen Frauen die Begeisterung für ein politisches Amt schrumpft.»

Neue Ideen

Bei einem Frauenanteil von knapp über 50 Prozent der Bevölkerung, werden in Graubünden zurzeit nur 13 von 101 Gemeinden von Frauen präsidiert – und Nina Gansner-Hemmi ist eine davon. Ähnlich sieht die Situation laut Simon Theus, Leiter Projekte sowie stellvertretender Leiter des Bündner Amts für Gemeinden, in den Gemeindeparlamenten und -kommissionen aus. Aus Erfahrung weiss er, dass diese deutliche Untervertretung der Frauen in politischen Behörden nicht auf Diskriminierung bei der Wählerschaft, sondern meist auf ein kleines Angebot an Kandidatinnen zurückzuführen ist. «Frauen für politische Ämter auf Gemeindeebene zu rekrutieren, ist sehr schwierig.» Dabei seien Frauen in der Kommunalpolitik von grösster Bedeutung. Mit ihren neuen Ideen und ihrem unausgeschöpften Potenzial könnten sie sich auf Gemeindeebene nicht nur, wie meist üblich, in schulischen und sozialen Themen einbringen, sondern problemlos auch in allen anderen Bereichen wie Finanzen oder Raumplanung ihre Führungsverantwortung wahrnehmen, sagte Theus gegenüber dem P&H. «Die an diesem Vernetzungstreffen ausgearbeiteten Massnahmen sollen in Zukunft helfen, Frauen für die kommunale Politik zu begeistern, allfällige Bedenken zu zerstreuen und die Erfahrungen auszutauschen.»

  • Ruth Nieffer, Projektverantwortliche, und Simon Theus, Leiter Projekte des kantonalen Amts für Gemeinden, beteiligen sich an der Erarbeitung der Massnahmen für das praxisnahe Online-Tool. Bild: Ladina Steinmann
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  • Nina Gansner-Hemmi erzählt am Vernetzungstreffen von ihrer Arbeit als Seewiser Gemeindepräsidentin. Bild: Ladina Steinmann
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Praxisnahes Online-Tool

Das kantonale Amt für Gemeinden unterstützt die vom Zentrum für Verwaltungsmanagement (ZVM) der Fachhochschule Graubünden und der Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann Graubünden organisierten Vernetzungstreffen in Pontresina, Seewis und Ilanz sowohl in finanzieller wie auch in personeller Hinsicht. Das ZVM zeichnet für Entwicklung und Umsetzung des Projekts «Promo Femina» verantwortlich. Dieses hat laut Ruth Nieffer, Projektverantwortliche und Dozentin an der FH Graubünden, zum Ziel, das politische Engagement von Frauen auf Gemeindeebene nachhaltig zu steigern. Neben dem Kanton Graubünden sind auch die Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Zürich und Wallis am Projekt beteiligt. «Mit dem Projekt kann der weiblichen Untervertretung entgegengetreten und dem öffentlichen Anspruch nach Diversität und Gleichstellung vermehrt nachgekommen werden.» Zudem solle als Projektergebnis ein innovatives, praxisnahes und breit zugängliches Online-Tool zur Frauenförderung in der Gemeindepolitik hervorgehen, führte sie weiter aus.

Auf Erfahrungsbasis

Sieben engagierte Mitglieder aus den Gemeindebehörden von Seewis, Furna, Fideris, Schiers und Malans waren der Einladung zum Vernetzungstreffen in Form eines Workshops gefolgt. Unter der Regie von Barbara Wülser, Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann Graubünden, und der Projektverantwortlichen Ruth Nieffer erarbeiteten sie auf Basis ihrer Erfahrungen und ihres Wissens konkrete Massnahmen. Als Massnahmen aufgeführt wurden von ihnen unter anderem Betreuungsdienst für Frauen mit Kindern, Unterstützung durch den Arbeitgeber, etwa in Form einer Zeitgutschrift, fundierte Einarbeitung ins Amt, eine praxisnahe politische Bildung in Schulen und in der Berufsausbildung, Stärkung des Regionalverbandes, mehr Transparenz bei der Entlöhnung, Arbeitsgruppen innerhalb der Gemeinde, überkommunale Fachgruppen bei komplexen Themen, Austausch von Dossiers usw.

Frühjahr 2022

«Zum Abschluss wollen wir Sie noch über die nächsten Projektschritte informieren», sagte Ruth Nieffer zu den Teilnehmenden des rund eineinhalb Stunden dauernden Workshops. Zuerst würden bis November dieses Jahres die Massnahmen, die in allen drei Bündner Vernetzungstreffen ausgearbeitet wurden, zusammengetragen und ausgewertet. In einem zweiten Schritt werde das Online-Tool umgesetzt, damit dieses wie geplant im Frühjahr 2022 veröffentlichet werden könne.

Weitere Informationen zum Projekt «Promo Femina» erhalten Sie unter www.fhgr.ch/promofemina.

 

ls