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Schiers
14.12.2021

Die EMS und das Glück der Tüchtigen

Die Massnahmen werden laut Direktor Hans-Andrea Tarnutzer gut angenommen an der EMS.
Die Massnahmen werden laut Direktor Hans-Andrea Tarnutzer gut angenommen an der EMS. Bild: C. Imhof
Graubünden verzeichnet derzeit die höchste Anzahl Coronafälle seit Beginn der Pandemie und die fünfte Welle trifft aktuell vor allem die Schulen. Während in den vergangenen Wochen beispielsweise in Fideris mehrere Klassen in Quarantäne geschickt wurden, gibt es im Prättigau eine Schule, die bisher von grossen Coronaausbrüchen glücklicherweise verschont geblieben ist: Die Evangelische Mittelschule in Schiers. Was sie richtig machen, wie die Krise die Schule verändert hat und vieles mehr könnt ihr hier erfahren.

An der Evangelischen Mittelschule Schiers fühlt es sich ab und zu so an, als sei die Zeit stehengeblieben. Wie schon seit eh und je hasten Schülerinnen und Schüler durch die Gänge und es gibt Leute, die behaupten, dass auch die Gerüche des alten Westbaus seit Jahrzehnten die gleichen geblieben sind. Auch, wenn viele Dinge Nostalgie wecken und so sind, wie sie immer waren, hat sich in den vergangenen zwei Jahren doch sehr vieles verändert. An jeder Ecke hängen Informationsplakate, die darauf hinweisen, Sicherheitsabstand zu halten, eine Gesichtsmaske zu tragen und die Hände fleissig zu waschen. Vor der Mensa stehen zudem Desinfektionsmittelständer und auf den Mittagstischen liegen Contact-Tracing-Formulare bereit.

Pilotprojekt des Kantons

Direktor Hans-Andrea Tarnutzer sagt, dass die Sicherheitsmassnahmen sehr gut angenommen worden seien. «Seit anfangs Schuljahr sind wir mit dem gleichen Sicherheitskonzept unterwegs und hatten bisher zum Glück noch nie grosse Corona-Ausbrüche.» Die EMS habe sich früh arrangiert mit der Pandemie und dank der Unterstützung vom Kanton Graubünden seien sie bisher vor Schlimmerem verschont geblieben. «Martin Bühler, Leiter des Kantonalen Führungsstabes, ist bereits im Januar 2021 auf uns zugekommen und wir durften als Pilotschule für die Schultestungen auf der Stufe Mittelschule beim Kanton mitmachen. Diese Unterstützung vom Amt ist natürlich sehr wertvoll und gibt uns die nötigen Instrumente, um schnell reagieren zu können, was bei fast 500 Lernenden, die zwischen Davos und Bonaduz zu Hause sind, sehr entscheidend ist.» Das bereits seit Beginn des Schuljahres bestehende Schutzkonzept der Evangelischen Mittelschule Schiers verlangt von den Mitarbeiter:innen, Schüler:innen und Lehrpersonen, dass in den Innenräumen Masken getragen werden. Ausnahme sei der Sportunterricht. Dort kann bei genügend Abstand auf die Maske verzichtet werden. Zudem gelten die vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen Weisungen bezüglich Hygiene, sowie der Umstand, dass alle, die in der Mensa essen, ihre Kontaktdaten hinterlegen müssen. Bei allfälligen negativen Ergebnissen in den Pooltestungen, könne rasch gehandelt werden. Der Direktor bildet zusammen mit dem Prorektor Untergymnasium, Mirco Auer, und zwei Sekretärinnen die Kerngruppe, die sich darauf spezialisiert hat, bei allfälligen Coronafällen sofort eingreifen zu können. «Falls am Montag jemand positiv getestet wird, werden umgehend alle zum Nachtesten gebeten, um die erkrankte Person zu identifizieren. Die anderen Klassenmitglieder können sich durch negative Test-ergebnisse aus der Quarantäne frei testen.» Durch diese Interventionen können Infektionsketten zügig unterbrochen und der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden.»

Dank Contact-Tracing, Maskenpflicht und Testungen funktioniert’s an der EMS. Bild: C. Imhof

Grosse Solidarität untereinander

Laut Aussage des Direktors verhalten sich die Lernenden sehr kooperativ. «Viele Schüler:innen verstehen seit dem ersten Lockdown den Zusammenhang und sehen, dass sie so ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten können, was sie zusätzlich anspornt, durchzuhalten. Viele von ihnen verhalten sich auch in ihrer Freizeit vernünftig, um so den Präsenzunterricht nicht aufs Spiel zu setzen, denn dieser garantiert ihnen auch die so wichtigen sozialen Kontakte.» In der EMS seien Begriffe wie Solidarität und Toleranz wichtig und werden auch gelebt. Es mache Tarnutzer stolz zu sehen, dass die seit Anfang der Pandemie vermittelten Werte derart von Schülerinnen und Schülern, sowie den Arbeitnehmenden mitgetragen werden. «Nicht nur bei den Lehrpersonen, sondern auch bei den Schüler:innen haben wir eine sehr hohe Impfquote und so können wir den Jugendlichen eine gewisse Sicherheit bieten, was für uns als Schule das Wichtigste ist.» Vielleicht sei es einfach das Glück des Tüchtigen, dass bei ihnen bisher an der Schule selber keine grösseren Ausbrüche zu verzeichnen waren. «Es ist sehr erfüllend zu spüren, dass alle ihren Teil dazu beitragen, aus der Krise zu finden.»

Die Digitalisierung geht voran

«Ein gewisser zusätzlicher Aufwand ist es schon», erklärt Hans-Andrea Tarnutzer. «Finanziell ist der Mehraufwand wegen Corona aber recht schwierig zu beziffern.» Er gehöre eben inzwischen einfach dazu. Anfänglich wurden die Lehrpersonen für Aufsichten bei der Umsetzung der Hygienevorschriften eingesetzt, inzwischen habe sich das aber eingepegelt. Die Pandemie hat aber auch Entwicklungen in Gang gesetzt, welche im Vorfeld nicht für möglich gehalten wurden. «Durch den ersten Lockdown wurden die Schulen gezwungen, rasch Fernunterricht anzubieten. Das hat bei uns einen Digitalisierungsschub ausgelöst. So haben wir beschlossen, auf das Schuljahr 21/22 hin flächendeckend das Prinzip «bring your own device», kurz BYOD, einzuführen, was heisst, dass alle Jugendlichen im Unterricht mit ihrem eigenen digitalen Gerät arbeiten können und Papier, sowie das mühsame Bücherschleppen mit der Zeit überflüssig wird.» Ausserdem funktioniere das Essen in der Mensa inzwischen nicht mehr mit Bons, sondern mit einer aufladbaren Karte. Der Geruch in den Gängen ist zwar geblieben. Ansonsten hat sich die Schule den neusten Gegebenheiten und Ansprüchen der Gesellschaft angepasst. Hier werden auch zukünftig die Fundamente von spannenden Biografien gelegt, egal ob gerade Pandemie ist oder nicht.

cim