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Schiers
01.01.2022

Die Grundversorgung für alle Eisbegeisterten

Martin Bardill und Walter Widmaier sorgen mit ihrem Team dafür, dass im Prättigau auch an der frischen Luft «Schlittschüahla» möglich ist.
Martin Bardill und Walter Widmaier sorgen mit ihrem Team dafür, dass im Prättigau auch an der frischen Luft «Schlittschüahla» möglich ist. Bild: Christian Imhof
Seit dem vergangenen Oktober und noch bis am 6. März hat das Kunsteisfeld im Schierser Wald jeweils täglich offen. Mit viel Leidenschaft setzten sich dort einige engagierte Persönlichkeiten im Dienst der Öffentlichkeit dafür ein, dass alle, die Schlittschuhfahren wollen, die Möglichkeit dazu bekommen. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass das Angebot auch in den Ferien rege genutzt wird.

Seit 1996 besteht die Kunsteisbahn in Schiers, doch Schlittschuhfahren konnte man auch schon viele Jahre davor, wie Betriebsleiter Walter Widmaier sagt. «Begonnen aus dem Gebiet hier hinten im Wald eine Natureisbahn zu machen, wurde schon 1949. Da die Sonne hier ab Oktober sich praktisch gar nicht mehr zeigt, schafft dies natürlich ideale Voraussetzungen für Natureis.»

Auf dem Eisfeld herrscht reger Betrieb. Bild: Christian Imhof

Der Lernplatz für alle

Wenn gerade nicht Schulferien sind, ist das Eis in der Regel für die Schulen aus dem Prättigau reserviert. Nicht nur die EMS mit ihren rund 450 Schüler:innen, auch die Dorfschule und das Oberstufenzentrum nehmen diesen Service Public gerne in Anspruch und zahlen einen Unkostenbeitrag für die Eisnutzung, erklärt Widmaier, der lieber über die Begeisterung für die Bewegung als über Zahlen spricht. Doch nicht nur im Sportunterricht wird hier über das Eis gekreist, auch Hockeygrössen wie Marc oder Dino Wieser haben hier ihre ersten Sporen abverdient. «Das ist schon schön zu sehen, dass immer wieder neue Generationen den Weg zu uns finden und hier das Schlittschuhfahren erlernen», sagt Widmaier, dessen Enkel Martin Bardill seit gut fünf Jahren das Präsidium des Trägervereins innehat. Die Freude an der Sache ist beim Gespräch mit Beiden jederzeit greifbar und auch für Martin ist klar, was den Platz an der Sagastägstrasse 23 so magisch macht. «Ich glaube, dass wir eher ein Geheimtipp für Familien und dass wir nicht total touristisch überlaufen sind, macht schon viel aus. Es überrascht mich immer wieder, wenn ich sehe, von wo her die Leute kommen, um ihren Kleinsten das Eislaufen beizubringen.» Neben der ausgezeichneten Lage in der Natur gebe es aber auch noch einige andere Kriterien, die für die «KEB» Schiers sprechen. «Ich kenne keine andere Eisbahn, bei der man mit den Schlittschuhen an ins Restaurant sitzen und vom Fenster aus, die Kinder beobachten kann. Das finden sehr viele Eltern schon recht entspannend.» Der Lernplatz für alle kommt sogar bei Prominenten an, wie Widmaier sagt. «Erst kürzlich war Joe Thornton mit seinen Kindern hier und kam aus dem Schwärmen für den Platz kaum mehr heraus. Also so ein schönes Eishockeyfeld mitten in der Natur habe er dann doch noch nie erlebt.

Die Eisfeldbeleuchtung ist schon von weitem sichtbar. Bild: Martin Bardill

Irgendwie geht’s weiter

Auch wenn Walter Widmaier die 70 bereits überschritten hat, man spürt, dass ihn der Platz und vielleicht auch der Kontakt mit der Jugend wach und vital hält. Auch, wenn sie in der Saison 2020/21 wegen Corona um die 40'000 Franken Minus gemacht haben, jammern sei nicht ihr Ding. «Wir machen das aus Freude an der Sache und um dem Prättigau ein Eisfeld für alle zu bieten. Wir sind auch kein Bettelverein oder etwas in diesem Stil. Wir haben immer versucht, es irgendwie auf die Reihe zu kriegen, was uns bisher in den letzten 23 Saisons gut gelungen ist.» Es sei ganz in Ordnung, dass das Eisfeld im Wald auch noch ein bisschen ein Geheimtipp bleibe, denn hier werde viel auf Vertrauen gesetzt und bisher seien sie damit sehr gut gefahren. Ein Billettautomat zu installieren, sei ihnen zu wider und auch sonst sei es nicht geplant irgendwann Depot für die vermieteten Schlittschuhe zu verlangen. «So kommt vielleicht pro Saison ein Paar Schlittschuhe abhanden, aber im Normalfall ist es eher so, dass mehr Zeug liegen bleibt, als mitgenommen wird», wie der Pensionierte lachend erklärt. Nicht nur übers Inventar, sondern auch über die Zukunft vom Betrieb macht sich Walter Widmaier wenig Sorgen. Aktuell spüre man zwar eine gewisse Unsicherheit bei den Gästen und die Gastronomie laufe nur noch einen Drittel so gut, wie vor Corona, doch auch das gehe vorbei. Funktionieren wird die Grundversorgung an Eisfeld für das Prättigau vor allem, weil er, sein Enkel und auch viele gute Seelen im Hintergrund für die gemeinsame Sache voller Freude einstehen und hin und wieder Kompromisse eingehen. Dieses Improvisieren der fleissigen Eisbetriebler ist unheimlich wichtig für das Dorfleben und wird leider viel zu oft, als selbstverständlich angesehen.

cim