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13.10.2021

Von gravierenden Unwetterschäden verschont

Die Ernte des Riesling-Silvaners ist voll im Gang.
Die Ernte des Riesling-Silvaners ist voll im Gang. Bild: zVg
Der Sommer 2021 zeichnete sich durch wenige warme Phasen und starke Regengüsse aus. Ende August setzte sich bereits der Frühherbst durch, und der September bescherte uns hoch- bis spätsommerliche Tage. Erst gegen Ende des Monats kam es zu einer deutlichen Abkühlung und etwas Niederschlag. Wie wirkte sich das auf die Obst- und Rebenkulturen aus? Der P&H hat letzte Woche nachgefragt.

«Durch das feuchte und warme Wetter von Mitte Juni bis Ende Juli hatte sich der Pilzdruck stark erhöht», erinnert sich Bio-Weinbauer Louis-Heinz Liesch aus Malans, dessen Familie eine Rebfläche von zwei Hektaren in Malans bearbeitet. «In dieser Zeit musste man einfach auf der Hut sein und die Reben gut beobachten, um dann betreffend Pflanzenschutz möglichst gute Entscheidungen zu treffen.» Er habe sicher einzelne Stellen mit falschem Mehltau gesehen, doch im Grossen und Ganzen seien sie recht gut weggekommen.

«Im Bio-Rebbau dürfen keine chemisch-synthetische Produkte verwendet werden, sondern nur schwefel- und kupferhaltige Mittel», erzählt der Betriebsleiter lieschbioweine.ch. «Natürlich versucht man da auch immer, Alternativen zu finden.» Aufgrund des starken Pilzdrucks und der hohen Feuchtigkeit dieses Jahr hätten sie etwas mehr betreffend Pflanzenschutz unternehmen müssen als vergleichsweise im Hitzejahr 2018. «In diesem Zusammenhang bin ich auch der Überzeugung, dass Pflanzen, die seit über 30 Jahren biologisch bewirtschaftet wurden, robuster und auch widerstandfähiger sind.»

Von Grün auf Blau

Dank der warmen Spätsommertage im September habe die Vegetation ihren Rückstand von rund zwei Wochen im Verhältnis zu den anderen Jahren etwas wettmachen können, erzählt Liesch weiter. In dieser Zeit habe dann auch bei den roten Trauben der Farbumschlag von Grün auf Blau stattgefunden. «Mit dem Farbumschlag beginnt die Rebe, Zucker zu produzieren», führt der Malanser Weinbauer weiter aus. «Ab diesem Stadium haben es die Pflanzen am liebsten, wenn es durchgehend schön ist.» Deshalb seien auch die warmen Tage und kalte Nächte Ende September genau das Richtige gewesen, um den Reifeprozess der Trauben bis zur bevorstehenden Ernte voranzutreiben. «In dieser Woche haben wir jetzt mit der Ernte der Riesling-Silvaner und Blauburgunder beginnen können», freut sich Louis-Heinz Liesch. «Mitte Oktober werden wir dann mit der Ernte der roten Traubensorten starten.»

Auch die Ernte der Pinot Gris steht bald an. Bild: Louis-Heinz Liesch

Normale Ernte

Wie der Malanser Weinbauer Heinz-Louis Liesch und viele andere Weinbauern in der P&H-Region steckt auch Walter Fromm, Bündner Rebbaukommissär und Leiter der Fachstelle Obst- und Weinbau des Plantahofs in Landquart, mitten in der Ernte der frühen Traubensorten. Angesprochen auf den diesjährigen Vegetationsrückstand sagt der Rebbaukommissär, dass es dabei zwei Zeithorizonte zu beachten gelte. «Wenn wir auf die letzten paar Jahre zurückblicken, dann kann von einem Vegetationsrückstand von zehn bis 14 Tagen gesprochen werden.» Wenn man aber dieses Jahr mit einem vor 20 Jahren vergleiche, dann würde man von einem normalen Jahr sprechen.

«Wir dürfen uns, obwohl uns das Wetter dieses Jahr viel Sorgen bereitet hat, glücklich schätzen, dass wir im Gegensatz zu anderen Regionen von gravierenden Unwetterschäden verschont geblieben sind», erzählt Fromm zufrieden. So sei beispielsweise auch der Verbrauch von Pflanzenschutz-Mittel nicht höher gewesen als in anderen, weniger feuchten Sommern. «Zudem wage ich schon jetzt zu sagen, dass wir mit einer normalen Ernte rechnen dürfen.»

Äpfel gut, Birnen schwach

Weniger normal sah die Ernte laut Marco Frey, Werkführer Obst-/Gartenbau des Plantahofs in Landquart, beim Kern- und Steinobst aus. «Zwar hatten wir durch den Sommer auch keine grossen Unwetterschäden zu beklagen, dennoch hatten wir mit Mehltaubefall und Schorfdruck zu kämpfen», erzählt der Werkführer Obst-/Gartenbau. «Diesen hatten wir aber dank gezieltem Pflanzenschutz unter Kontrolle.» Grosse Schäden habe der Frost im April hervorgerufen, betont Frey. Bei den Aprikosen und Pfirsichen habe dieser, wie bereits oft in den Medien zu lesen war, 100 Prozent ausgemacht. Bei den Kirschen, die Ende Juli geerntet wurden, machte die Ernte rund 70 Prozent der letztjährigen, normalen Ernte aus. Bei den Zwetschgen, die Anfang August erntereif waren, waren es nur noch 50 Prozent. «Zurzeit sind wir voll in der Kernobst-Ernte», hält Frey fest. «Die Äpfel haben eine gute Qualität, und auch deren Ernte fällt gut aus.» Ein Grund dafür seien die warmen Tage und kalten Nächte gewesen, die den Reifeprozess beschleunigt hätten. «Die Birnenernte hingegen wird schwach ausfallen, das heisst etwa 25 Prozent», weiss der Werkführer Obst-/Gartenbau aus Erfahrung. «Dies auch aufgrund des April-Frosts und der daraus resultierenden schwachen Befruchtung durch die Bienen.»

L. Steinmann