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Schneeschuhwanderungen leiten will gelernt sein

Bild: Michael Meier
Im Rahmen der Ausbildung zum Wanderleiter mit eidgenössischem Fachausweis besucht derzeit die Klasse 21/22 des Berufslehrgangs das Wintermodul in St. Antönien. Dieser Lehrgang wird seit Jahren im Auftrag von Wanderwege Schweiz durch Wanderwege Graubünden durchgeführt. Die Bündner waren Initianten des Lehrganges. Sie hatten schon früh den Weitblick, mit dieser spezifischen Ausbildung das respektvolle Miteinander in den Bergen zu fördern.

Im Fokus der Ausbildung stehen die sichere Tourenplanung im Winter, die Vermittlung von fundierten Schnee- und Lawinenkenntnissen sowie die Schaffung von einmaligen Naturerlebnissen für die künftigen Gäste. Während fünf Tagen beschäftigen sich die 16 Teilnehmer:innen also mit der Beurteilung von Schneeprofilen, der Analyse von Geländeformen und mit idealen Techniken, um im Winter optimale Spuren ins Gelände zu legen. Daneben kommen aber auch Themen wie Lawinenrettung nicht zu kurz. Intensiv wird mit dem LVS, dem Lawinenverschütteten-Suchgerät, die Suche geübt, es wird nach verschütteten Personen und Gegenständen sondiert und gegraben. Im Notfall ist es schliesslich lebenswichtig, keine unnötige Zeit in der Suche und Rettung von Verschütteten zu verlieren.

Tourenvorbereitung. Bild: Michael Meier

Vielfältige und intensive Ausbildung

Die Teilnehmenden haben sich im letzten Jahr bereits intensiv mit der Planung und Durchführung von Sommer-Wanderungen auseinandergesetzt. Nebst der sicheren Tourenplanung standen dabei auch Themen wie Meteorologie, Geologie, erste Hilfe, Flora und Fauna auf dem Stundenplan. Abgeschlossen wurde der Ausbildungsblog mit einer mehrstündigen schriftlichen und praktischen Prüfung. Im Gegensatz zu den Bergführern steht bei den Wanderleitern nicht primär das Technische im Zentrum einer Tour. Vielmehr geht es den Wanderleiter:innen darum, mit ihren Gästen ein einmaliges Natur- und Kulturerlebnis zu schaffen. Dazu werden die Teilnehmenden explizit auch in methodisch-didaktischen Fragestellungen geschult. Der Gast wird so noch bewusster eingeladen, die Natur aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen, dieser achtsam zu begegnen und mit ihr respektvoll umzugehen. Um sich nach Abschluss des Vorbereitungskurses an die eidgenössische Prüfung anmelden zu können, haben die Wanderleiter:innen einen Praxisnachweis über mindestens 200 geführte Stunden zu erbringen. Nebst eintägigen Touren im Sommer sind dabei auch mehrtägige Trekkings und Schneeschuhwanderungen zu dokumentieren. Nach intensivem Schneefall am letzten Wochenende zeigt sich St. Antönien diese Woche wieder von seiner Sonnenseite und erstrahlt in schönsten Weiss. Eine Steilvorlage für das Bergsteigerdorf, um die Kursteilnehmenden, welche aus der ganzen Deutschschweiz angereist sind, zu animieren, Wertschöpfung in der Region zu generieren. Auch dies ein zentrales Element der Ausbildung. Sanfter, nachhaltiger Tourismus soll gefördert werden. Das beinhaltet nicht nur die Angebotsplanung abseits der klassischen Hotspots sondern auch die Berücksichtigung der Infrastruktur vor Ort.

Lernen im Schnee. Bild: Michael Meier

Wildtierfreundlich in die Natur

Wintersport soll nicht nur den Menschen Freude bereiten, sondern auch die Wildtiere in ihrer Ruhe gebührend respektieren. Als passionierter Jäger ist dem Kursleiter Werner Stucki wichtig, dass die angehenden Wanderleiter:innen auch im Winter auf einen wildtierfreundlichen Umgang achten, damit diese in der Winterruhe möglichst wenig gestört werden. Daher gilt es, bereits in der Vorbereitung der Tour zu Hause zu prüfen, dass diese nicht durch eine Wildruhezone oder ein Wildschutzgebiet führt. Und wenn doch einmal ein Waldabschnitt passiert werden soll? In diesem Fall soll der Raumanspruch möglichst gering gehalten werden, um stressige Begegnungen mit Wildtieren zu vermeiden. «Einander rücksichtsvoll und mit Respekt begegnen. – Wie im richtigen Leben auch», bringt es Stucki auf den Punkt. Für die Teilnehmer:innen gehen in der Zwischenzeit die Vorbereitungen auf den nächsten Tag weiter. Anhand der Karte soll das Gelände beurteilt und eine ideale und sichere Route auf den Eggberg vorbereitet werden, damit die Schneeschuhwanderung auch zu einem bleibenden Naturerlebnis führt. «Das Erlebnis ist meist nicht im steilen Gebirge zu suchen», hat Stucki der Gruppe eingebläut. Ob er damit den Teilnehmer:innen auch einen leisen Spick für weniger strenges Spuren geben wollte, sei dahingestellt. Die traumhaft verschneite Landschaft in St. Antönien lässt auf jeden Fall ausreichend Raum, sich auf einen weiteren einmaligen Wintertag vorzubereiten.

  • Schulung im Gelände. Bild: Michael Meier
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  • Vor dem LVS-Test. Bild: Michael Meier
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mme