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Untervaz
13.03.2022
11.03.2022 15:10 Uhr

«Meine Skulpturen sollen Freude bereiten»

Rini Collenberg will Kunst schaffen, die für alle erschwinglich ist.
Rini Collenberg will Kunst schaffen, die für alle erschwinglich ist. Bild: C. Imhof
Auf dem Weg von Zizers nach Untervaz stechen sie einem sofort ins Auge: die grossen Skulpturen auf dem Dach der Firma Glaserei CT. Verantwortlich für die grossen Figuren, die Wind und Wetter trotzen, ist der Untervazer Rinaldo Collenberg, der eher zufällig als Künstler zur Glasfirma im Industriegebiet gekommen ist.

Ein bisschen schläfrig wirkt Rinaldo Collenberg, der von allen meist «Rini» genannt wird, am Donnerstagmorgen noch. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn er sorgt bei der Guggenmusik Schattahöggler als Trommler für die nötige Schlagkraft und ist bei unserem Treffen, einen Tag nach dem Aschermittwoch, natürlich noch mitten in der Regeneration. Über sein Gesicht huscht ein Lächeln, als ich die Werkhalle der Glaserei CT betrete, denn über sein kreatives Schaffen spricht der 41-Jährige gerne.

Lieber Handwerker

Ursprünglich die Lehre gemacht hat Rini bei der Giesserei in Chur als technischer Modellbauer. Habe dann aus gesundheitlichen Gründen aber die Branche gewechselt und die Handelsmittelschule absolviert. Durch Vitamin B wurde Collenberg der Einstieg bei der Raiffeisen Bank im Dorf ermöglicht, wo er acht Jahre lang blieb. Doch glücklich als Banker wurde er nicht. «Ich bin ein Handwerker und muss immer was zu tun haben. Aus diesem Grund habe ich damals neben der Arbeit in einer alten Schreinerei ein Atelier eingerichtet und als Ausgleich Skulpturen hergestellt. Wenn ich schon auf der Bank arbeite, dachte ich mir, dass ich mir zumindest dies als Hobby leiste.» Als dann 2015 die Glaserei CT AG von der Ringstrasse Chur in die Industriezone nach Untervaz zog, durfte Rinaldo Collenberg weiterhin bleiben und durch die neue Firma im gleichen Gebäude taten sich schon bald Türen auf, von denen der Künstler nie zu träumen gewagt hätte.

Rinaldo Collenberg will mit seiner Kunst Freude schenken. Bild: C. Imhof

Dieses verrückte Herz

«Eines Tages kam der Chef auf mich zu und fragte, ob ich mein Hobby nicht zum Beruf machen wolle», erinnert sich Collenberg zurück an den Tag im Jahr 2016. «Ich war damals ein bisschen perplex und konnte mir noch nicht wirklich vorstellen, was ich denn hier überhaupt den ganzen Tag machen soll. Doch er sagte, dass es immer genügend Arbeit gibt bei der Firma und er auch hin und wieder mal jemanden braucht, der im Büro hilft.» So hätten die Beiden dann die Tochterfirma Skulpturen CT gegründet und seit diesem Moment arbeite er 50 Prozent als Künstler und nicht mehr als Banker wie zuvor. Dass Rini Collenberg nur dieses Arbeitspensium erfüllen kann, liegt vor allem an seinem Motor. «Ich besitze nur ein halbes Herz oder wie es in der Fachsprache heisst ein ‹Fontan›-Herz. Das heisst, ich bin zum Teil schnell erschöpft und bin nicht so lange belastbar wie andere.» Wenn Collenberg von seinem Herzfehler spricht, tut er das immer sehr sachlich und nie verbittert. Er scheint sich mit seinem Schicksal und den damit verbundenen vielen Operationen gut arrangiert zu haben und versprüht eine extreme Dankbarkeit und Lebensfreude.

Bild: C. Imhof

Über 200 Figuren hergestellt

Vieles von ihm spiegelt sich in den Skulpturen, die Rinaldo Collenberg fertigt. Seine Werke sind meistens in Bewegung und strahlen eine ungeheure Stärke aus. Neben den dynamischen Männchen, die total seine Handschrift tragen, arbeitet der Kreative oft auch mit echten Steinbockhörnern. In der Regel arbeite er parallel an drei bis vier Skulpturen. «Einerseits hat mir mein Chef ein Kundensegment eröffnet, welches sehr kunstaffin ist und anderseits ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass meine Skulpturen für alle erschwinglich sind.» In der Tat kosten seine grossen Werke meistens weniger als die von anderen Künstlern und können so auch von Kunden erworben werden, die gerne ein Einzelstück hätten, aber nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren seien. «Das kreative Schaffen macht mir Spass und meine Skulpturen sollen auch den Menschen zuhause Freude bereiten.» Dieses Konzept scheint aufzugehen, denn in den vergangenen sieben Jahren hat der Künstler über 200 seiner Werke hergestellt und teils unter die Leute gebracht. Inzwischen fertigt Collenberg hauptsächlich Auftragsarbeiten an. «Ich finde das wahnsinnig spannend, wenn ein Kunde bei uns vorbeikommt und von seinen Vorstellungen spricht. Bei mir fängt es dann sofort an zu rattern und ich überlege mir schon, welches Material ich nehmen möchte und wie ich genau vorgehen möchte.» Seine Arbeitsweise habe sich über die Jahre sicher auch durch den Austausch mit seiner Frau, aber auch mit seinem Chef stark gewandelt. «Am Anfang habe ich praktisch alles mit Draht gemacht, doch hier im Geschäft haben sie mir gezeigt, wie man richtig schweisst, was mir eine ganz neue Welt eröffnet hat.» Seine Werke sind heute oft aus Kunststoff, Holz, Beton, Alu und allerlei anderen Rohstoffen. «Der Ort, wo die Skulptur steht, bestimmt nicht nur den Rohstoff, sondern auch die Verarbeitungstechnik.» Trotz dem soliden Absatz träumt Rinaldo Collenberg noch von Grösserem. «Mal so einen Kreisel oder einen Platz zu gestalten, wäre etwas Wunderbares. Doch man muss auch mal zufrieden sein.» Zufrieden und bescheiden, wie eh und je ist Collenberg auch, wenn er bei Kunstwettbewerben den Kürzeren zieht, da ihm vielleicht mal ein Diplom fehlt. Der Untervazer hat eben erkannt, dass es bei der Kunst um die Vermittlung von Freude geht. Diese scheint er ganz gut im Griff zu haben, was ein Blick in seine eher leeren Stauräume zeigt.

Christian Imhof