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Food
05.04.2022

Warum ist Fisch kein Fleisch?

An Karfreitag gedenken die Christen dem Leiden und Sterben von Jesus Christus am Kreuz.  (Symbolbild)
An Karfreitag gedenken die Christen dem Leiden und Sterben von Jesus Christus am Kreuz. (Symbolbild) Bild: Pixabay
Karfreitag ist einer der wichtigsten Feiertage der Christen. Doch warum soll man an diesem Tag kein Fleisch essen? Und warum ist Fisch kein Fleisch?

Am Freitag, 15. April 2022 ist Karfreitag – der Freitag vor Ostern. Er ist einer der wichtigsten Feiertage der Christen und geht mit einigen Regeln und Bräuchen einher, die auch über die Kirche hinaus bekannt sind. Eine davon lautet: Kein Fleisch an Karfreitag. Doch woher kommt der Brauch?

Die katholische Kirche schreibt vor:

«Wenn immer möglich sollen gläubige Katholiken ab 14 Jahren an Freitagen und speziell an Karfreitag kein Fleisch essen. Ausgenommen von dieser kirchlichen Regelung sind Senioren, kranke Menschen und körperlich schwer arbeitende Menschen.» «Wer nicht fastet, sollte in irgendeiner anderen Art Busse tun.»

Die Regeln zum Fleischverzicht wurden allerdings 1967 durch Papst Paul VI. etwas gelockert. Seither ist es den nationalen Bischofskonferenzen selbst überlassen, ob das Fleischfasten im jeweiligen Land beibehalten wird oder nicht.

«Jeder Freitag ist ein kleines Gedenken an Karfreitag, so wie jeder Sonntag ein kleiner Gedenktag für Ostern ist.»
Hansruedi Huber, Mediensprecher des Bistums Basel.

Karfreitag als Fastentag

An Karfreitag gedenken die Christen dem Leiden und Sterben von Jesus Christus am Kreuz. In der katholischen Kirche ist Karfreitag ein strikter Fastentag.

Dass es an Karfreitag kein Fleisch gibt, ist für Katholiken besonders wichtig. Bei den Reformierten ist der Karfreitag kein strikter Fastentag. Eigentlich ist jeder Freitag ein Gedenktag an Karfreitag und damit ein kirchlicher Bußtag.

Freitag – Wähen- oder Fischtag

In der Schweiz war früher das Mittagessen freitags gesetzt: Es gab Fisch. Die Mama wälzte weisse Filets, vermutlich Dorsch, zuerst in Mehl, dann in einer Panade aus Ei und Semmelbröseln. Zu den goldgelb gebratenen Stücken schmeckte Kartoffelsalat besonders gut. Fragte man nach dem Grund für diese Standard-Mahlzeit, hiess es: «Christen dürfen freitags kein Fleisch essen.»

Tatsächlich geht der Brauch auch in der Schweiz auf Karfreitag zurück. Gläubige sollen an diesen Tagen maximal eine sättigende Mahlzeit zu sich nehmen (Fasten) und auf Fleisch verzichten (Abstinenz).

Letzteres vom Speiseplan zu streichen, geht auf biblische Fastentraditionen zurück, nach denen Fleisch von Warmblütern verboten war. «Die Kirche legte sogenannte Fastenspeisen fest», sagt Karl Schmuki von der Stiftsbibliothek St. Gallen. Demnach war lange sogar Fleischbrühe verwerflich. Im Mittelalter waren darüber hinaus Milchprodukte oder Eier – beides stammt von warmblütigen Tieren – untersagt. Fisch, ein Kaltblüter, war hingegen erlaubt.

Die Tradition lebt weiter

Wie streng es Menschen mit dem freitäglichen Fleischverbot heute halten, ist schwer zu sagen. Die Praxis sei sicher nicht mehr so weit verbreitet wie noch vor mehreren Jahrzehnten, schätzt Hansruedi Huber. Doch die Tradition lebe weiter.

Viele Landgasthöfe etwa bieten Fisch statt Fleisch als Tagesmenü an. Und fahrende Händler kommen vor allem donnerstags und freitags in Ortschaften, um Egli oder Forellen zu verkaufen.

Freitag ist Fischtag – das hat sich, wenn auch aus weniger religiösen Gründen, eingespielt. Gesundheitliche Aspekte sind in den Vordergrund getreten. Freitag ist aber auch Wähentag – das ist ein Slogan der Bäckereien. Es hat sich in der Schweiz eingespielt, dass man freitags überall Frucht-, Käse- und Gemüsewähen kaufen kann, um auf ein Fleischgericht verzichten zu können.

vilan24/Patricia Rutz/Goldküste24