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Untervaz
05.10.2021
05.10.2021 10:26 Uhr

Erhaltung historischer Zeugen des Dorfes im Fokus

Impression eines Untervazer Herbstmarktes aus alten Zeiten.
Impression eines Untervazer Herbstmarktes aus alten Zeiten. Bild: Burgenverein Untervaz
Am Samstag, 2. Oktober 2021, ging an der Ulmgasse und auf dem Platz der 33. Untervazer Herbstmarkt über die Bühne. Organisiert wird der Traditionsmarkt vom Untervazer Burgenverein. Der Verein, der im letzten Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte, kümmert sich nicht nur um die Erhaltung der Vazer Burgen und die Organisation des Herbstmarkts, sondern ist noch in vielen weiteren Bereichen aktiv. Ein Vereinsporträt.

«Der Burgenverein wurde 1980 gegründet, um in einem ersten grossen Schritt die Sanierung der Ruine Neuenburg, unser über 800 Jahre altes Wahrzeichen, in Angriff nehmen und vom Bund und Kanton dafür Unterstützungsgelder beantragen zu können», erzählt Markus Bürkli-Wolf seines Zeichens Präsident des Untervazer Burgenvereins. «Als zweiten und dritten Meilenstein hat sich der Burgenverein damals die Sanierung der Burgruine Rappenstein beziehungsweise des Kultplatzes «Chäppali» inklusive Platzierung des aus der Keltenzeit stammenden Druidensteins vorgenommen.» Treibende Kraft sei Kaspar Joos, der erste Präsident des Vereins über 22 Jahre, gewesen. Der heute 82-Jährige sei immer noch mit Herzblut dabei und betreue das Vereinsarchiv, betont Bürkli. Er ist erst der dritte Präsident in der über 40-jährigen Geschichte des Burgenvereins Untervaz und seit 2010 im Amt. Von 2002 bis 2010 präsidierte Hans Krättli-Hardegger den Verein.

Anno Domini

Aus Gründen des besseren Verständnisses möchte die Autorin des Artikels an dieser Stelle die Ruine Neuenburg, die Burgruine Rappenstein sowie den Druidenstein beim Kultplatz «Chäppali» kurz vorstellen. Die Neuenburg, die bedeutendste der Vazer Burgen, das Wahrzeichen von Untervaz, steht auf einem Felsvorsprung südlich des Dorfes. Laut Website des Untervazer Burgenvereins ist ihre Entstehungszeit unbekannt. Jedoch bekannt ist, dass die Burg ein paar Mal die Besitzer wechselte. Im Jahr 1577 wurde sie von der Gemeinde Untervaz dem Bistum Chur abgekauft. Bis sich der Burgenverein im Jahr 1981 ihrer Sanierung annahm, war die Anlage dem Zerfall überlassen. Die Arbeiten zur Sicherung der Burg endeten 1984. «Letztes Jahr war es nach rund sechs Jahren wieder an der Zeit, bei der Neuenburg die Stauden respektive den Verwuchs auf der Mauerkrone im Mauerwerk zu beseitigen», steht im letztjährigen Jahresbericht des Burgenvereins mit Namen «Anno Domini» geschrieben. Ausgeführt wurden die Arbeiten wie 2014 von der Heli-Swiss.

Rappenstein

Die zweite Burg namens Rappenstein, eine Höhlenburg aus dem Mittelalter, befindet sich in einer engen und feuchten Felsspalte im Val Consenz oberhalb des Dorfes. Sie wurde vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut. Genannt wird sie nach der Familie Mötteli von Rappenstein, in deren Besitz sie im 15. Jahrhundert kam – wie auch die Neuenburg. Noch im selben Jahrhundert wurde diese Burg jedoch aufgegeben. Im August 1990 war in der «Neuen Bündner Zeitung» unter dem Titel «Ruine Rappenstein: Renovationsarbeiten für Schwindelfreie» folgender Text zu lesen: «Die Sanierungsarbeiten an der Ruine Rappenstein im Cosenztobel bei Untervaz sind in vollem Gange. Anfang September soll die Renovation abgeschlossen und die Ruine den Besuchern wieder zugänglich sein.»

