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Mit Scherenschnitten für mehr Gleichberechtigung

Die Künstlerin Marlis Spielmann, Christof Hegi von der Kulturallianz und Rednerin Annalies Walter.
Die Künstlerin Marlis Spielmann, Christof Hegi von der Kulturallianz und Rednerin Annalies Walter. Bild: C. Imhof
In einer ehemaligen Telefonkabine steht an der Bahnhofstrasse Klosters die Kulturbox. Diese wird von der Kulturallianz betrieben und zeigt seit dem 28. Dezember 2021 und bis am 9. April 2022 Scherenschnitte der Künstlerin Marlis Spielmann.

An der Vernissage im kleinen Rahmen nahm neben den üblichen Kulturbegeisterten auch Annalies Walter teil. Sie, die bereits seit über 20 Jahren mit der Künstlerin befreundet ist, zeigte in einer lebhaften Ansprache, welche besonderen Details die ausgestellten Kunstwerke bereithalten. Die Klosterser «Zweitheimische» Spielmann zeichne mit links und schneide mit rechts, was schon aussergewöhnlich sei. «Es ist ihr wichtig, dass beide Hände ausgeglichen in die künstlerische Arbeit miteinbezogen werden.»

Bild: C. Imhof

Die Totalität des Lebens

Angefangen habe bei ihrer Kollegin Marlis Spielmann alles mit einem Auftritt einer Scherenschneiderin im lokalen Fernsehen, erzählte Annalies Walter. «Sie hat sich den Namen gemerkt, die Dame ausfindig gemacht, diese besucht und sie gebeten, ihr das klassische Scherenschneiden beizubringen. Mit der Zeit und der intensiven Beschäftigung hat Marlis Spielmann eine eigene Technik erarbeitet, angefangen ihre ganz eigenen Bilder zu kreieren und ihre lebhafte Phantasie einfliessen zu lassen. Entstanden sind immer mehr beeindruckende Kunstwerke, die mit den ehemaligen bäuerlichen Scherenschnitten nichts mehr gemeinsam haben. Die Themen in den Kunstwerken von Marlis Spielmann kreisen sich um eine grosse Motivgruppe: die Menschen, Erotik, Sexualität, gesellschaftliche Problematiken sowie alles, was die Totalität des Lebens ausmacht.»

Bild: C. Imhof

Nichts wird kaschiert

Annalies Walter hat Recht, denn in der Tat sind die Kunstwerke von Spielmann nicht prüde oder gar konservativ. Laut der Laudatorin, lohne es sich bei ihrer Kollegin immer zwei Mal hinzuschauen. «In Tanz und Reigen wirken die Schnitte auf den ersten Blick anziehend und schön. Wenn wir genauer hinschauen, verschwindet diese heile Welt oft, wir werden mit Gewalt – sogar mit Revolvern – konfrontiert.» Die Art und Weise, wie Spielmann an ihre Kunst herangehe, sei ausserdem sehr bewundernswert. «Wenn ein Schnitt daneben geht, wird dieser nicht ausgebessert oder kaschiert, sondern darf bestehen, weil gerade das die Individualität jedes Unikats ausmacht. Nach dem Schneiden bemalt die Künstlerin die Scherenschnitte. Es gibt keine Korrekturen, ein Schnitt ist ein Schnitt, ein Pinselstrich ein Pinselstrich.» Durch dieses Echte wirkt ihre Kunst immer menschlich und leicht verständlich. Bei einem grossen gesellschaftlichen Thema wie «Me too» ist es umso wichtiger, dass die Kunstwelt nicht schweigt und die Botschaft möglichst direkt beim Publikum ankommt. Der Künstlerin, die in Thalwil, Erlenbach und Klosters lebt und arbeitet, ist es gelungen mit der Ausstellung «Das lässt hoffen!» aufzurütteln und die Gäste an der Bahnhofstrasse Klosters zum Nachdenken anzuregen. Von dem her ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie erst kürzlich wieder mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Sie erhielt nämlich dem Forumspreis des Ostschweizer Museums Bickel.

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C. Imhof