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Klosters - Saas i.P. - Serneus
09.01.2022
07.01.2022 12:25 Uhr

Das alte Schulhaus wird zum Kunsthaus

Konrad Gruber ist zuständig für das Kunsthaus Klosters.
Konrad Gruber ist zuständig für das Kunsthaus Klosters. Bild: C. Imhof
Endlich ist das grosse Jubiläumsjahr da. Unter dem Banner «Walserstolz und Weltgeschichten» feiert die Region 800 Jahre Klosters. Anlässlich dieses runden Wiegenfests entsteht im alten Primarschulhausgebäude in Klosters Platz das temporäre Kunsthaus Klosters, welches am 28. Mai 2022 in Betrieb genommen werden soll.

«Es ist ein Gebäude, das eine Vielzahl an (Lebens-)Geschichten, aber auch den ständig in die Zukunft gerichteten Blick widerspiegelt: das alte Primarschulhaus in Klosters Platz.» So zumindest steht es in der Ausschreibung des Kunsthauses Klosters. Das ehemalige Schulhaus wurde 1899 in Betrieb genommen, zuvor waren die Kinder der Region in bis zu vier verschiedenen Häusern unterrichtet worden. Etwa um 1930 wurde der etwas filigrane Bau mit Glockentürmchen und Bogenfenstern wahrscheinlich abgebrochen, und das Schulhaus erhielt sein heutiges, eher nüchternes, aber markantes Erscheinungsbild. Obwohl seit dem Neubau der Schulanlage im September 2019 die alte Schule in Klosters Platz leer steht, herrscht aktuell viel Betrieb im und ums Gebäude. Einerseits ist in der ehemaligen Turnhalle ein öffentlicher Pumptrack installiert, andererseits findet sich die Coronateststation der Gemeinde im Erdgeschoss. Auch in einer Zukunft mit tieferen Covid-Ansteckungszahlen soll den geschichtsträchtigen Mauern wieder mehr Leben eingehaucht werden. Verantwortlich dafür ist eine fünfköpfige Steuergruppe aus Klosters sowie die für die Projektleitung verantwortlichen Konrad Gruber, dessen Mutter ursprünglich aus Klosters stammt, und seine Partnerin Dana Pedemonte mit ihrer Kulturagentur Enzyan.

Wo heute noch getestet wird, entsteht ab Mai Kunst. Bild: C. Imhof

Eine willkommene Aktion

Die Idee, die alten Schulzimmer in Kunstateliers für einheimische, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler umzunutzen, stosse auf sehr viel positive Resonanz, sagt Gruber. «Erst kürzlich haben wir das Projekt ausgeschrieben, und es sind schon vier Bewerbungen eingegangen für das Kunsthaus Klosters.» Auch, wenn die Wände und Räume aktuell noch ziemlich kalt und ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirken, mit ein bisschen Phantasie kann man sich sehr gut vorstellen, dass in den Gängen bald Skulpturen stehen, an den Wänden Bilder hängen und in den Räumen, wo früher gepaukt wurde, kreativ Neues entstehen kann. Neben den ausstellenden Kreativen werden im Kunsthaus Klosters auch drei Gruppen von Artist in Residence Künstler:innen im Haus leben, arbeiten und die bildnerischen, installativen, multimedialen sowie digitalen Werke durch ihr Schaffen verknüpfen, in Bezug setzen und ergänzen. Ein paar Kriterien gibt es laut Gruber aber schon, um im entstehenden Kunsthaus werken und ausstellen zu können. «Alle Kunstschaffenden sollten einen gewissen Bezug zu Klosters haben. Sie sollten formell oder persönlich mit der Gemeinde verbunden sein.» Bei dem von 28. Mai bis 30. November 2022 bestehenden Grossprojekt vermische sich die Vergangenheit mit der Gegenwart und die Besucher:innen aus nah und fern könnten sehen, wie die bisher noch gesuchten Künstler:innen das Thema «Walserstolz und Weltgeschichten» mit eigenen Ideen in Kunst verwandelten

In der Aula sollen bald Ausstellungen stattfinden. Bild: C. Imhof

Dank Corona noch was übrig

Nicht nur die Kunstschaffenden und die Gemeinde seien sofort begeistert gewesen von der Neu- und Umnutzung des Primarschulgebäudes, auch bei den Stiftungen sei das Projekt sehr gut angekommen, erklärt der studierte Kulturmanager aus dem Albulatal. «Ich war selber sehr überrascht, wie schnell wir mit dem Fundraising vorangekommen sind. Es schien fast ein wenig so, dass wegen der ganzen Veranstaltungsabsagen viele Stiftungen froh darüber waren, dass endlich wieder mal kulturelle Events auf die Beine gestellt werden.» Eröffnet wird das umgenutzte Gebäude, welches auch als Ort der Begegnung gelten soll, am 28. Mai 2022. Momentan läuft laut Konrad Gruber noch die Bewerbungsfrist für die Künstlerinnen und Künstler. «Bis am 28. Februar 2022 kann man sich noch auf www.kunsthausklosters.ch bewerben. Dann wird die Jury bestehend aus Sylva Denzler, Annalies Walter, Marietta Kobald-Walli, Christof Hegi, Dana Pedemonte und mir über die teilnehmenden Artisten entscheiden», erklärt Konrad Gruber den aktuellen Stand des Projekts. Vielleicht schaffen es die Verantwortlichen, mit dem Kunsthaus eine Alternative aufzuzeigen, wie man leer stehenden Gebäuden neues Leben einhauchen kann. Und vielleicht entsteht aus der temporären Zwischennutzung ein längerfristiges Projekt, aus dem ein Ort der Begegnung, auch nach dem Jubiläum, entstehen kann.

Christian Imhof