Druidenstein

Als dritter Meilenstein kann der Druidenstein beim Kultplatz «Chäppali» genannt werden. Das Chäppali, die Ruine einer alten Kapelle, wurde 1988 saniert und von Bischof Johannes Vonderach von Chur und Pfarrerin Margreth Härdi eingeweiht. Bis der tonnenschwere Druidenstein seinen endgültigen Platz beim Chäppali hat einnehmen können, hat es rund 31 Jahre gedauert. Gefunden wurde der Stein bereits im Jahr 1973 bei einem Wegbau und dabei in drei Teile gesprengt. Erst auf Initiative des Burgenvereins wurde er Jahre später wieder zusammengesetzt. Heute wiegt der Granit aus dem Aarmassiv nur noch einen Drittel seines ursprünglichen Gewichts. Es wird angenommen, dass seine Geschichte bis zu den Kelten ins
5. Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Die im Stein eingearbeiteten Schalen hingegen werden von Archäologen der Bronzezeit zugeordnet.

  • Das Chäppali – ein idealer Ort, um zur Ruhe zu kommen und in sich zu gehen. Bild: Burgenverein Untervaz
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  • Der Kultplatz Chäppali mit dem Druidenstein. Bild: Burgenverein Untervaz
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Vielseitiger Einsatz

Der Untervazer Burgenverein hat sich, wie bereits erwähnt, nicht nur der Erhaltung und dem Schutz von Burgen und anderen geschichtlichen Zeugen des Dorfes verschrieben. Nein, er hat sich auch noch die «Weckung und Förderung» des Interesses am überlieferten Vazer Kulturerbe sowie die Pflege der Ortsgeschichte auf seine Fahne geschrieben, wie den Vereinsstatuten zu entnehmen ist. Laut Vereinspräsident Markus Bürkli macht die Sanierung der Burgen seit einigen Jahren nur noch den kleinsten Teil der Vereinsaktivitäten aus. In jüngster Zeit habe dieser den alten Kalkofen auf der Alp Windegg instand gesetzt und die Trockensteinmauer auf der Hinteren Alp wieder aufgebaut. Auch habe er seit seiner Gründung unter anderem Wanderwege ausgebessert und erstellt, Flurnamen im Berggebiet und Strassennamen im Dorfgebiet bearbeitet, verschiedene Sitzbänke aus Holz um und im Dorf aufgestellt, einen Dorfkalender herausgebracht und die Quelle Friewiserbad saniert. «Im letzten Jahr waren weitere Arbeiten beim Bad Friewis geplant. Doch diese und die Instandstellung des ‹Loriwegli› mussten wir wegen der Covid-19-Pandemie vertagen.»

Der Burgenverein zählt heute 801 Mitglieder, darunter auch viele Heimweh-Vazer, wie der Vereinspräsident stolz sagt. Dies seien acht Mal mehr Mitglieder als noch vor 41 Jahren. Im Weiteren betreibt der Verein einen Laden, in dem die selbstverfassten Publikationen und selbstgedrehten Dokumentarfilme vertrieben werden. Auch kann er ein Fotoarchiv mit rund 2500 Bildern sein Eigen nennen.

Apropos: Einlass am 33. Untervazer Herbstmarkt ist nur unter Vorweisen eines gültigen Covid-Zertifikats (geimpft, getestet, genesen) möglich. Von 9 bis 13 Uhr besteht auf dem Parkplatz bei der katholischen Kirche die Möglichkeit, sich für 5 Franken testen zu lassen. Jedoch ist die Anzahl der zur Verfügung stehenden Tests beschränkt. Weitere Infos zum Burgenverein Untervaz gibt’s unter www.bur genverein-untervaz.ch. (ls)

ls